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Liebeskummer: Was tun, wenn das Herz gebrochen ist

von Ina Choinowski | 10.01.2020
7min Lesezeit

Nichts ist mehr so, wie es gerade eben noch war. Schluss. Vorbei. Kein Zurück. Es fühlt sich an wie ein Weltuntergang, wenn diese scheinbar einfachen drei Worte fallen: „Es ist aus!“ Der Mensch, den man gerade noch an seiner Seite zählte, ist plötzlich in unerreichbare Entfernung gerückt. Er hat sich entschieden – gegen das Wir. Was für ein starkes und unendlich schmerzhaftes Erlebnis!

„Eine Trennung kommt einer Schocksituation gleich. Sie stellt einen auf null. Alles bis dahin Dagewesene verändert sich schlagartig. Wenn eine Liebe zerbricht, endet oft auch ein kompletter Lebensentwurf“, sagt Heike Klopsch. Sie ist Liebeskummer-Coach. In ihrer Herzkümmerei in Hamburg möchte sie mit Herz und Verstand Menschen dabei unterstützen, ihren Liebeskummer zu überwinden und neue Perspektiven für sich zu entwickeln. „Wer sich seinem Liebeskummer stellt, dem bieten sich oft ungeahnte Chancen.“

Darum gibt es die Herzkümmerei

Seit fast 20 Jahren arbeitet Heike Klopsch als Bildungsmanagerin an Hochschulen, unter anderem mit den Schwerpunkten Kommunikation und Karriereentwicklung. „In diesem Kontext bin ich immer wieder Menschen begegnet, die den Wunsch hatten, mehr Anerkennung und Freude im Beruf zu erleben und persönliche Potenziale zu entwickeln“, erzählt sie. Eine Ausbildung zum Systemischen Coach folgte. „Während meiner Arbeit bemerkte ich immer wieder, dass persönliche Fragestellungen mich bei der Coaching-Arbeit besonders faszinierten.“ Viele Klienten kamen mit typischen Karrierefragen zu Klopsch, „dahinter verbargen sich aber häufig ganz andere, sehr persönliche Fragestellungen, die sich über alles andere lagerten.“ So auch bei einer Klientin, die einfach keine Fortschritte beim Berufscoaching machte, „bis der Knoten platzte und klar wurde, dass sie schrecklichen Liebeskummer hatte. Daraufhin haben wir erst einmal daran gearbeitet.“ Ein Schlüsselerlebnis für Heike Klopsch – und quasi die Grundsteinlegung für die Herzkümmerei. „Ich habe mich intensiv in die Liebeskummer- und Trennungs-Thematik eingearbeitet und wusste dann: Das ist mein Thema.“

Vor Liebeskummer krank werden

„Reiß dich zusammen“, „Das geht vorbei“, „Es wird ein Besserer/eine Bessere kommen“ – das Ausmaß eines tiefen Liebeskummers wird in der heutigen Gesellschaft unterschätzt und schnell abgetan. „Das Thema wird bagatellisiert, verharmlost“, sagt Klopsch. Dabei könne man im wahrsten Sinne des Wortes krank vor Liebe werden. „Liebeskummer kann körperliche Symptome verursachen. Wer richtig schweren Liebeskummer hat, dem empfehle ich sogar, sich krankschreiben zu lassen, um sich für eine Zeit zurückzuziehen und die Situation aufzuarbeiten“, sagt Heike Klopsch.

Die fünf Phasen der Trennung

Die Worte „Es ist vorbei“ haben eine unheimliche Macht. Sie zu hören, könne man mit einem unerwarteten Sturz vergleichen, sagt Heike Klopsch. Man steht schnell wieder auf, richtet sich und sagt sich: „Das geht schon.“ „Im Moment der Trennung werden wie bei einem Schock zunächst Endorphine und Opiate ausgeschüttet, die einen wie in Watte packen. Sie lassen einen weiterhin funktionieren. Der Zusammenbruch kommt zeitversetzt erst später, wenn man feststellt, dass man doch tief verletzt ist. Dann setzt ein Zustand der Lähmung ein.“ Betroffene hätten in diesem Zustand tatsächlich Wortfindungsstörungen und seien desorientiert: eine neuronale Reaktion des Hirns. Schließlich gilt nichts mehr, was bisher galt.

Von Lähmung bis Akzeptanz

Ist diese Lähmung überwunden, beginne die zweite Trennungsphase: „Der Kummer wird greifbar.“ Trauer, Wut, Angst, Verzweiflung und Perspektivlosigkeit – unterschiedlichste Gefühle übernehmen plötzlich die Regie im Leben. „Viele Menschen reagieren in dieser Phase der Trennung sehr stark, haben etwa Schlafstörungen oder sogar Depressionen“, berichtet Heike Klopsch.

