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So schützt uns das Immunsystem

von Tina Gallach | 23.01.2020
5min Lesezeit

Herr Professor Dittmer, was ist das Immunsystem? Gibt es nur das eine Immunsystem – oder besteht es aus unterschiedlichen Komponenten?

Das Ganze ist ein sehr komplexes Netzwerk aus verschiedenen Organen, Zelltypen und Molekülen. Lehrbuchmäßig wird zwar immer gesagt, es gäbe ein angeborenes und ein erworbenes Immunsystem. Das stimmt auch – aber im Endeffekt sind es noch viel mehr Komponenten und alles arbeitet als eine Einheit zusammen. Nur so kann es perfekt funktionieren. Allerdings ist es tatsächlich so, dass man immer erst eine Reaktion des angeborenen Immunsystems braucht, damit das zweite dann reagieren kann.

Was bedeutet das: angeborenes und erworbenes Immunsystem?

Das angeborene beziehungsweise unspezifische Immunsystem wehrt alle Erreger unspezifisch ab. Dass passiert zum Beispiel ganz einfach über die Schutzfunktion der Haut. Oder dadurch, dass man Fieber bekommt oder Fresszellen Erreger aufnehmen und zersetzen. Es ist die erste Barriere gegen Angriffe, die etwa über die Haut oder auch über den Darm erfolgen. Das erworbene, oder auch spezifische Immunsystem, geht ganz gezielt gegen bestimmte Krankheitserreger vor. Das geschieht zum Beispiel mit Antikörpern oder mit den sogenannten Killer-T-Zellen. Das spezifische Immunsystem kann sich die bekämpften Erreger merken und beim nächsten Angriff dann schneller reagieren. Es ist also lernfähig. Auf dieser Fähigkeit basieren übrigens auch Impfungen.

Was genau wird vom Immunsystem bekämpft?

Das körpereigene Abwehrsystem bekämpft Angriffe von Bakterien, Viren, Pilzen oder anderen Mikroorganismen. Außerdem kann es auch eigene Zellen des Körpers zerstören, wenn sich diese krankhaft verändert haben, wie zum Beispiel bei Krebszellen.

Ist das Immunsystem immer im Einsatz? Oder nur, wenn es einen Angriff gibt?

Das war lange umstritten. Klar ist: Wenn ein Virus oder ein Bakterium in den Körper eindringt, dann arbeitet es. Heute geht man aber davon aus, dass es immer im Hintergrund läuft, obwohl man als eigentlich gesunder Mensch nur in den seltensten Fällen etwas davon mitbekommt. Bei neuen Immuntherapien bei Krebserkrankungen ist zum Beispiel klar geworden, dass das Immunsystem permanent arbeitet, um Krebs oder entartete Zellen zu bekämpfen.

Was passiert, wenn es arbeitet?

Im Normalfall unterscheidet das Immunsystem bei seinem Job zwischen fremd und selbst – also zum Beispiel zwischen harmlosen körpereigenen Zellen und gefährlichen Viren, Bakterien oder Tumorzellen. Fremd wird bekämpft, selbst nicht. Passiert dabei ein Fehler, werden wir krank. Es unterscheidet dazu aber nicht nur zwischen fremd und selbst, sondern muss bei fremden Stoffen auch noch einordnen können, ob sie uns schaden oder nicht. Sind sie keine Erreger, wie zum Beispiel Nahrung oder Pollen, sollten sie toleriert werden, schaden sie, müssen sie bekämpft werden.

Fühlt man sich immer krank, wenn das Immunsystem auf Hochtouren arbeitet – oder kann das auch unbemerkt passieren?

Wenn man sich mit einem Erreger infiziert, merkt man das meist, aber man wird nicht immer gleich krank. Wie stark die Symptome sind, hängt zum einen von der Menge der Viren ab, mit denen man sich infiziert. Sind es, ganz bildlich gesprochen, nur fünf, ist die Immunreaktion viel sanfter, als wenn es 5.000 sind. Zum anderen kommt es aber auch auf das Immunsystem selbst an – und wie gut es arbeitet, ob es ihm gelingt, die Erreger abzuwehren, bevor eine Krankheit ausbrechen kann.

Wovon hängt ab, wie gut das Immunsystem arbeitet?

Da spielen genetische Faktoren eine Rolle. Es gibt Menschen mit einem sehr schwachen Immunsystem. Es gibt sogar Menschen ganz ohne Immunsystem, ihnen fehlt ein wichtiges Gen. Man versucht neuerdings, das mit einer Gentherapie in den Griff zu bekommen. Das Immunsystem kann aber auch seine Fähigkeit verlieren, richtig auf Erreger zu reagieren, so dass die Immunantwort zum Beispiel viel zu schwach oder auch unangemessen stark ausfallen kann. Daran sieht man, dass auch das Immunsystem nicht vor Schäden gefeit ist.

Auch bei chronischen Krankheiten arbeitet es ja nicht korrekt. Was passiert da?

Ein Erreger wird zuerst kontrolliert, aber dann nicht komplett eliminiert. Oft hat dieser Erreger dann einen Mechanismus, die Immunabwehr abzuschalten. Man ist bei chronischen Infektionen aber nicht immer gleich krank. Es gibt zum Beispiel so etwas wie Herpes, da hat man den Erreger lebenslang und in den meisten Fällen kommt es nur ab und zu mal zu einem unangenehmen Bläschen an der Lippe. Chronische Erkrankungen wie HIV oder Hepatitis hingegen schädigen sehr langfristig Organe.

Was passiert bei Autoimmunerkrankungen?

Da stuft das Immunsystem Zellen des eigenen Körpers irrtümlich als fremd ein und springt an. Die häufigste Autoimmunreaktion findet übrigens auf der Haut statt. Wo genau im Körper es passiert, liegt aber an den Genen beziehungsweise Antigenen.

Im Winter gibt es die berühmte Erkältungszeit und man hört immer wieder, dass man sein Immunsystem unterstützen soll. Wie macht man das am besten?

Die Tipps sind bestimmt keine Neuigkeiten – sie sind aber einfach immer gültig: Man sollte sich ausgewogen und vitaminreich ernähren. Dazu gehört auch, dass man Fett reduziert. Denn Fett schränkt das Immunsystem ein. Auch Bewegung und frische Luft sind wichtig.

Wie spielen Immunsystem und Hygiene zusammen? Sollte man besonders hygienisch sein, um nicht krank zu werden – oder sollte man das Immunsystem auch mal herausfordern, damit es stark werden kann?

Natürlich darf man das Immunsystem nicht von allem abschirmen. Dann kann es sich ja nicht entwickeln. Die beste Lehrzeit ist ja die Kindheit. In dieser Zeit nimmt der Mensch alles in den Mund – dadurch kann sich das Immunsystem gut entwickeln und es lernt. Dennoch sollte man als Erwachsener in der Erkältungszeit auch Hygiene walten lassen und sich vielleicht einmal mehr die Hände waschen. Sich absichtlich mit einem Erreger zu infizieren bringt nichts, außer, dass man krank werden kann. Dadurch ist man vor dem nächsten Schnupfen dann aber nicht unbedingt geschützt, da es sehr viele verschiedene Erreger gibt.

(Autor: Tina Gallach)

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