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Hallux valgus (Ballenzeh)

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Einleitung

Mit zunehmendem Alter verändern sich häufig die Füße. Der große Zeh zeigt stärker in Richtung der benachbarten Zehen, dabei wölbt sich der Ballen immer mehr vor.

Vor allem Frauen kennen den „Ballenzeh“ oder Hallux valgus. Er ist eine der häufigsten Fehlstellungen des Fußes. Viele Menschen haben einen Hallux valgus, aber keine oder nur leichte Beschwerden. Bei anderen führt er zu Schmerzen und Druckstellen.

Durch passendes Schuhwerk lassen sich Beschwerden lindern. Ein Ballenzeh lässt sich nur durch eine Operation korrigieren.

Auf einen Blick

  • Bei einem Ballenzeh (Hallux valgus) verformt sich der Fuß: Der große Zeh schiebt sich nach innen, der Ballen wölbt sich vor.
  • Dies kann, muss aber nicht zu Beschwerden führen.
  • Mögliche Ursachen sind Veranlagung, ein schwaches Bindegewebe und zu enge Schuhe.
  • Bequeme Schuhe und eine Stärkung der Fußmuskulatur können vorbeugen und Beschwerden lindern.
  • Bei einem ausgeprägten, schmerzhaften Ballenzeh kommt eine Operation infrage.

Symptome

Beim Hallux valgus verschiebt sich der erste Mittelfußknochen allmählich nach außen in Richtung des anderen Fußes. Dadurch wird der Vorfuß breiter und der Ballen wölbt sich vor. Der große Zeh biegt sich zu den anderen Zehen, die sich dadurch ebenfalls verformen können. Ein Hallux valgus kann Schmerzen bereiten, muss es aber nicht – selbst wenn er sehr ausgeprägt ist.

Schmerzen können vor allem an den Zehen, am vorgewölbten Ballen und an der Unterseite des Mittelfußes auftreten. Der Ballen schmerzt vor allem, wenn der Schuh drückt – bei starker Wölbung selbst bei weiten Schuhen. Die Verformung kann auch Nerven am großen Zeh schädigen und dort zu Taubheit führen. Oft bildet sich verdickte Hornhaut an der Fußsohle. Der Ballen kann gerötet und geschwollen sein, manchmal auch entzündet. Zudem wird der große Zeh unbeweglicher. Es können sich auch Hammer- oder Krallenzehen entwickeln – dabei beugen sich die anderen Zehen nach oben oder drücken aneinander. An den betroffenen Zehen bilden sich oft Hühneraugen.

Ein Hallux valgus kann eine Arthrose im Gelenk der Großzehe begünstigen und zu chronischen Schmerzen führen. Nicht zuletzt kann die Fehlstellung den Gang unsicher machen und das Sturzrisiko erhöhen.

Grafik: Gesunder Fuß und Hallux valgus - wie im Text beschrieben

Ursachen

Mehrere Einflüsse führen dazu, dass es zu einem Ballenzeh kommt. Manche Menschen sind erblich bedingt anfälliger. Enge Schuhe sind entgegen häufiger Vermutungen nicht die Hauptauslöser. Sie können aber einen Hallux valgus begünstigen und Probleme verstärken – vor allem Schuhe mit hohen Absätzen und spitz zulaufendem Vorfußbereich. Es gibt aber Menschen, die regelmäßig enge Schuhe tragen, ohne einen Hallux valgus zu bekommen. Umgekehrt kann es Menschen treffen, die meist bequeme und ausreichend weite Schuhe tragen.

Ein schwaches Bindegewebe und Gelenkerkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis können einen Hallux valgus begünstigen – ebenso wie verkürzte Achillessehnen und Wadenmuskeln. Er kann sich aber auch aus einem Spreizfuß oder einem Knick-Senk-Fuß entwickeln.

Häufigkeit

Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer – vermutlich, weil sie oft ein schwächeres Bindegewebe im Fuß haben und häufiger hohe enge Schuhe tragen. Man schätzt, dass etwa jeder dritte Mensch über 65 Jahre einen mehr oder weniger ausgeprägten Hallux valgus hat.

Diagnose

Um festzustellen, ob sich Fußprobleme durch einen Hallux valgus entwickelt haben, prüft die Ärztin oder der Arzt, ob der Ballen vorgewölbt ist, wie die Zehen zueinander stehen und wie beweglich sie sind. Sie oder er prüft auch die Stellung der Beine. Die Untersuchung wird im Stehen, Gehen und Sitzen gemacht. Zudem beurteilt die Ärztin oder der Arzt die Haut des Fußes, achtet auf Anzeichen für eine Arthrose und fragt nach Beschwerden und Einschränkungen im Alltag. Um eine genauere Diagnose zu stellen, wird der Fuß geröntgt und dabei belastet.

