Ein Brennen hinter dem Brustbein – viele Menschen kennen dieses Gefühl nach schweren oder späten Mahlzeiten. Wir erklären, wann Sodbrennen entsteht, welche Maßnahmen dagegen helfen können und wann man die Beschwerden ärztlich abklären lassen sollte.
Gelegentliches Sodbrennen ist keine Seltenheit: Laut dem Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI) sind in westlichen Ländern rund 25 Prozent der Menschen mindestens einmal im Monat davon betroffen. Eine Fachärztin für Gastroenterologie und Ernährungsmedizin gibt Tipps, was gegen die Beschwerden hilft.
Wie entsteht Sodbrennen?
Sodbrennen entsteht, wenn saurer Mageninhalt zurück in die empfindliche Speiseröhre gelangt (Reflux). Normalerweise verhindert ein Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre diesen Vorgang. Funktioniert er nicht richtig oder ist der Magen nach einer üppigen Mahlzeit stark gefüllt, kann Säure aufsteigen.
Typische Symptome sind Brennen hinter dem Brustbein, saures Aufstoßen oder Druck im Oberbauch, teils auch Husten oder Heiserkeit. „Häufig treten Beschwerden nach üppigen, fettreichen Mahlzeiten oder im Liegen auf, weil dann die Schwerkraft weniger hilft, den Mageninhalt unten zu halten“, sagt Prof. Birgit Terjung, Fachärztin für Innere Medizin, Gastroenterologie und Ernährungsmedizin, sowie Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten.
Auch Alkohol, Nikotin, enge Kleidung oder häufiges Vorbeugen können Reflux verstärken. In seltenen Fällen stecken auch andere Ursachen wie Reizmagen, Gastritis oder Zwerchfellbruch dahinter. Nachts treten Beschwerden übrigens häufiger auf, da die Schwerkraft fehlt.
Was hilft im Akutfall?
Sind die Symptome bereits da, helfen Maßnahmen, die den Rückfluss der Magensäure erschweren. Dazu zählt, sich nicht hinzulegen, sondern aufrecht sitzen oder stehen zu bleiben. Nachts kann eine erhöhte Oberkörperlage helfen, ebenso die Linksseitenlage.
„Für unterwegs können rezeptfreie Antazida oder Alginate sinnvoll sein“, sagt Prof. Birgit Terjung. Antazida neutralisieren Magensäure, Alginate bilden eine Schutzschicht auf dem Mageninhalt.
Bei Bedarf kommen H2-Blocker oder Protonenpumpenhemmer infrage, die die Säureproduktion senken. Sie eignen sich jedoch vor allem bei gelegentlichen Beschwerden –häufiges Sodbrennen sollte ärztlich abgeklärt werden.
Was hilft langfristig gegen Sodbrennen?
Ziel der Behandlung ist es, die Auslöser zu reduzieren. Häufig hilfreich sind:
• kleinere Mahlzeiten
• kein zu spätes Essen, damit zwischen Mahlzeit und Schlafengehen ausreichend Abstand bleibt
• erhöhtes Schlafen bei Nachtbeschwerden
Was genau zu Sodbrennen führt, ist individuell. So können fettreiche Speisen, Alkohol, Nikotin, Kaffee, Schokolade oder stark gewürzte Speisen ein Auslöser sein, müssen es aber nicht.
„Sinnvoll ist daher kein pauschales Verbotsprogramm, sondern ein ehrlicher Blick: Was löst bei mir Beschwerden aus?“, sagt Prof. Birgit Terjung. Eine Art Tagebuch kann dabei helfen, persönliche Auslöser zu erkennen. Auch leichte Kost und vorübergehend weniger blähende Lebensmittel können entlasten.
Kann Sodbrennen gefährlich werden?
Gelegentliches Sodbrennen ist meist harmlos. Problematisch wird es bei häufigem Reflux, da dieser unter anderem zu Entzündungen der Speiseröhre oder Schleimhautschäden führen kann. Bei chronischen Beschwerden kann eine gastroösophageale Refluxkrankheit entstehen. Selten entwickelt sich ein sogenannter Barrett-Ösophagus, der das Krebsrisiko erhöht.
„Das ist nicht der Normalfall, aber ein wichtiger Grund, häufige oder anhaltende Beschwerden ernst zu nehmen“, sagt Prof. Birgit Terjung. Eine Magenspiegelung kann Aufschluss darüber geben, ob der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre richtig funktioniert und ob bereits Entzündungen an der Speiseröhre vorliegen.
Wann sollte man Sodbrennen medizinisch abklären lassen?
Treten die Beschwerden regelmäßig auf, sollte man Sodbrennen in jedem Fall medizinisch abklären lassen. „Bei Brustschmerzen mit Atemnot, Ausstrahlung in Arm, Rücken, Hals oder Kiefer, Kaltschweißigkeit oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl muss zudem ein Herzinfarkt ausgeschlossen werden“, sagt Prof. Birgit Terjung. Treten diese Symptome auf, sollte man sofort den Notarzt rufen.
Kann auch Stress zu Sodbrennen führen?
Stress ist selten alleinige Ursache, kann die Beschwerden aber indirekt verstärken, zum Beispiel durch hastiges Essen, mehr Kaffee, Alkohol oder eine gestörte Nachtruhe. „Deshalb gehören bei wiederkehrendem Sodbrennen nicht nur Medikamente und Ernährung auf den Prüfstand, sondern auch Schlaf, Pausen, Essrhythmus und Belastungssituationen“, sagt Prof. Birgit Terjung. Entspannungsverfahren können unterstützend wirken, ersetzen aber keine medizinische Abklärung bei anhaltenden Beschwerden.
Fazit
Sodbrennen ist in den meisten Fällen harmlos, kann im Alltag aber sehr belastend sein. Wer Auslöser kennt und Lebensstil sowie Essgewohnheiten gezielt anpasst, kann Beschwerden oft deutlich reduzieren und rechtzeitig erkennen, wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.