Viele Frauen spüren Hormonschwankungen im Rahmen des Zyklus deutlich. Sie fühlen sich erschöpft und gereizt, schlafen schlecht oder leiden an Brustspannen, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen – besonders an den Tagen vor der Periode. Kein Wunder, dass das Interesse an natürlich-sanften Helfern wie pflanzlichen Präparaten, die „Hormon-Balance“ oder „Zyklus-Unterstützung“ versprechen, groß ist.
Die Kapseln oder Tabletten enthalten etwa pflanzliche Inhaltsstoffe wie Mönchspfeffer, Frauenmantel, Yamswurzel, Ashwagandha, Nachtkerzenöl und Ginseng sowie B-Vitamine, Aminosäuren und Mineralstoffe wie Magnesium, Zink und Kalzium.1 Für viele dieser Stoffe gibt es allerdings keine ausreichenden Belege für ihre Wirksamkeit.
Was pflanzliche Arzneimittel von Nahrungsergänzung unterscheidet
Zunächst ist es wichtig, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Arzneimittel zu unterscheiden.2 Pflanzliche Arzneimittel unterliegen einer strengen Regulierung. Ihre Wirksamkeit und Sicherheit müssen belegt und die Wirkstoffe pharmakologisch aktiv sein. Beispiele hierfür sind Präparate mit Mönchspfeffer, Traubensilberkerze oder Yamswurzel, die teils pharmazeutisch aufbereitet und ausreichend hoch dosiert sind und traditionell bei Zyklusunregelmäßigkeiten, Wechseljahresbeschwerden oder dem prämenstruellen Syndrom (PMS) eingesetzt werden.3 „Bei den traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln sind keine klinischen Studien erforderlich. Ihre Wirkung gilt aber als plausibel, weil sie seit langem angewendet werden“, sagt Angela Clausen, Diplom-Ökotrophologin und wissenschaftliche Referentin der Verbraucherzentrale NRW im Bereich Ernährung und Umwelt.4
Insbesondere Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) wird häufig bei Zyklusstörungen und PMS-Symptomen eingesetzt. Seine Inhaltsstoffe wirken im Gehirn auf den Hormonregelkreis, beeinflussen etwa den Prolaktinspiegel und können so Beschwerden reduzieren. „Die Linderung von PMS-Beschwerden durch Arzneimittel mit Mönchspfeffer konnte auch in Studien nachgewiesen werden“, so Clausen. „Wie groß der Effekt ist, muss allerdings noch untersucht werden.“ Die Anwendung sollte vorab mit dem Gynäkologen oder der Gynäkologin besprochen werden.5,6
Pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel (NEM) gelten dagegen rechtlich nicht als Medikamente, sondern als Lebensmittel. „Nahrungsergänzungsmittel dürfen gar keine pharmakologische Wirkung haben, und entsprechend auch keinen wirklichen Einfluss auf den Hormonstoffwechsel“, erklärt die Expertin.7 Daher enthalten sie Heilpflanzen nur in sehr geringer Menge. Das hat vor allem Sicherheitsgründe und soll mögliche Nebenwirkungen verhindern.
Positiver Effekt durch Vitamine und Mineralstoffe
„Wenn Nutzerinnen eine Wirkung spüren, liegt das in der Regel an den zugesetzten Vitaminen oder Mineralstoffen und nicht an den Pflanzenstoffen selbst“, so die Expertin. Insbesondere Vitamin B6 und B12 sowie Magnesium und Kalzium können zu einer normalen Funktion von Nerven und Psyche beitragen.8 Vitamin B12 hilft gegen Müdigkeit und Erschöpfung.9 Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Kalzium und Vitamin B6 hormonell bedingte Beschwerden lindern können, wenn sie über den gesamten Zyklus regelmäßig eingenommen werden.10
Hormonbalance stärken: Tipps für den Alltag
Unabhängig von Nahrungsergänzungsmitteln oder pflanzlichen Arzneimitteln lässt sich das hormonelle Gleichgewicht mit einfachen Alltagsmaßnahmen unterstützen. Eine ausgewogene Ernährung, Bewegung und Stressabbau haben einen großen Einfluss auf die hormonelle Regulation – vor allem auf die Balance der Stresshormone wie Cortisol sowie der Schilddrüsen- und Sexualhormone.
Empfehlenswert sind:
- eine pflanzenbasierte Ernährung mit reichlich Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchten
- Omega‑3-Fettsäuren, etwa aus Leinsamen oder Walnüssen
- B‑Vitamine, Zink, Selen und Magnesium, um Stoffwechselprozesse anzuregen
- ausreichend Schlaf
- regelmäßige Bewegung und Sport
- Stressreduktion durch Yoga, Atemübungen oder Meditation
- keinen oder nur wenig Alkohol und wenig Koffein11
Tipp: Wer die Symptome und die Gegenmaßnahmen über einige Zyklen hinweg beobachtet, erkennt besser, was das die Beschwerden beeinflusst.
Wann hormonelle Beschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten
Hormonelle Schwankungen sind ganz normal – insbesondere in stressigen Phasen, nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel oder nach einer Geburt. Wenn die Beschwerden jedoch stark sind, anhalten oder sich verschlimmern, ist ein Arztbesuch ratsam. Denn hinter Symptomen wie Zyklusstörungen, starken Regelschmerzen, Haarausfall oder Erschöpfung können auch Erkrankungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS), Endometriose oder eine Schilddrüsenstörung stecken. Ärztinnen und Ärzte können anhand von Blutwerten beurteilen, ob ein hormonelles Ungleichgewicht vorliegt und welche Therapie sinnvoll ist.