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Zuckerfrei leben – gar nicht so leicht

von Tina Gallach | 08.04.2020
6min Lesezeit

Unsere Autorin Tina hat sich auf ein ungewöhnliches Experiment eingelassen. Sie möchte sich eine Woche lang zuckerfrei ernähren. Ihre Erfahrungen zu dem Experiment hat sie in einem Tagebuch heruntergeschrieben.

Ich habe mich auf das Experiment eingelassen, eine Woche lang keinen Zucker zu essen. Dabei liebe ich Süßes über alles. Ich hoffe, dass ich die Woche ohne schlechte Laune überstehe. Dass ich ab Montag auf mein geliebtes Marmeladenbrot zum Frühstück verzichten muss, ist logisch. Auch auf die kleinen Naschereien zwischendurch.
Aber wie sieht es mit den Nahrungsmitteln aus, die man nicht unmittelbar mit Zucker in Verbindung bringt? Ich muss also zuerst mal klären, was genau das eigentlich bedeutet: auf Zucker verzichten. Dazu werde ich heute alle Lebensmittel kontrollieren, die ich zuhause habe.

Es ist mehr Zucker im Essen als gedacht

Das Ergebnis ist dramatisch: Bis auf meine Haferflocken, mein Obst und mein Gemüse ist so ziemlich überall Zucker drin. Im Frischkäse, im Käse, in der Marmelade, im Joghurt, im Brot. Man spricht dabei von „verstecktem Zucker“, weil er eingesetzt wird, um zum Beispiel fettreduzierten Joghurt geschmacklich attraktiver zu machen. In den meisten Lebensmitteln wirkt Fett als Geschmacksträger. Zieht man es heraus, wird es oft sehr fad. Der Zucker bringt dann wieder Geschmack. Ich muss also nicht nur auf Süßigkeiten verzichten, sondern auch die Inhaltsstoffe vieler anderer Produkte beim nächsten Einkauf genau überprüfen.

Montag:

Heute ist der Tag der Wahrheit. Zum Frühstück gab es in lauwarmem Wasser eingeweichte Haferflocken. Für den Geschmack habe ich eine halbe Banane hineingeschnibbelt und einen Esslöffel Naturjoghurt (nicht fettreduziert) darauf getan. Die Haferflocken enthalten viele Ballaststoffe, dazu Mineralien, Vitamine und Proteine. Außerdem machen sie lange satt. Bananen sind echte Powerpakete, sie spenden schnelle Energie – und auch sie stecken voller Vitamine und Mineralstoffe. Der Joghurt macht alles ein bisschen geschmeidig und ist eine gute Eiweißquelle.
Zum Mittag gab es einen frischen Salat, mit allem, was das Gemüsebeet aktuell hergibt: Möhren, Rucola, Blattsalat, Tomaten, Gurkenstücken und Essig-Öl-Dressing. Dazu gab es einen Quinoa-Bratling. Quinoa gilt als eine der besten pflanzlichen Eiweißquellen der Welt. Eiweiße sind wichtige Bausteine für Muskeln und Knochen, Organe, viele Hormone, und das Immunsystem. Ich komme mir super gesund vor. Zum Abendbrot habe ich mir zwei Vollkornbrote mit Käse und Tomate gemacht. Der Käse war abgepackt und enthält – oh Schreck: Zucker. Das ist ja unglaublich. Ich muss nochmal darüber nachdenken, wie eng ich meine Grenzen stecke. Ist gar nicht so einfach alles.
Als Snack zwischendurch hatte ich übrigens eine Nuss-Mischung und Mini-Tomaten mit ins Büro genommen. Und den Rest der Banane vom Frühstück. Das ging ganz gut. Die Laune war in Ordnung. Abends habe ich meine übliche kurze Montagsjoggingrunde gedreht. Die nächste steht am Donnerstag an.

Dienstag:

Weil es gestern so gut geklappt hat, habe ich heute wieder den Haferflocken-Bananen-Joghurt-Mix gefrühstückt. Normalerweise – also nach meinen üblichen Frühstücksbroten, von denen meist eins mit Marmelade bestrichen ist – habe ich spätestens um 11 Uhr schon wieder Hunger auf eine kleine Zwischenmahlzeit. Die Haferflocken bringen mich jetzt bis 12 Uhr durch den Morgen. Na gut, Mittagszeit ist erst zwischen halb eins und eins, eine Kleinigkeit muss ich trotzdem noch zwischendurch essen. Aber da reichen jetzt ein paar Nüsse oder zwei, drei Datteln.
Was mir wirklich schwerfällt, ist, auf übliche Rituale zu verzichten: Heute Mittag habe ich mir zum Essen aus Versehen eine Sprite gekauft, weil ich nicht nachgedacht habe. Erst nach dem ersten Schluck fiel mir ein, dass das verboten ist. Ich habe sie trotzdem halb ausgetrunken und den Rest verschenkt – was mir den Spott meiner Kollegen eingebracht hat. Dafür war ich beim Apfelkuchen, den eine Kollegin gebacken hat, standhaft: Ich habe mir ein Stück eingefroren für nächste Woche – und ich habe den anderen beim Essen zugesehen! Das war sehr tapfer von mir. Ich liebe nämlich Apfelkuchen.

