Entgiften liegt im Trend. Unter dem Schlagwort „Detox“ (kurz für „Detoxifikation“) werden Tees, Kapseln, Pillen oder Pflaster für die Fußsohlen vermarktet. Sie sollen angeblich schädliche Schlacken und andere Belastungen aus dem Körper entfernen. Besonders beliebt sind Entgiftungspflaster sowie zum Beispiel Bienengiftpflaster, die auch als Detox-Pflaster oder Detox-Pads bezeichnet werden. Sie werden vor dem Schlafengehen auf die Fußsohlen geklebt und sind am Morgen oft dunkel verfärbt. Laut den Herstellern liegt das daran, dass die Pflaster während des Schlafs zahlreiche Giftstoffe aus dem Körper gezogen haben. Aber stimmt das wirklich?
Was sind Entgiftungs-Pflaster eigentlich?
„Die Detox-Pads sind in der Regel mit Pflanzenstoffen aus der Naturheilkunde wie Lavendel oder Ginseng getränkt. Sie sollen den Körper reinigen, zur Gewichtsabnahme beitragen, Müdigkeit vertreiben, den Schlaf fördern und das allgemeine Wohlbefinden sowie die Vitalität steigern. Auch Vitamin C, Turmalin oder Holzkohlepulver kommen als Inhaltsstoffe zum Einsatz und sollen unerwünschte Gift- und Schadstoffe aufnehmen. Angela Clausen, Wissenschaftliche Referentin und Teamleiterin im Bereich Ernährung und Umwelt der Verbraucherzentrale NRW e.V. sagt jedoch: „Entsprechende Wirkungsnachweise für diese Versprechen gibt es jedoch nicht. Kurz: Das Geld kann man sich sparen.“ 1
Laut der Expertin ist es mit den Pads bzw. Pflastern möglich, Gerüche zu absorbieren und Feuchtigkeit aufzunehmen. „Genau das erklärt, warum sich die Pads oder Pflaster auf der Haut verfärben. Zutaten wie Baum- oder Holzessig führen dazu, dass sich das Pflaster durch die Feuchtigkeit, die zwischen Haut und Pflaster aufgrund des luftdichten Abschlusses entsteht, dunkel verfärbt.“ Dies werde fälschlicherweise als Entgiftungsnachweis verkauft.
Was bringen Entgiftungspflaster für die Gesundheit?
Um eine entgiftende Wirkung im Körper zu erzielen, müssten die Wirkstoffe der Detox-Pflaster in den Körper und den Blutkreislauf gelangen. „Die Frage ist nicht nur, ob und in welcher Menge die angegebenen Stoffe überhaupt enthalten sind, sondern auch, ob sie die Hautbarriere überwinden und in den Organismus gelangen können.“ Denn die Haut hat die Aufgabe, den Körper vor Fremdstoffen zu schützen.
Nicht jeder Arzneistoff und jede Darreichungsform eignet sich, um den gewünschten Wirkstoff durch die Haut zu leiten. „Um eine sogenannte transdermale Wirkung zu erzielen, braucht es etwa eine hohe Fettlöslichkeit und extrem kleine Moleküle. Das wird bei diesen Pflastern nie erreicht sein“, sagt die Expertin.2 Fakt ist: Die Wirkstoffe können nicht in den Körper gelangen, da sie nicht durch die Haut dringen und dort höchstens eine pflegende Wirkung entfalten.
Können Entgiftungs-Pflaster auch schaden?
„Grundsätzlich können immer Hautreizungen auftreten, etwa auch pseudoallergische Reaktionen auf die Klebstoffe“, sagt Clausen. „Wenn man die Pflaster ausprobieren möchte, darf man sie immer nur auf absolut gesunder Haut ohne Wunden anwenden, da es sonst schnell zu Entzündungen kommen kann.“
Ein weiteres Problem, auf das die Verbraucherschützerin hinweist: Viele Entgiftungs-Pflaster kommen nicht aus der EU, sondern aus China. „Natürlich steht auf der Verpackung, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, aber ob das auch immer stimmt?“, fragt Clausen. „Man sollte sich überlegen, ob man hier wirklich ein Risiko eingehen möchte, indem man Stoffe aufnimmt, die womöglich nicht deklariert sind und ohnehin keine Wirkung haben.“ Da die Produkte als Kosmetikartikel gelten, finden keine Kontrollen statt.
Helfen andere Produkte wie Zeolith oder Hausmittel beim Entgiften?
Zeolith, zum Beispiel in Form von Klinoptilolith, wird derzeit besonders für seine entgiftende Wirkung angepriesen. Dabei handelt es sich um natürlich vorkommende oder synthetisch hergestellte Vulkanmineralien aus der Gruppe der Silikate. Es gibt sie als Pulver oder Pillen. Aufgrund ihrer porösen Struktur können sie Stoffe binden – allerdings können sie nicht zwischen schädlichen und nicht schädlichen Stoffen unterscheiden. Die Verbraucherzentrale NRW sagt dazu: Zeolithe sind „nicht in der Lage, ganz gezielt bestimmte Giftstoffe (Toxine) wie Pestizide usw. aus dem Körper zu entfernen.“ Zeolith und Aktivkohle können zudem langfristig einen Nährstoffmangel auslösen, indem sie die Ausscheidung von Nährstoffen erhöhen.3 Zeolith-Präparate fallen auch immer wieder dadurch auf, dass sie zum Teil erhöhte Gehalte an Aluminium und Blei enthalten.4
Zur Unterstützung von Verdauung und Leber- und Nierenfunktion sind traditionelle Hausmittel wie Tees, Kapseln oder Tropfen mit Bitterstoffen bekannt. Diese sind beispielsweise in Artischocke, Löwenzahn, Brennnessel und Mariendistel enthalten.
Welche Organe übernehmen die Entgiftung im Körper – und wie tun sie das?
Der Körper ist täglich potenziell schädlichen Stoffen ausgesetzt, die wir zum Beispiel über Essen, Trinken, Medikamente oder die Umwelt aufnehmen. Um damit umzugehen, verfügt er über leistungsfähige Entgiftungsorgane. „Schädliche Stoffe werden über Leber, Niere, Magen-Darm, Haut und Lunge direkt ausgeschieden“, sagt Angela Clausen. „Der Körper hat keine Generalreinigung nötig und braucht keine Detox-Diät. Es gibt auch keine Schlacken, die entsorgt werden müssen.“
Ein gesunder Körper reinigt sich fortwährend selbst. Unsere Entgiftungszentrale ist die Leber. Sie filtert schädliche Stoffe aus dem Blut, verändert sie chemisch und macht sie dadurch ungiftig. Zudem gibt sie sie über die Gallenflüssigkeit zur Ausscheidung in den Darm ab. Dadurch schützt das Organ den Körper vor schädlichen Substanzen und trägt maßgeblich zu unserer Gesundheit bei. Die Nieren filtern zudem Abfallprodukte des Stoffwechsels aus dem Blut und leiten sie mit dem Urin aus dem Körper aus.