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Tiefe Venenthrombose (TVT)

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Auf einen Blick

Von einer Thrombose spricht man, wenn ein Gefäß durch ein Blutgerinnsel verstopft wird. Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) bildet sich das Blutgerinnsel in einer der größeren, tief in den Muskelschichten liegenden Venen. Die meisten tiefen Venenthrombosen entstehen im Bein.

Kleine Thrombosen bleiben oft unbemerkt und lösen sich von selbst wieder auf. Größere Gerinnsel können den Blutfluss behindern und Schmerzen und Schwellungen verursachen. Eine TVT muss schnell behandelt werden, um Schäden an den Venen zu verhindern und Komplikationen wie einer Embolie in der Lunge vorzubeugen.

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko für tiefe Venenthrombosen vorübergehend oder dauerhaft: Es steigt zum Beispiel nach großen Operationen, wie dem Einsatz eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks. Nach solchen Eingriffen ist es daher üblich, gerinnungshemmende Medikamente anzuwenden.

Symptome

Typische Anzeichen einer tiefen Venenthrombose sind:

  • Schmerzen im Bein oder in der Hüfte
  • Druckempfindlichkeit
  • Schwellungen und Spannungsgefühle
  • warme, gerötete Haut
  • Muskelkrämpfe

Grafik: Gesundes Bein und Unterschenkel mit tiefer Venenthrombose

Gesundes Bein und Unterschenkel mit tiefer Venenthrombose

Die Beschwerden betreffen meist nur ein Bein, da Thrombosen in der Regel einseitig auftreten.

Wie sich eine Thrombose äußert, hängt auch davon ab, wo das Blutgerinnsel die Vene verschließt: im Bereich der Wade, der Kniekehle, im Oberschenkel oder im Becken. Bei einer Thrombose unterhalb des Knies sind die Beschwerden normalerweise auf den Unterschenkel beschränkt. Eine höher liegende oder ausgedehntere Thrombose kann dagegen auch im Oberschenkel oder Becken Beschwerden auslösen.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Blutgerinnsel kann entstehen, wenn das Blut in einer Vene zu langsam fließt, wenn die Blutgerinnung gestört ist oder eine Gefäßwand verletzt wird. Dazu kann es kommen durch:

  • längere Bettruhe, zum Beispiel im Krankenhaus, nach einem Bruch oder einer Verletzung: Wenn man länger liegen muss und sich wenig bewegt, kann sich das Blut im Bein stauen.
  • Blutgerinnungsstörungen: Manche angeborenen Erkrankungen führen dazu, dass das Blut eher gerinnt.
  • größere Operationen: Bei größeren Eingriffen und schweren Verletzungen werden Blutgefäße verletzt. Um Blutungen zu stoppen und Wunden zu verschließen, aktiviert der Körper sein Gerinnungssystem. Dabei werden vermehrt Gerinnungsfaktoren freigesetzt.

Außerdem gibt es verschiedene weitere Faktoren, die das Risiko für eine Thrombose erhöhen:

Für sich allein genommen, erhöhen die meisten dieser Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose aber nur geringfügig.

Folgen

Eine häufige Folge tiefer Venenthrombosen ist das sogenannte postthrombotische Syndrom (PTS). Dazu kommt es, wenn die Thrombose die Gefäßwände oder Venenklappen beschädigt hat und sich das Blut in der Vene dauerhaft staut. Das Syndrom tritt oft erst einige Wochen oder Monate nach einer Thrombose auf.

Bei einem PTS kann das Bein anschwellen, sich schwer anfühlen und schmerzen. Andere mögliche Folgen sind Hautverfärbungen, Juckreiz und Ausschlag. Ein ausgeprägtes postthrombotisches Syndrom kann dazu führen, dass sich eine chronische Wunde bildet. Bei Anzeichen dafür ist es wichtig, rasch ärztlichen Rat einzuholen.

Lungenembolie

Eine seltenere, aber ernsthafte Komplikation der tiefen Venenthrombose ist die Lungenembolie. Dazu kommt es, wenn sich das Blutgerinnsel von der Venenwand ablöst, über den Kreislauf in die Lunge geschwemmt wird und dort ein Blutgefäß blockiert. Anzeichen hierfür sind:

  • plötzliche Atemnot
  • Brustschmerzen (vor allem beim Einatmen oder Husten)
  • Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht
  • Herzrasen
  • blutiger Auswurf beim Husten (eher selten)

Eine Lungenembolie muss schnell behandelt werden, denn durch das verstopfte Gefäß staut sich das Blut zwischen Herz und Lunge. Dies kann zu einer Überlastung des Herzens und schließlich zu einem lebensbedrohlichen Herzversagen führen.