Ist sie überwunden, beginnt eine kurze Aufblüh-Phase: „Die Menschen beginnen, mit dem Ex zu verhandeln. Sie wollen die Trennung nicht akzeptieren und bieten an, alles ändern und sich bessern zu wollen.“ Sie machten Zugeständnisse, um den Vor-Zustand wiederherzustellen. „Das ist sehr gefährlich!“, warnt Klopsch. „Hier kann man sich richtig festfahren. Eine Trennung ist eine Entscheidung, die man akzeptieren muss.“

Die vierte Trennungsphase beinhaltet genau das – Akzeptanz und Trauer. „Nun wird den Menschen klar, dass es kein Zurück mehr gibt. In dieser Phase kann man sehr lösungsorientiert mit den Klienten arbeiten, sie wollen nun nicht mehr an der Beziehung festhalten, sondern haben den Wunsch, weiterzugehen.“ Es folgt die fünfte und letzte Phase: die Erlösung. „Die Menschen spüren, es geht weiter. Sie können den Blick nach vorne richten und sich auf die eigene Person und Zukunft konzentrieren.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Durchlaufen der Trennungsphasen läuft nie linear ab. „Manche fallen in ihrer Entwicklung auch wieder zurück oder stagnieren.“ Egal in welcher Phase der von Liebeskummer Geplagte steckt: Wenn es kein Licht am Ende des Tunnels gibt, ist Heike Klopsch die richtige Anlaufstelle. „Liebeskummer ist eine starke emotionale Belastungssituation. Ich bin keine Psychotherapeutin, aber ich kann dabei unterstützen, dass sich der Liebeskummer nicht manifestiert. Ich kann bei der Stabilisierung und dem Stecken neuer Ziele helfen.“

Die Menschen, die zur Herzkümmerei kommen, wollen etwas ändern, den Zustand, in dem sie sich befinden, hinter sich lassen. Das betrifft erfahrungsgemäß eher Frauen als Männer. „Frauen sind offener dafür, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Männer verdrängen da eher, suchen nach Ablenkung und weichen damit ihren Gefühlen aus.“

Die Länge der Beziehung, die Mentalität des Verlassenen und die Art der Trennung kann ausschlaggebend dafür sein, wie stark der Liebeskummer ausfällt. „Trennungen sind immer fies, man kann aber besser mit ihnen umgehen, wenn es einen Trennungsgrund gibt, und man sich ,ordentlichʻ und fair trennt“, sagt Heike Klopsch. Wird der Grund nicht ausgesprochen und bleibt der Partner verloren und verständnislos zurück, „dann wird es schwierig“.

Die Trennunsphase ist wichtig

Für jeden, der zu Heike Klopsch kommt, hat sie ein Liebeskummer-Paket geschnürt. In mehreren Sitzungen geht es an die Arbeit. Zunächst interessiert der Status quo: In welcher Trennungsphase steckt der von Liebeskummer Geplagte? Der Zustand ist ausschlaggebend für die weiteren Schritte. „Oft geht es erst einmal um die Stabilisierung der Person. Ich schaue, was sie im Alltag stärkt. Viele sehen nur das, was sie verloren haben, nicht aber das, was sie haben und was sie stärkt – Familie, Freunde, der Beruf oder einfach die Gesundheit“, sagt Heike Klopsch. Es ginge darum, auf die eigenenRessourcen zu schauen, zu erkennen, was man selbst erreicht hat und was man noch erreichen kann.

Die Schatten der Vergangenheit

Um die Entscheidung des Ex-Partners besser zu verstehen, sollen die Klienten von Heike Klopsch auch ihm eine Stimme geben. So können sie seine Sichtweise besser nachvollziehen. „Bei einer Trennung geht es oft um den Selbstwert: Die Verlassenen fühlen sich entwertet. Ihre Selbstwirksamkeit zu erhöhen und sie ihnen vor Augen zu führen, stärkt. Wenn sie sich autonom erleben, dann verstehen sie, dass sie nicht nur das abgelegte Anhängsel sind.“ Was will ich von einer Beziehung? Was nicht? Was habe ich in der vergangenen Beziehung nicht bekommen? Die Antworten auf solche Fragen sind aufschlussreich und „entzaubern oft auch den Ex-Partner“. Wertearbeit nennt Heike Klopsch das. „Zu erkennen, dass gar nicht alles so rosig war, erleichtert ungemein.“

Um dieses Loslassen mit einem symbolischen Akt zu unterstreichen, ermutigt Heike Klopsch ihre Klienten zu einem Abschiedsritual, das ganz individuell gestaltet werden kann. „Danach ist der Blick frei auf die Zukunft.“ Heike Klopsch überlegt gemeinsam mit ihren Klienten, welches neue Projekt sie nun angehen könnten. Ein Ehrenamt, eine neue Sprache lernen, ein neuer Sport. „Solche Projekte sollten neu, zu bewältigen und gleichzeitig aber auch eine Herausforderung sein. Es muss auf keinen Fall gleich der Jobwechsel sein, aber auch ungewöhnliche Wege können durchaus gegangen werden.“

Darum gibt es Licht am Ende des Tunnels

„Ich bin in das Thema verliebt“, sagt Heike Klopsch über ihre Arbeit. „Es hat so viele Facetten und hat mit Persönlichkeitsentwicklung im besten Sinne zu tun. Es kommt immer etwas dabei heraus!“ Man nenne das auch, einen „posttraumatischen Reifeprozess“ erleben: „Die Menschen erfahren, dass die Arbeit an ihrem Kummer zu etwas geführt hat, dass etwas Neues kommt und dass sie besser aufgestellt sind. Es ist einfach schön, daran teilhaben zu können!“

(Autor: Theresa Boenke)

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