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Medikamenten-Anwendung

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Auf einen Blick

Ob als Tabletten oder Tropfen, Spritzen oder Sprays – es gibt verschiedene Möglichkeiten, Medikamente einzusetzen.

Die Anwendung ist oft gar nicht so einfach: So können Pillen zum Beispiel unangenehm schmecken oder sehr groß sein, sodass das Schlucken schwerfällt. Auch Augentropfen richtig zu verabreichen, kann einige Übung erfordern.

Was ist also bei der Anwendung von Medikamenten zu beachten und welche Darreichungsformen gibt es?

Anwendungsformen

Eine Arznei kann lokal am Ort der Anwendung wirken oder systemisch im ganzen Körper. Sie kann äußerlich an Haut, Haaren oder Nägeln aufgetragen werden oder sie verteilt sich über den Blutkreislauf im Körper.

Die häufigsten Anwendungsformen sind:

  • oral: Am häufigsten werden Medikamente als Tabletten und Kapseln über den Mund eingenommen und geschluckt. Möglich ist aber auch, Wirkstoffe als Tropfen, Saft oder in Flüssigkeit gelöstes Pulver einzunehmen.
  • sublingual: Manche Medikamente wirken über die Mundschleimhaut. Sie lösen sich bereits im Mund auf. Dazu wird zum Beispiel eine Tablette in die Wangentasche oder unter die Zunge gelegt.
  • nasal oder aural: Einige Medikamente gibt es als Nasenspray oder -tropfen. Werden Mittel in die Ohren getropft, spricht man von einer auralen Anwendung.
  • kutan: Medikamente können zum Beispiel als Salbe oder Gel auf die Haut aufgetragen werden. Manche wirken nur an der betroffenen Stelle, andere verteilen sich über den Blutkreislauf im gesamten Körper. Einige Wirkstoffe sind auch in Pflastern enthalten, die sie nach und nach an die Haut abgeben.
  • subkutan (s.c): Das Medikament wird in das Unterhautfettgewebe gespritzt und langsam in den Blutkreislauf aufgenommen.
  • rektal: Über den After werden Medikamente zum Beispiel als Zäpfchen oder Einlauf angewendet.
  • intravenös (i.v.): Eine Ärztin oder ein Arzt spritzt das Medikament direkt in eine Vene (Injektion) oder legt einen Tropf (Infusion), aus dem es über einen längeren Zeitraum in das Blutgefäß läuft.
  • inhalativ: Die Medikamente werden als Spray oder feines Pulver eingeatmet und über die Schleimhaut der Bronchien aufgenommen.
  • intramuskulär (i.m.): Das Medikament wird in einen großen Muskel gespritzt, beispielsweise in den Gesäß- oder Oberarmmuskel.
  • vaginal: Eine Frau führt das Medikament zum Beispiel als Salbe oder Zäpfchen in die Scheide ein.

Damit ein Medikament an den richtigen Ort gelangt und dort ausreichend wirkt, ist auch die Darreichungsform wichtig. Welche gewählt wird, hängt nicht nur von den physikalischen und chemischen Eigenschaften des Arzneimittels ab. Auch wo, wann und wie lange ein Präparat wirken soll, spielt eine Rolle. Wichtig ist außerdem, ob es von einem Kind oder Erwachsenen eingenommen wird.

Darreichungsformen sind:

  • fest: Tabletten, Kapseln, Dragees
  • flüssig: Tinktur, Saft, Sirup, Infusionslösung, Augen- und Nasentropfen
  • halbfest: Salbe, Creme, Gel
  • spezielle Formen: Spray, Pflaster, Pulver zur Inhalation, Zäpfchen

Langfristige Anwendung

Bei Bedarf eine Tablette gegen akute Zahn- oder Kopfschmerzen zu nehmen, ist meist kein Problem. Vielen Menschen fällt es jedoch schwer, ein Medikament über einen langen Zeitraum regelmäßig anzuwenden. Noch schwieriger kann die dauerhafte Einnahme sein, wenn man gleichzeitig mehrere Mittel nehmen muss – etwa bei verschiedenen chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Arthrose oder Herzkrankheiten. Spezielle Medikamentenbehälter (Dispenser) und eine Medikamenten-Liste können dann helfen, den Überblick zu behalten.

