Antibiotika bekämpfen Krankheitserreger – und treffen dabei aber auch unsere Darmflora. Wie der Darm sich erholt und was Ernährung und Lebensstil dabei leisten können.
Antibiotika sind in der Medizin unverzichtbar. Die Medikamente wirken gegen Bakterien, indem sie deren Wachstum hemmen oder sie abtöten und verhindern so, dass Infektionen sich ausbreiten. Eine Antibiotikatherapie kann allerdings das sensible Gleichgewicht der unzähligen Mikroorgansimen im Darm durcheinanderbringen. „Antibiotika schädigen nicht nur den schlechten, sondern auch den guten, nützlichen Bakterien“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Dagmar von Cramm. In der Folge nimmt die Vielfalt der erwünschten Bakterien ab, während sich ungünstige Arten zeitweise vermehren können. Besonders empfindlich reagieren etwa die gesundheitsfördernden Bifidobakterien und Laktobazillen.1,2
Wie Antibiotika das Mikrobiom beeinflussen
Wie stark das Darmmikrobiom – also die Gesamtheit aller Mikroorgansimen im Verdauungstrakt – leidet, hängt von der Art des Wirkstoffs, der Dauer der Einnahme und der individuellen Ausgangslage der Person ab.3 „Je breiter ein Antibiotikum wirkt und je länger es eingenommen wird, desto schlechter für die guten Darmbakterien“, sagt die Expertin. Daher sei es generell wichtig, Antibiotika nur gezielt anzuwenden, also so wie ärztlich verordnet.
Gerät das Mikrobiom durch die Einnahme von Antibiotika aus dem Gleichgewicht (Dysbiose), können folgende Symptome auftreten4:
- Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Krämpfe, Übelkeit und Bauchschmerzen
- erhöhte Infektanfälligkeit
- erhöhtes Risiko für Pilzerkrankungen des Darms 5
Besonders empfindlich, insbesondere auf wiederholte Antibiotikaeinnahmen, reagieren Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Wie sich das Mikrobiom nach Antibiotika erholt
Das Darmmikrobiom regeneriert sich nach einer Antibiotikatherapie in der Regel selbst. „Es kann zwei Wochen dauern, aber auch zwei Monate oder länger“, erklärt von Cramm. Menschen mit einer stabilen Darmflora erholen sich schneller als solche, die häufig Antibiotika einnehmen müssen oder schon zuvor Magen‑Darm‑Beschwerden hatten.
Untersuchungen am Max‑Delbrück‑Centrum für Molekulare Medizin zeigen, dass sich die Darmflora bei den meisten Menschen innerhalb von sechs Monaten weitgehend erholt hat. Bei wiederholten oder langen Therapien könne die Vielfalt der Mikroorganismen jedoch dauerhaft geringer bleiben – ein Grund mehr, den Darm beim Wiederaufbau mit einer gesunden Ernährungsweise zu unterstützen.
Darmfreundliche Ernährung: Darauf kommt es an
Eine entscheidende Rolle bei der Regeneration des Darms spielt die Ernährung. „Man sollte alles weglassen, was das Mikrobiom schädigt“, sagt von Cramm. „Dazu gehören stark verarbeitete Lebensmittel wie Zucker, Weißmehl, Fertigprodukte, Gebäck, Süßigkeiten, gesättigte Fette, auch in Wurst und Fleisch, Emulgatoren und Süßstoffe in Fertigprodukten sowie Alkohol.“ Auch ständiges Snacken belastet das Verdauungsorgan.
Stattdessen empfiehlt die Expertin eine ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Kost mit viel frischem Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Obst. „Damit versorgt man die guten Darmbakterien optimal“, sagt von Cramm. Eine gute Orientierung biete die traditionelle Mittelmeerkost.
In pflanzlichen Lebensmitteln sind präbiotische, wasserlösliche Ballaststoffe enthalten, die den nützlichen Bakterien als Futter dienen und damit deren Wachstum fördern.6 „Eigentlich sollte man immer auf präbiotische Lebensmittel achten, aber nach einer Antibiotikakur sind sie besonders wichtig“, erklärt von Cramm. Gute Quellen sind Spargel, Pastinaken, Schwarzwurzen, Zwiebeln, Lauch, Chicorée, Artischocken, Süßkartoffeln, Hafer, Gerste und alle Hülsenfrüchte. Beim Obst sind Apfel, Pflaume, Pfirsich, Aprikose und Beeren besonders empfehlenswert. Wichtig ist dabei, ausreichend zu trinken.
Probiotika und fermentierte Lebensmittel: Was wirklich hilft
Auch fermentierte Produkte können gerne häufig auf den Tisch kommen: „Gesäuertes Gemüse wie Sauerkraut und Kimchi – am besten roh, nicht pasteurisiert –, Joghurt und Kefir, aber auch Essig oder Sauerteigbrot enthalten oder fördern probiotische Kulturen, die das Gleichgewicht im Darm unterstützen“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Ob spezielle Probiotika-Kuren oder -Produkte hilfreich sind, um die Darmflora aufzubauen, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Forschende betonen, dass die Wirkung von Probiotika stark von der individuellen Zusammensetzung des Mikrobioms abhängt: Was bei einer Person hilft, kann bei einer anderen keinen Effekt zeigen. Eine generelle Empfehlung lässt sich daher nicht ableiten. Künftige Forschung könnte hier aber neue Erkenntnisse bringen. So lange bleibt eine ausgewogene, möglichst vielfältige Ernährung die beste Grundlage für ein gesundes Mikrobiom.
Gesunder Lebensstil: So bleibt der Darm in Balance
Neben gesunder Kost zählen auch Lebensstilfaktoren. „Ständiger Stress ist Gift für den Darm“, so von Cramm. Dagegen fördern regelmäßige Mahlzeiten – in Ruhe gegessen und gut gekaut –, ausreichend Schlaf und Entspannung, Pausen zwischen den Mahlzeiten und Bewegung die Darmgesundheit und unterstützen eine gesunde Bakterienvielfalt.7