Eine schmerzende Hüfte beim Treppensteigen, Probleme beim Knien oder geschwollene Fingergelenke, die viele Handgriffe erschweren: Eine Arthrose kann den Alltag sehr belasten. Meist entwickelt sie sich langsam und über viele Jahre. Wenn die Erkrankung fortgeschritten ist, können die Gelenke stark schmerzen und unbeweglich werden.
Eine Arthrose kann in fast jedem Gelenk entstehen – am häufigsten sind jedoch:
Früher dachte man, dass es sich bei Arthrose um eine einfache Verschleißerkrankung handelt. Das stimmt nicht – führt aber bei vielen Menschen zu der irrtümlichen Annahme, man könne nichts gegen die Gelenkveränderungen tun. Arthrose ist zwar nicht heilbar, es gibt aber viele Möglichkeiten, um das Gelenk zu stärken und die Beschwerden zu lindern. Eine Wunderwaffe gegen Arthrose gibt es jedoch nicht – auch wenn viele Behandlungen, die zum Beispiel im Internet angeboten werden, das versprechen.
Manche Menschen bemerken gar nicht, dass sie Arthrose haben. Andere haben leichte, wieder andere sehr starke Beschwerden. Die Erkrankung zeigt sich normalerweise erst nach dem 40. Lebensjahr. Zu den möglichen Symptomen gehören:
Manche Menschen mit Arthrose haben zusätzlich Schübe: Dann nehmen die Schmerzen plötzlich zu und sind eher stechend, pulsierend oder brennend. Das Gelenk kann vorübergehend anschwellen und steifer werden. Meist lässt ein Schub nach einigen Tagen wieder nach. Schübe kommen oft überraschend, was zusätzlich belastet.
Arthrose-Beschwerden können den Alltag erschweren – sowohl in der Freizeit als auch im Beruf. Bei einer Fingerarthrose können zum Beispiel Tätigkeiten wie Schreiben, das Öffnen von Flaschen oder das Halten eines schweren Buchs schwerfallen oder ohne Hilfe nicht möglich sein. Arthrose kann zudem aufs Gemüt schlagen, den Schlaf stören und weniger belastbar machen.
Hinter den Gelenkschäden bei Arthrose stecken komplexe Stoffwechselvorgänge: Im Gelenk finden fortwährend Auf- und Abbauprozesse statt. Arthrose entsteht, wenn die Abbauvorgänge überwiegen – also zum Beispiel zu viele Entzündungsstoffe und Enzyme freigesetzt werden, die das Gelenk angreifen, und zu wenige, die zur Reparatur beitragen.
Bei einer Arthrose kann es zu unterschiedlichen Veränderungen im Gelenk kommen:

Veränderungen am Gelenk durch Arthrose
Wie bei Rheuma spielen Entzündungen auch bei Arthrose eine wichtige Rolle. Der Unterschied: Bei Arthrose tragen Entzündungen zwar zur Entstehung der Erkrankung bei, sind aber nicht – wie bei Rheuma – die Ursache.
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für eine Arthrose erhöhen oder sie auslösen können. Dazu gehören:
Es gibt Hinweise, dass eine familiäre Veranlagung und eine schwach ausgebildete Muskulatur, insbesondere im Bereich des Oberschenkels, das Risiko für Arthrose erhöhen.
Das Risiko für Arthrose erhöht sich auch durch Bewegungsmangel – denn durch Bewegung werden Abbauprodukte aus dem Gelenkknorpel herausgedrückt und Nährstoffe aufgesaugt.
Arthrose gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. In einer großen deutschen Studie gaben 2 % der Erwachsenen an, in den letzten 12 Monaten wegen Hüftarthrose, 4 % wegen Kniearthrose und 2 % wegen Fingerarthrose behandelt worden zu sein.