Verschiedene Medikamente können sich auch gegenseitig beeinflussen und dadurch ihre Wirkung verändern oder Nebenwirkungen wahrscheinlicher machen. Daher ist es wichtig, auf mögliche Wechselwirkungen zu achten. Dies gilt ganz besonders für ältere Menschen, die häufig verschiedene Mittel gegen mehrere Erkrankungen nehmen.

Außerdem nimmt der Körper im Alter manche Medikamente langsamer auf oder kann einen Wirkstoff nicht so schnell abbauen wie in jungen Jahren. Dadurch ist das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen höher. Zudem kann die Einnahme bestimmter Medikamente die Sturzgefahr erhöhen. Manche Medikamente wie Beruhigungs- und Schlafmittel können abhängig machen.

Viele Menschen nehmen auch Nahrungsergänzungsmittel ein, zum Teil über längere Zeit. Sie hoffen, mit Vitaminen und Mineralstoffen ihre Abwehrkräfte zu stärken und so Krankheiten vorbeugen zu können. Wer bestimmte Vitamine ohne Grund langfristig und hoch dosiert einnimmt, kann seiner Gesundheit aber eher schaden.

Besondere Anwendungsgebiete

Manchmal werden Arzneimittel auch außerhalb ihres eigentlichen Anwendungsgebiets („off-label“) eingesetzt. Dieser sogenannte Off-Label-Use ist manchmal eine Behandlungsalternative oder die einzige Behandlungsmöglichkeit. Er kann aber auch mit besonderen Risiken verbunden sein. Verschreibt die Ärztin oder der Arzt ein Medikament im Off-Label-Use, muss die Patientin oder der Patient ausdrücklich darüber aufgeklärt werden.

Wenn Kinder ein Medikament benötigen, ist es besonders wichtig, auf die richtige Dosierung zu achten, um Risiken zu vermeiden. Außerdem unterscheiden sich die Dosisangaben für Kinder oft von denen für Erwachsene. Vor allem bei flüssigen Arzneimitteln wie Antibiotika-, Schmerzmittel- oder Hustensaft kann es schnell passieren, dass man zu viel gibt. Zudem ist bei kleinen Kindern manchmal viel Geduld nötig, bis die Einnahme klappt.

Die richtige Einnahme von Antibiotika ist generell ein wichtiges Thema: Es kann riskant sein, sie nicht korrekt oder zu oft anzuwenden – denn dies führt außer zu häufigeren Nebenwirkungen auch dazu, dass die Krankheitserreger unempfindlich und die Medikamente wirkungslos werden.

Weitere Informationen

Um Menschen bei der Medikamenten-Anwendung zu unterstützen, die über längere Zeit mindestens drei systemisch wirkende Mittel nehmen müssen, wurde 2016 der sogenannte bundeseinheitliche Medikationsplan eingeführt. Ausführliche Informationen zum Medikationsplan bietet die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Quellen

Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud LL et al. Antioxidant supplements for prevention of mortality in healthy participants and patients with various diseases. Cochrane Database Syst Rev 2012; (3): CD007176.

Friedland J. Arzneiformenlehre für PTA. Stuttgart: WVG; 2013.

Kretz FJ, Reichenberger S. Medikamentöse Therapie. Arzneimittellehre für Gesundheitsberufe. Stuttgart: Thieme; 2007.

Lüllmann H, Mohr K, Hein L. Taschenatlas Pharmakologie. Stuttgart: Thieme; 2014.

Plötz H. Kleine Arzneimittellehre für Fachberufe im Gesundheitswesen. Heidelberg: Springer; 2017.

Aktualisiert am 16.06.2021

Nächste geplante Aktualisierung: 2024

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