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Kinder sollen im Dreck spielen

von Lennart Krause | 07.07.2020
4min Lesezeit

Immer mehr Menschen leiden unter Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten. Oftmals liegen die Gründe dafür in der Kindheit. Warum Eltern sich manchmal lieber nicht zu viel um Hygiene sorgen sollten, erklärt Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Chefarzt der Kinderklinik des Evangelischen Klinikums Bethel in Bielefeld und 1. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie, im Interview.

Professor Hamelmann, als Kinderarzt raten Sie Eltern, Ihre Kinder auch mal im Dreck spielen zu lassen. Warum?

Das ist bewusst etwas überzeichnet, um aufzurütteln. Mit Dreck sind natürlich nicht Müll oder gefährliche Stoffe oder Erreger gemeint, sondern so etwas wie Matsch, Erde, Rasen. Kinder sollen sich früh in der Natur bewegen und mit ihr in Kontakt kommen, darum geht es.

Und warum ist das so wichtig?

Weil in der frühen Kindheit die Grundlagen für ein gesundes Erwachsenendasein gelegt werden. Immer mehr Menschen leiden heute unter Allergien, Autoimmunerkrankungen und Lebensmittelunverträglichkeiten. Und in vielen Fällen resultieren diese Probleme aus fehlgesteuerten Abwehrreaktionen gegen an sich ganz harmlose Umweltstoffe.

Was passiert denn im Körper, wenn Kinder draußen spielen?

Die Kleinen programmieren ihr Immunsystem, indem sie mit möglichst vielen Umwelteinflüssen in Kontakt kommen. Zum Beispiel mit Pollen. Im Normalfall hat ein Mensch mit Pollen keine Probleme, wenn das Immunsystem vernünftig programmiert wurde.

Das müssen Sie bitte genauer erklären …

Unser Immunsystem ist darauf ausgerichtet, Stoffe, die in unseren Körper über die Haut, die Atemwege oder den Verdauungstrakt gelangen, zu unterscheiden in gefährliche und in harmlose Stoffe. Ganz vereinfacht gesagt ist es so: Unser Immunsystem erkennt, ob ein Eindringling nur eine harmlose Polle oder ein Nahrungsmittel ist, und gibt das Signal, dass dieser Stoff toleriert werden soll. Das heißt, es gibt dann keine Abwehrreaktion. Anders bei einem Erkältungsvirus etwa. Da erkennt unser Körper, dass es sich um eine potentielle Gefahr handelt und aktiviert die Abwehrkräfte, die das Virus dann bekämpfen. Es ist so, als ob der Körper Klavier spielt und genau weiß, wann er welche Taste zu drücken hat.

Und wie hilft dem Körper da das Spielen im Matsch genau?

Auf zweierlei Wegen: Einmal wissen wir, dass die Vielfalt unterschiedlicher Kontakte mit harmlosen mikrobiellen Stoffen (die „mikrobielle Diversität“) eine positive Eigenschaft auf die Entwicklung des Immunsystems und die Reifung der Toleranz hat. Zum Zweiten muss unser Körper in der Kindheit möglichst viele unterschiedliche „Eindringlinge“ kennenlernen, um Erkenntnisse zu sammeln, die ihm helfen, gefährliche und tolerable Stoffe zu erkennen und zu unterscheiden. Er baut sich sozusagen eine Wissensdatenbank (das „immunologische Gedächtnis“) auf, die ihn ein Leben lang begleitet und ihm hilft, richtige Entscheidungen zu treffen. Ohne diesen Kontakt kann auch keine Toleranz entstehen, gilt übrigens auch für andere Bereiche. Dabei hilft ihm nicht nur das Spielen im Matsch, sondern auch etwa der Kontakt mit verschiedenen Lebensmitteln.

Wie meinen Sie das?

Kinder sollten frühzeitig, also ab dem 5. Monat, Beikost bekommen. Dabei sollten Eltern ihren Kindern bereits im 1. Lebensjahr immer wieder mal andere Dinge anbieten. Verschiedene Obstsorten, buntes Gemüse, aber auch mal glutenhaltiges Brot etwa. Natürlich nicht alles auf einmal, sondern behutsam nach und nach. Auch das hilft aber dem Körper, frühzeitig zu erkennen, dass diese Allergene wie Hühnereiweiß, Nüsse oder Fisch eigentlich nichts Gefährliches darstellen und nicht bekämpft werden müssen, sodass keine Unverträglichkeit entsteht.

Heißt das, ich sollte mein Kind auch frühzeitig mit Krankheitserregern in Kontakt bringen, um das Immunsystem zu stärken?

Auf keinen Fall! Natürlich sollen Eltern aufpassen, dass ihre Kinder nicht mit krankmachenden Viren und Bakterien in Kontakt kommen. Ich warne eindringlich vor Masernpartys oder Ähnlichem, da wir es hier mit sehr ernstzunehmenden Erkrankungen zu tun haben. Es geht einfach darum, nicht sofort, wenn das Kind mal in der Erde gebuddelt hat, mit dem Sagrotantuch die Hände abzuwischen. Und nicht aus Prinzip den Kontakt zu bestimmten Lebensmitteln zu verbieten, das hat dauerhaft eher negative Folgen für die Gesundheit des Kindes.

Gibt es dafür Belege?

Natürlich, es gibt zahlreiche sehr aussagekräftige wissenschaftliche Studien rund um dieses Thema. Und es zeigt sich ganz deutlich, dass nicht nur Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten wegen fehlender oder fehlerhafter Immun-Programmierung auf dem Vormarsch sind. Auch Autoimmunerkrankungen nehmen aus dem gleichen Grunde zu. Untersuchungen zeigen, dass ohne diese richtige Toleranzentwicklung die Wahrscheinlichkeit höher ist, an Diabetes, Morbus Crohn oder Rheuma zu erkranken. Und das wünschen sich garantiert keine Eltern für Ihr Kind. Die Universität Bielefeld hat für die zukünftige Medizinische Fakultät übrigens das Thema Mikrobiom als einen Forschungsschwerpunkt ernannt und ich freue mich sehr auf die gemeinsamen Projekte mit hoffentlich vielen WissenschaftlerInnen und KlinikerInnen zu diesem Thema!

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