Wir tun viel für unsere geliebten Menschen – wieso nicht auch für uns selbst? Denn eine Beziehung zum eigenen Ich ist die Grundlage für gute Beziehungen zu anderen Menschen. Wir geben Tipps, wie sich Selbstliebe lernen lässt.
Es liegt in der Natur des Menschen, geliebt werden zu wollen. Tun wir das nicht selbst, suchen wir uns die Liebe von außen. Dann bringen wir viel Zeit und Energie auf, um Zuwendung und Anerkennung von einer anderen Person zu bekommen. Es dreht sich alles nur darum, dem anderen zu gefallen. Selbst stellt man sich damit hinten an und gibt gleichzeitig die Verantwortung für das eigene Glück ab.
Was ist Selbstliebe?
In der heutigen Gesellschaft ist Selbstliebe verpönt – verwechseln wir sie doch viel zu oft mit Narzissmus, Eitelkeit oder Egoismus. Dabei ist Selbstliebe nicht mit Selbstverliebtheit gleichzusetzen. Selbstliebe bedeutet, dass man das eigene Ich mit seinen Stärken und Schwächen erkennt und annimmt. Es bedeutet auch, wertschätzend mit sich umzugehen – mit Körper, Geist und Seele. Jemand, der sich selbst lieben kann, verdrängt und kritisiert seine Fehler nicht, sondern nutzt die Selbsterkenntnis, um sich stets weiterzuentwickeln. Das wiederum bedeutet vor allen Dingen: Freiheit, Lebensfreude, Glück und Nächstenliebe.
Warum ist es so wichtig, sich selbst zu lieben?
Selbstliebe ist zum Beispiel wichtig, um eigene Ziele im Leben zu erreichen. Wenn wir uns selbst nicht mögen, nehmen wir uns nicht wichtig genug, haben kein Vertrauen in persönliche Fähigkeiten. Wer sich aber selbst liebt, strahlt Selbstvertrauen aus und wird somit geschätzt – nicht nur im Privat-, sondern auch im Berufsleben.
Wenn wir uns ablehnen, sind wir mit unserem Leben unzufrieden, fühlen uns schnell angegriffen und verletzt, sind eifersüchtig, neigen zu Streit und haben oft Schuldgefühle. Diese emotionale Unausgeglichenheit schlägt nicht nur auf die eigene Psyche, sondern ist auch keine gute Basis für eine funktionierende Beziehung. Dazu kommt, dass wir nur das geben können, was wir besitzen. Wenn wir nicht gut für uns sorgen, haben wir auf Dauer auch nicht wirklich etwas zu geben.
Ein beispielhaftes Sinnbild dazu: Jeder Mensch ist ein Krug voll mit Wasser. Das Wasser steht für die Lebensenergie. Der Mensch gibt in seinem Leben anderen Menschen immer wieder von seinem Wasser ab. Irgendwann wundert er sich, dass kaum noch Wasser – Lebensenergie – übrig ist. Nun lebt der Mensch sparsam, denn sonst bleibt ihm selbst kaum noch Energie zum Leben. Besser wäre gewesen, wenn der Mensch mit einem gesunden Egoismus gehandelt hätte – indem er auch möglichst viel Wasser in den eigenen Krug gefüllt bekommt. Dadurch, dass der Krug dann irgendwann randvoll mit Wasser ist, läuft er über und gibt „automatisch“ allen anderen Wasser ab.
Selbstliebe lernen – aber wie?
Wir leben in einer Welt voll von Idealen. Wir streben etwa nach Perfektion, Jugend, Schlankheit und Leistungsfähigkeit. Wir denken, dass wir diese Ideale erfüllen müssen, um ein liebenswerter und wertvoller Mensch zu sein. Aber für wen machen wir das alles? Für die Eltern, Freunde oder den Arbeitgeber? Wohl kaum. Denn im Leben sollte man als erstes sich selbst der wichtigste Mensch sein. Deshalb ist auch der erste Schritt zur Selbstliebe, seine Glaubenssätze zu hinterfragen und die eigenen Werte zu definieren. Auch Selbstfürsorge ist wichtig. Man muss sich selbst so behandeln, wie man einen geliebten Menschen behandeln würde. Man muss lieb und gütig zu sich sein und Fehler vergeben.
Selbstliebe kann man Stück für Stück lernen. Ein vielleicht verrückter, aber guter Anfang wäre es, einfach einen Liebesbrief an sich zu schreiben. Sich selbst mal als Geliebte oder Geliebter betrachten und beschreiben: Warum bin ich liebenswert? Was macht mich schön? Was sind meine Stärken? Und dann geht es darum, immer wieder der inneren Stimme, den eigenen Bedürfnissen zuzuhören – und nicht gleich wieder Gegenargumente oder Ausreden zu finden. Wenn man ein Kompliment oder Lob bekommt, dann darf man es annehmen und sich gut fühlen. Wenn man einen Kompromiss nicht eingehen möchte, dann sollte man es auch nicht tun. Wenn man etwas geschafft und erreicht hat, dann darf man sich selbst loben und belohnen. Wir fühlen unser Denken. Und wenn wir gut über uns denken, dann fühlen wir uns auch gut – dann können wir uns selbst lieben.
