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Schlaftyp: Eule oder Lerche

von Zoi Theofilopoulos | 23.09.2020
3min Lesezeit

Verantwortlich für die verschiedenen Schlaftypen ist die innere Uhr. Sie steuert verschiedene Körperfunktionen und sagt uns, wie lange wir am besten schlafen.


Es ist gesellschaftlich anerkannt, früh aufzustehen. Vor der Arbeit joggen gehen, die morgendlichen News lesen und schon mal die Mails checken, idealerweise auch noch in aller Ruhe ein gesundes Frühstück zu sich nehmen und dann mit dem Rad zur Arbeit düsen. Ganz nach dem Sprichwort: Morgenstund hat Gold im Mund. Oder: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Beide besagen, dass sich frühes Aufstehen lohnt, weil sich am Morgen schon viel erledigen und abarbeiten lässt – wir zeigen mehr Leistungsbereitschaft, Pflichtbewusstsein und Motivation. Aber gilt das für jeden von uns, der früh aufsteht? Wie viel Schlaf brauchen wir und wann ist die beste Aufstehzeit?


Lerche vs. Eule


In der Schlafmedizin unterscheiden Wissenschaftler zwischen Frühtypen, Normaltypen und Spättypen. Die verschiedenen Schlaf- oder auch Chronotypen kennen die meisten unter den Metaphern „Lerchen“ und „Eulen“. Lerchen sind Morgenmenschen, Eulen sind Abendmenschen – logischerweise. Lerchen sind bereits früh am Abend müde und gehen zeitig ins Bett. Wenn sie mit den ersten Sonnenstrahlen aufwachen, sind sie putzmunter. Eulen hingegen fahren am Abend noch einmal auf Hochtouren und gehen erst spät ins Bett. Am nächsten Morgen kommen sie nur mit großer Mühe aus den Federn. Schlägt die Lerche ihre Augen auf, ist es für die Eule noch mitten in der Nacht.   


Wie die inneren Uhren des Menschen ticken


„Tatsächlich ist es nicht möglich, aus einer Lerche einen Nachtmenschen oder aus einer Eule einen Frühaufsteher zu machen“, so Schlafforscher Dr. Hans-Günther Weeß. Wer Lerche und wer Eule ist, sei genetisch festgelegt. Mist. Oder sogar gut? „Es ist auf jeden Fall gut, zu wissen, welcher Schlaftyp man ist, um nicht dauernd gegen die innere Uhr anzukämpfen“, meint Weeß. Till Roenneberg, ein Münchner Schlafforscher und Chronobiologe, bezeichnet die Unstimmigkeit zwischen der inneren und äußeren Uhr – die durch Gesellschaft, Schule und Job geprägt wird – als „sozialen Jetlag“. Die Gesellschaft schläft durchschnittlich zu wenig. Roenneberg meint, dass der Schlafmangel Auswirkungen auf unser Leistungsvermögen, Wohlbefinden und die Gesundheit hat: Wer also auf Dauer entgegen seiner inneren Uhr früh aufsteht und damit auch zu wenig schläft, neigt zu ungesundem Verhalten und schlechter Laune.  

So viel Schlaf braucht ein Mensch

Es gibt Menschen, die brauchen zwölf Stunden Schlaf, es gibt andere, die brauchen vier. „Jeder Mensch hat ein individuelles Schlafbedürfnis, das über die Lebensspanne hinweg variiert“, sagt Weeß. Während die meisten Kinder Lerchen sind, ist es bei Jugendlichen genau umgekehrt. Im Erwachsenenalter pendelt es sich dann ein – die meisten Menschen sind weder Lerche noch Eule. Damit gibt es auch keine optimale Zubettgeh- oder Aufstehzeit, die für die Allgemeinheit gilt. Sie ist stark individuell.

Tatsächlich wissen aber die wenigsten, wie viel Schlaf sie wirklich brauchen. „Wir können das in einem Urlaub – im besten Fall einem zweiwöchigen – testen, wenn wir nach unserem Bedürfnis ins Bett gehen und es keine Wecker, Termine oder Pflichten gibt“, so Weeß. In der ersten Urlaubswoche hat der Körper meist noch ein Schlafdefizit, und hat noch etwas Schlaf nachzuholen. In der zweiten Hälfte des Urlaubs setzt dann oft die innere Uhr ein, die uns (hoffentlich) sanft immer zur ähnlichen Uhrzeit weckt – und uns damit einen Anhaltspunkt gibt, wie unsere optimale Schlafzeit aussieht. Guten Morgen! Oder – im Falle einer Eule – vielleicht auch: Guten Mittag!

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