Besser ohne Pillen schlafen

Nervosität, Unruhe, Stress, Gesundheitsprobleme – es gibt viele Gründe, warum man abends nicht einschlafen und nachts nicht durchschlafen kann. Schlafstörungen sind weit verbreitet und belastend. Regelmäßiger erholsamer Schlaf ist lebenswichtig. Wer wüsste das nicht besser als Betroffene von Schlafstörungen. „Schäfchen zählen“ ist in diesen Fällen meist wenig hilfreich, um in einen erholsamen Schlaf zu gelangen. Der Ausweg ist allzu oft ein sorgloser Griff nach der Einschlafhilfe aus dem Arzneischrank – Schlaf- und Beruhigungsmittel sind dann das Mittel der Wahl. Aber dieser Griff ist nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen.

30 Prozent der deutschen Männer und 40 Prozent der Frauen – so schätzen Experten – haben ein gemeinsames Problem: sie können nicht ein- oder durchschlafen. Stattdessen liegen sie länger als eine halbe Stunde wach im Bett und wachen meist ein- bis zweimal in der Nacht auf, um dann erneut wach zu liegen. Die Ursachen sind vielfältig: Lebenskrisen oder Erkrankungen, Beschwerden wie Unruhe, Nervosität, Ängste und Depressionen. Aber auch Stress und berufliche wie private Konflikte lassen Betroffene nicht zur Ruhe kommen. Wenn alles andere nicht hilft, ist der Gang zum Arzt richtig und notwendig.

Nicht selten werden bei andauernden Schlafstörungen vom Arzt Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine verordnet. Diese wirken meist schnell und sind gut verträglich, aber sie wirken nicht gegen die Ursachen der Schlafstörung. Daher sind sie für einen Dauereinsatz in der Regel ungeeignet. Grundsätzlich wird empfohlen, Benzodiazepine nicht länger als zwei bis sechs Wochen regelmäßig einzunehmen. In dieser Zeit sollten möglichst die Ursachen der Schlafstörungen erkannt und Behandlungsmöglichkeiten geprüft werden.

Denn Benzodiazepine enthalten ein hohes Risiko zur Medikamentenabhängigkeit. Mehr als die Hälfte der über zwei Millionen Medikamentenabhängigen ist abhängig von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Zwei Drittel davon sind Frauen – die meisten in der Altersgruppe zwischen 50 und 60 Jahren. Ein bis zwei Prozent der Erwachsenen nehmen mindestens ein Jahr lang täglich ein Benzodiazepin-Präparat. Die Langzeiteinnahme dieser Mittel hat häufig einen Gewöhnungseffekt zur Folge, das heißt, bei gleichbleibender Dosis kehren die ursprünglichen Beschwerden wieder. Patienten steigern daher häufig die Dosis.

Seit dem Jahr 2006 hatten in der Region Westfalen-Lippe Ärzte, Apotheker, die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und Betriebskrankenkassen – darunter die jetzige VIACTIV – in einer gemeinsamen Kampagne über die Risiken von Benzodiazepinen informiert. Hierzu sind unter anderem zahlreiche Informationsmaterialien entstanden, die sowohl Ärzte und Apotheker als auch Patienten zu einem kritischen Umgang mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln veranlassen sollten.

Die Broschüre „Immer mit der Ruhe … Nutzen und Risiken von Schlaf- und Beruhigungsmitteln“ wurde 2013 neu aufgelegt und enthält umfangreiche Informationen zu Benzodiazepinen. Sie bietet eine gute Grundlage für eine sorgfältige Entscheidung über die Verordnung und Einnahme dieser Arzneimittel.

Die Broschüre und weitere Informationsunterlagen können kostenlos bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS) unter www.dhs.de angefordert werden. Oder Sie laden sich die Broschüre direkt auf dieser Seite herunter.

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Format: PDF . Größe: 343 kB

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