Selbstliebe als Basis für Selbstbewusstsein
Wer sich selbst annimmt, respektiert und wertschätzt, entwickelt mit der Zeit auch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Genau hier entsteht Selbstbewusstsein. Es zeigt sich in unserer Haltung, in unserem Auftreten und darin, wie wir Herausforderungen begegnen. Ob es der neue Tanzkurs, in dem man noch niemanden kennt, ist oder eine Präsentation, die gehalten werden muss: Wer innerlich gefestigt ist, kann nach außen sicherer auftreten. Selbstbewusstsein lässt sich dabei ebenso lernen und stärken wie Selbstliebe – durch bewusste Schritte, kleine Übungen und den Mut, sich selbst immer wieder neu kennenzulernen. Wir zeigen, wie Sie in 10 einfachen Schritten selbstbewusster werden:
1. Körperhaltung: aufrecht ist besser!
Es gilt der alte Spruch: Kopf hoch, Schultern zurück, Bauch rein – aber natürlich nicht so, dass es völlig verkrampft aussieht. Sie können die neue Haltung vor dem Spiegel trainieren. Sie werden merken, dass die aufrechte Haltung sogar einen körperlichen und seelischen Energieschub gibt.
2. Selbstfindung: so sind Sie toll!
Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken. Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit, Block und Stift raus und schreiben Sie alles auf, was Sie gut können: von zuhören und Ratschläge geben bis Auto fahren über tanzen und boxen. Wenn Sie Ihre tollen Seiten dann schwarz auf weiß vor Augen haben, fühlen Sie sich gleich viel besser.
3. Laune: seien Sie fröhlich!
Lachen Sie so viel wie möglich. Ein Lächeln hebt die eigene Laune und steckt andere an. So lockern Sie nebenbei jede Situation auf. Funktioniert natürlich nicht, wenn Ihr Chef Sie gerade maßregelt. Dann ist der nötige Ernst geboten.
4. Selbsteinschätzung: immer locker!
Nehmen Sie sich nicht zu ernst. Fehler passieren und niemand von uns ist perfekt. Ist etwas schiefgegangen, ärgern Sie sich kurz – und versuchen dann, so viel wie möglich aus der Situation zu lernen, um es beim nächsten Mal besser zu machen.
5. Grundeinstellung: think positive!
Wenn Sie sich mal richtig mies fühlen, versuchen Sie bewusst, sich positive Gedanken zu machen. Fällt es Ihnen schwer, können Sie eine Liste schreiben, mit allem, was Sie in Ihrem Leben schon geschafft haben. Schulabschluss, Tanzkursus oder Ausbildung – was auch immer: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Erfolge.
6. Selbstfindung: so bin ich!
Sie reagieren in bestimmten Situationen immer gleich und ärgern sich hinterher darüber? Dann fragen Sie sich, warum Sie so reagieren. Was steckt dahinter? Diese Momente erinnern Sie an unangenehme Situationen von früher? Versuchen Sie, diese Situationen aufzulösen und zu verstehen, dass Sie immer alle Chancen haben, die es gibt. Beim nächsten Mal wissen Sie dann, wie Sie innerlich stärker sein können.
7. Unterstützung: Mutmacher gesucht!
Schauen Sie auf Ihre Mitmenschen. Achten Sie darauf, wer gut zu Ihnen ist. Unterstützt Sie Ihr Umfeld und macht Ihnen Mut, wenn mal etwas nicht gleich gelingt? Konzentrieren Sie sich auf diese Menschen.
8. Wachsen: der Mix macht’s!
Seien Sie mutig und sammeln spannende Erfahrungen. Aber kennen Sie auch Ihre Grenzen und sorgen Sie dafür, dass sie eingehalten werden.
9. Wohlfühlen: entspannen und bewegen!
Versorgen Sie sich mit allem, was Sie brauchen. Zum Beispiel mit Ruhe und Entspannung, guter Ernährung und genügend Schlaf. Kümmern Sie sich darum, dass Sie sich in Ihrer Haut wohlfühlen. Tragen Sie Kleidung, in der Sie sich selbst gut fühlen. Pflegen Sie sich und bewegen Sie sich ausreichend. Zwei- bis dreimal pro Woche leichter Sport ist ideal. Das verbessert Ihr Körpergefühl und Ihre Haltung.
10. Abwarten: immer mit der Ruhe!
Seien Sie geduldig mit sich. Selbstbewusstsein ist eine Eigenschaft, die sich nicht von heute auf morgen entwickelt. Üben Sie es Schritt für Schritt – und fragen Sie vertraute Menschen wie Eltern oder Freunde ab und zu mal, ob Sie Fortschritte machen.