Bei einem Hallux valgus unterscheidet man unterschiedliche Schweregrade. Diese richten sich danach, in welchem Winkel der große Zeh und der Mittelfußknochen verbogen sind.

Die Grenze zwischen einem „normalen“ Fuß und einem mit Hallux valgus ist fließend. Bei vielen Menschen wird eine zumindest leichte Form des Hallux valgus festgestellt, ohne dass er jemals zu Beschwerden führt.

Vorbeugung

Um einen Hallux valgus zu vermeiden, wird empfohlen, bequemes und flaches Schuhwerk zu tragen. Wenn man dem Vorfuß ausreichend Platz lässt, verringert sich der Druck auf die Zehen und den Fußballen. Zudem wird geraten, viel barfuß zu laufen, um die Fußmuskulatur zu stärken und die natürliche Stellung des Fußes und der Zehen zu fördern. Manche Ärztinnen und Ärzte empfehlen, orthopädische Einlagen zu tragen. Wie gut diese Maßnahmen dabei helfen, einem Ballenzeh vorzubeugen, ist jedoch noch wenig untersucht.

Behandlung

Ein Hallux valgus kann mit der Zeit fortschreiten. Eine Behandlung ist nur nötig, wenn Beschwerden auftreten. Welche Behandlungen infrage kommen, hängt unter anderem von den Beschwerden, der Art der Verformung und von Begleiterkrankungen wie Rheuma, Diabetes mellitus oder Gefäßerkrankungen ab.

Um die Beschwerden zu lindern, werden bei einem Hallux valgus verschiedene konservative Behandlungen angeboten:

  • Schienen: Sie sollen den großen Zeh in der Mitte halten. Dies soll Beschwerden lindern und auch das Fortschreiten des Hallux valgus verlangsamen – wobei unklar ist, ob dies möglich ist. Die Fehlstellung korrigieren können sie nicht. Die Schienen werden meist nachts getragen.
  • geeignetes Schuhwerk: Empfohlen werden flache Schuhe, die allen Zehen genug Platz lassen. Bei Beschwerden können Zehen oder Ballen gepolstert werden. Bei Schmerzen am Mittelfuß (Metatarsalgie) kommen stützende Einlagen oder auch eine Ballenrolle an der Schuhsohle infrage, um die Zehen zu entlasten. Auch viel barfuß zu laufen, wird häufig empfohlen.
  • Krankengymnastik: Gezielte Übungen sollen die Fußmuskeln stärken und dehnen.
  • Schmerzmittel: Infrage kommen zum Beispiel nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) in Tabletten- oder Salbenform. Tabletten sollten wegen der möglichen Nebenwirkungen aber nur für kurze Zeit genommen werden.

Diese Maßnahmen wurden bisher nur in wenigen Studien untersucht. Die Ergebnisse diese Studien sprechen dafür, dass Maßnahmen wie Krankengymnastik, angepasste Schuhe und Schienen die Beschwerden nicht wirklich lindern können.

Bei starken Beschwerden, gegen die keine andere Behandlung geholfen hat, kann eine Operation Linderung verschaffen. Eine Operation ist die einzige Möglichkeit, Fehlstellungen zu korrigieren und so die Ursache der Beschwerden zu beseitigen. Ein Eingriff garantiert jedoch keine Beschwerdefreiheit und kann Nebenwirkungen haben.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. In unserem Thema „Gesundheitsversorgung in Deutschland“ informieren wir darüber, wie man die richtige Praxis findet – und mithilfe unserer Frageliste möchten wir dabei helfen, sich auf den Arztbesuch vorzubereiten.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Hallux valgus (S2e-Leitlinie, in Überarbeitung). AWMF-Registernr.: 033-018. 2014.

Hollander K, Heidt C, Van der Zwaard BC et al. Long-Term Effects of Habitual Barefoot Running and Walking: A Systematic Review. Med Sci Sport Exer 2017; 49(4): 752-762.

Hurn SE, Matthews BG, Munteanu SE et al. Effectiveness of non-surgical interventions for hallux valgus: a systematic review and meta-analysis. Arthritis Care Res (Hoboken) 2021.

Klugarova J, Hood V, Bath-Hextall F et al. Effectiveness of surgery for adults with hallux valgus deformity: a systematic review. JBI Database System Rev Implement Rep 2017; 15(6): 1671-1710.

Nix SE, Vicenzino BT, Collins NJ et al. Characteristics of foot structure and footwear associated with hallux valgus: a systematic review. Osteoarthritis Cartilage 2012; 20(10): 1059-1074.

Wülker N, Mittag F. The treatment of hallux valgus. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(49): 857-867; quiz 868.

Zirngibl B, Grifka J, Baier C et al. Hallux valgus. Ätiologie, diagnostische und therapeutische Prinzipien. Orthopade 2017; 46(3): 283-296.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Aktualisiert am 15.12.2021

Nächste geplante Aktualisierung: 2024

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