Wenn es zu einer Lungenembolie kommt, dann meist innerhalb der ersten zwei Wochen nach Entstehung der tiefen Venenthrombose. Das Risiko ist bei einer Thrombose im oberen Bereich des Beins oder im Becken höher als bei einer Thrombose im Unterschenkel. Dasselbe gilt für Thrombosen, die starke Beschwerden verursachen.

Diagnose

Eine tiefe Venenthrombose lässt sich allein anhand der typischen Symptome nicht sicher feststellen. Beschwerden wie Schmerzen, Schwellung und Hautrötung können auch andere Ursachen haben, etwa eine Entzündung der oberflächlichen Venen, Krampfadern, eine Wundrose oder Verengung der Beinarterien (pAVK).

In der Regel wird zur Diagnose zunächst ein Bluttest (D-Dimer-Test) gemacht. Dieser Test reagiert auf Spaltprodukte, die der Körper produziert, wenn er ein Blutgerinnsel abbaut. Sie werden D-Dimere genannt. Wenn der Test unauffällig ist, lässt sich eine Thrombose ziemlich sicher ausschließen. Ist der Test auffällig, wird ein sogenannter Duplex-Ultraschall (Doppler) gemacht, um die Diagnose zu bestätigen. Er gibt Aufschluss über den Zustand der tiefen Beinvenen und den Blutfluss in den Venen.

Liegt der Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose sehr nahe, wird normalerweise sofort eine Ultraschalluntersuchung gemacht.

Eine Röntgenuntersuchung der Gefäße (Angiografie) ist nur selten nötig. Dabei wird vor dem Röntgen über einen Katheter ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt, was die Gefäßverengungen sichtbar macht.

Vorbeugung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einer tiefen Venenthrombose vorzubeugen. Wer operiert wurde oder verletzt ist, muss meist einige Tage im Bett verbringen. Wichtig ist dennoch, sich so gut es geht zu bewegen und möglichst bald wieder aufzustehen. Um die Durchblutung zu fördern, werden auch kleine Übungen wie zum Beispiel das Wippen mit dem Fuß empfohlen.

Zusätzlich können für einige Tage oder Wochen Medikamente eingesetzt werden, die die Blutgerinnung hemmen – sogenannte Antikoagulanzien. Ob dies sinnvoll ist, hängt davon ab, ob man operiert wurde, wie groß der Eingriff war und ob Risikofaktoren für eine Thrombose bestehen. Die Medikamente gibt es zum Spritzen oder zum Einnehmen.

Es können auch medizinische Kompressionsstrümpfe eingesetzt werden. Sie üben Druck auf die Venen aus und unterstützen dadurch den Abfluss des Blutes. Wer ohnehin Antikoagulanzien erhält, benötigt keine medizinischen Kompressionsstrümpfe. Sie sind aber eine Alternative, wenn jemand keine gerinnungshemmenden Medikamente nehmen kann. Dies ist allerdings eher selten.

Behandlung

Eine tiefe Venenthrombose wird für einige Tage im Krankenhaus, manchmal auch ambulant behandelt. Dazu werden die gleichen Medikamente verwendet, die auch zur Vorbeugung eingesetzt werden.

Um sicherzugehen, dass sich das Blutgerinnsel vollständig auflöst, wird nach der akuten Behandlung empfohlen, für 3 bis 6 Monate gerinnungshemmende Tabletten einzunehmen. Manchmal ist auch eine längere Behandlungsdauer sinnvoll. Es ist wichtig, die gerinnungshemmenden Medikamente wie verordnet einzunehmen. Das schützt nicht nur vor einer weiteren Thrombose, sondern auch vor einem postthrombotischen Syndrom.

Um das Risiko für ein postthrombotisches Syndrom zu senken, wird manchmal empfohlen, für bis zu zwei Jahre Kompressionsstrümpfe zu tragen. Studien zu ihrer Wirkung zeigen aber widersprüchliche Ergebnisse. Ob eine vorbeugende Behandlung mit medizinischen Kompressionsstrümpfen in der eigenen Situation sinnvoll ist, bespricht man deshalb am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.

Manche Menschen können keine gerinnungshemmenden Medikamente nehmen – zum Beispiel aufgrund einer verstärkten Blutungsneigung. Dann kann alternativ über einen Katheter ein kleiner Metallfilter (Vena-cava-Filter) in die große Vene oberhalb der Nieren eingebracht werden. Er soll Blutgerinnsel auffangen, die aus dem Bein zur Lunge wandern und eine Lungenembolie auslösen könnten. Die Vor- und Nachteile von Vena-cava-Filtern sind noch nicht abschließend erforscht. Sie werden – auch wegen ihrer Risiken – nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Manche medizinischen Fachgesellschaften raten sogar vom Einsatz solcher Filter ab.

Quellen

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Aktualisiert am 07.04.2021

Nächste geplante Aktualisierung: 2024

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