Der Beipackzettel für Medikamente soll künftig auch digital verfügbar sein. Das hat die Europäische Union Ende 2025 beschlossen. Was das für Patientinnen und Patienten bedeutet.
Hand aufs Herz: Wer liest sich den Beipackzettel von Medikamenten stets gewissenhaft durch? Untersuchungen zeigen: Bei weitem nicht alle. Nur circa jeder Fünfte in Deutschland, zeigt eine Befragung.1 Dabei beantwortet er wichtige Fragen – wie zum Beispiel: Wann darf ich mein Medikament einnehmen? Welche Nebenwirkungen kann es geben? Allerdings schreckt der Beipackzettel auch viele Menschen ab – ist er doch unhandlich, eng bedruckt und schwer lesbar.
Die Europäische Union will daher etwas Neues wagen: Künftig soll jede Arzneimittelpackung zusätzlich einen elektronischen Beipackzettel enthalten. Ein QR-Code auf der Packung führt dann direkt zu einer stets aktuellen, digitalen Version im Internet. Die gesetzliche Grundlage dafür schafft ein EU-Verordnungsvorschlag2. Ziel ist es, Medikamenteninformationen moderner, sicherer und barrierefreier zu gestalten. Ob es die Papierform zusätzlich weiterhin geben wird, darf jedes EU-Land selbst entscheiden. In Deutschland ist das Thema derzeit noch in Diskussion.
Digitalisierung der Patienteninformation: Das sind die Vorteile
Ein digitaler Beipackzettel bietet einige Vorteile: Informationen lassen sich in Echtzeit aktualisieren, auf Wunsch in verschiedene Sprachen übersetzen und barrierefrei darstellen.
Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen sieht darin beispielsweise einen Schritt hin zu mehr Transparenz und Patientensicherheit.3 Die Vorteile der elektronischen Patienteninformation im Überblick:
- Aktuelle Informationen: Änderungen zu Inhaltsstoffen oder Warnhinweisen können sofort online eingepflegt werden.
- Mehrsprachigkeit: Besonders hilfreich für Menschen, die kein Deutsch sprechen.
- Bessere Lesbarkeit: Kein dünnes Papier, keine Lupe nötig.
Bedenken gegenüber dem digitalen Beipackzettel
Apothekerinnen und Apotheker warnen davor, dass nicht alle Menschen digital erreichbar sind. Anke Rüdinger, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands, sagt: „Als Ergänzung kann ich mir die digitalen Beipackzettel gut vorstellen – wohlgemerkt als Ergänzung. Die Packungsbeilagen aus Papier vollständig ersetzen können sie nicht. Wir dürfen die Menschen, die nur analog unterwegs sind, nicht abhängen.“ Rüdinger verweist darauf, dass viele ältere oder sehbeeinträchtigte Menschen kein Smartphone besitzen und digitale Funktionen nicht regelmäßig nutzen. Sie meint: „Viele Menschen der Generation Babyboomer benutzen selbstverständlich ein Smartphone. Hochbetagte Menschen dürften aber mehr Schwierigkeiten mit Apps und QR-Codes haben. Diese leben aber auch oft in Pflegeheimen oder werden von einem Pflegedienst betreut.“
Welche Rolle spielt die Apotheke?
Trotz aller technischen Möglichkeiten bleibt die Beratung vor Ort auch künftig unersetzlich – davon ist jedenfalls Apothekerin Rüdinger überzeugt. Patientinnen und Patienten müssten die Option haben, Fragen im persönlichen Gespräch zu klären. Die Apothekenteams seien wichtig, wenn es darum gehe, Informationen richtig einzuordnen, vor allem bei Wechselwirkungen oder Unsicherheiten über Risiken und Nebenwirkungen. Sie sagt: „Bei der Gesundheitskompetenz gibt es leider große Lücken. Die Apothekenteams sind gerne für ihre Patientinnen und Patienten da und erklären die medikamentöse Therapie. Dafür wird es auch weiterhin einen großen Bedarf geben.“
Fazit
Der elektronische Beipackzettel kann ein wichtiger Schritt in Richtung digitale Gesundheitskompetenz sein. Er macht wichtige Informationen leichter zugänglich und sorgt dafür, dass Patientinnen und Patienten stets auf dem neuesten Stand bleiben können. Doch damit niemand den Überblick verliert, braucht es eine gute Mischung aus digital und analog. Auch Menschen ohne Smartphone oder wenig technikaffine Personen müssen mitgenommen werden. Deshalb wird es den Beipackzettel vorerst weiterhin in Papierform geben.