Meist entwickelt sich Arthrose nach dem 40. Lebensjahr. Die Wahrscheinlichkeit, an Arthrose zu erkranken, steigt dann bis zum Lebensende stetig an. Denn im Alter verändert sich der Stoffwechsel im Gelenk und der Knorpel wird dünner, was das Gelenk anfälliger macht. Aber auch Risikofaktoren wie Gelenkverletzungen und Übergewicht werden mit dem Alter häufiger.
Wie eine Arthrose verläuft, lässt sich nicht vorhersagen – dies hängt unter anderem von den Auslösern, den vorhandenen Risikofaktoren und auch vom Alter ab, in dem sie begonnen hat.
Manchmal bleiben Menschen mit Arthrose über lange Zeit beschwerdefrei. Oft schreitet Arthrose nur langsam voran und macht mal mehr, mal weniger Beschwerden, mit denen viele Betroffene über Jahre gut zurechtkommen. Manchmal werden die Beschwerden aber auch schnell stärker. Und manchmal nehmen sie ab einem gewissen Punkt nicht weiter zu oder lassen sogar nach.
Eine Arthrose lässt sich normalerweise anhand der typischen Symptome und einer Untersuchung des Gelenks feststellen. Zur Diagnose fragt die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden und tastet das Gelenk ab.
Im Zweifel kann eine Röntgenuntersuchung gemacht werden. Sind auf dem Röntgenbild typische Veränderungen sichtbar – zum Beispiel ein sehr schmaler Gelenkspalt –, ist eine Arthrose sehr wahrscheinlich.
Die Aussagekraft bildgebender Untersuchungen ist aber begrenzt: Manche Menschen haben starke Veränderungen am Gelenk, aber kaum Beschwerden – bei anderen sieht das Gelenk trotz starker Beschwerden gesund aus. Die Behandlung sollte sich ohnehin nach den Beschwerden und der individuellen Situation richten – und nicht danach, was auf Röntgenbildern zu sehen ist.
Manchmal sind die Symptome weniger typisch oder es geht darum, andere Erkrankungen wie Rheuma (rheumatoide Arthritis) oder Gicht auszuschließen. Dann können Blutuntersuchungen, eine MRT (Magnetresonanz-Tomografie) oder ein Ultraschall sinnvoll sein. Auch wenn eine Operation geplant wird, braucht man Aufnahmen des Gelenks.
Arthrose ist bislang nicht heilbar – aber die Beschwerden lassen sich lindern. Welche Therapien infrage kommen, hängt auch davon ab, welches Gelenk erkrankt ist. Zu den sinnvollen Behandlungen gehören:
Über die Vor- und Nachteile eines künstlichen Kniegelenks bei einer Kniearthrose informiert der Text „Gelenkersatz bei Kniearthrose“. Der Text „Hüftarthrose: Wann kommt ein künstliches Hüftgelenk infrage?“ erläutert die Chancen und Risiken dieses Eingriffs.
Für viele Behandlungen ist nicht nachgewiesen, dass sie bei Arthrose wirken. Dazu gehören unter anderem Gelenkspiegelungen (Arthroskopie), pflanzliche Arzneien, Nahrungsergänzungsmittel, Spritzen mit Hyaluronsäure, Ultraschalltherapien und die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Auch zur Wirkung bestimmter Ernährungsweisen auf die Arthrose gibt es nicht ausreichend Forschung.
Da die Schmerzen sehr belastend sein können, ist Arthrose zu einem lukrativen Markt für Anbieter von unseriösen Produkten wie Nahrungsergänzungsmitteln geworden. Dabei ist Werbung nicht immer als solche erkennbar und tarnt sich oft mit pseudowissenschaftlichen Behauptungen, ohne aussagekräftige Studien zu berücksichtigen. Unabhängige Informationen zu einzelnen Produkten und individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) bieten zum Beispiel die Verbraucherzentralen, die Website medizin-transparent.at und der IGeL-Monitor.
Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.
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Aktualisiert am 25.06.2025
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