Mittwoch:

Heute musste ich mich den ganzen Tag zusammenreißen. Ich hatte einen richtigen Zuckerhunger und musste die Marmelade morgens in den Schrank verbannen, damit ich sie nicht sehen kann und nicht mogele. Mittags gab es wieder Salat mit einem Quinoa-Bratling. Das Gute an diesem Zuckerfrei-Experiment ist, dass ich mir insgesamt viel mehr Gedanken über meine Ernährung mache und viel mehr darauf achte, was ich esse – was meinen Speiseplan im Moment so richtig gesund macht. Statt Keksen oder Schokolade zwischendurch esse ich viel öfter Obst oder Nüsse. Und irgendwie bilde ich mir schon ein, viel fitter zu sein.

Donnerstag:

Heute Abend bin ich eingeladen, da wird es sicherlich ein Glas Wein geben. Ich muss mir noch überlegen, wie ich damit umgehe. In Alkohol steckt viel Zucker, ungesund ist er sowieso. Andererseits ist es manchmal einfach gemütlich, mit einer Freundin zusammenzusitzen, zu quatschen und dazu ein Glas Weißwein zu trinken. Ich überlege es mir noch. Bisher bin ich jedenfalls ganz gut durch den Tag gekommen, das heftige Verlangen nach Süßigkeiten von gestern ist weg. Dafür gibt es ein neues Problem: Ich kann keine Nüsse mehr sehen. Bin jetzt erstmal auf Naturjoghurt mit Honig umgestiegen. Das ist erstaunlich lecker – und macht wirklich satt.

Nachtrag: Auf den Weißwein habe ich verzichtet, meine Freundin fand meinen Zuckerfrei-Plan richtig gut und hat mitgemacht: Wir haben Tee getrunken. Der Abend war nicht weniger lustig!

Freitag:

Heute ist der letzte offizielle Tag meines Ernährungsexperiments. Insgesamt bin ich gut durch die Woche gekommen. Heute Mittag habe ich mir eine Tomatensuppe aufgewärmt, die ich gestern Abend spät noch gekocht habe. Ich habe dafür Tomaten mit kleingeschnittener Zwiebel angedünstet, passiert und mit Wasser aufgekocht, ein paar kleine Möhrenstücke hineingeschnitten, Kräuter und Gewürze dazugegeben – und alles mit einem kleinen Schuss Sahne verfeinert: lecker!

Als Zwischenmahlzeiten gab es wie immer Datteln, Joghurt und doch wieder ein paar Nüsse. Außerdem habe ich bei einem Bäcker um die Ecke ein sehr leckeres feines Vollkornbrot entdeckt, das ich schon seit gestern zum Frühstück esse. Auch das macht super lange satt.

Fazit:

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – ich natürlich auch. Darum war das Schwierigste an diesem Experiment, ausgetretene Pfade zu verlassen und schon beim Einkaufen nicht zu Gewohntem zu greifen und daraus denn andere Mahlzeiten zu kreieren als sonst. Erschwerend kam noch hinzu, dass ich das Experiment während der Woche gewagt habe, in der ich sowieso größtenteils von Routinen lebe. Insgesamt hat es aber viel Spaß gemacht und mit gezeigt, dass es eben doch gar nicht so schlimm ist, mal etwas zu verändern. Vor allen Dingen dann nicht, wenn es eindeutig gut für meine Gesundheit ist. Ich lebe jetzt zwar nicht komplett zuckerfrei – esse aber viel weniger von diesem süßen Zeug, als noch vor zwei Wochen. Und ich gehe davon aus, dass es so bleibt. Weil ich mir ganz einfach neue leckere Routinen geschaffen habe.

Mir ist im Laufe der Woche bewusst geworden, wie oft ich, wenn sich ein kleiner Appetit einstellt, einfach mal zu Süßigkeiten greife. Um das zu verhindern, habe ich gezielt nach Lebensmitteln gesucht, die lange satt machen, damit dieser Appetit erst gar nicht kommt. Manchmal kann man das aber nicht verhindern, zum Beispiel wenn es mal so richtig stressig wird. Für diese Zeiten habe ich mir dann aber Knabberalternativen gesucht, die mich ohne Industriezucker glücklich machen.

 

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Weitere hilfreiche Tipps zu einer gesunden Ernährung erhalten Sie in unserem Online-Ernährungscoach.

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