ORANGE 2-2014
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Arbeiten in und mit der Natur? Bäume fällen, Holz ernten, neue

Bäume setzen? Sich dabei sowohl um den Naturschutz als auch

die aufgeregte Bevölkerung kümmern, die jeden Baum schützen

will? Forstwirt – ein Job zwischen Umweltschutz und Motorsäge.

Sebastian Meyer geht zum Arbeiten

dahin, wo die meisten von uns lediglich

ihre Freizeit verbringen: Sein „Büro“

ist der Wald. Er ist seit einigen Jahren

Forstwirt in einem der zwei Stadtreviere

in Duisburg und bildet auch aus.

Forstwirt – was macht man da?

Hauptsächlich ist es „Handwerk“. Das

besteht in erster Linie im Umgang mit

Gerätschaften zur sogenannten Holz-

ernte. Dabei müssen Bäume gefällt und

verkaufsfertig „portioniert“ werden. Also

lernt man während der Ausbildung, die

Volumen zu berechnen und markt-

orientiert zu denken: Wie viel Holz hat

der Baum? Wie viel ist das Holz dieser

Baumart zurzeit auf dem Markt wert?

Denn danach muss man auch schon mal

selbst entscheiden, welchen Baum man

fällen wird. Sebastian weiß nach einem

kurzen Blick: Das Holz des Baumes, vor

dem wir gerade stehen, ist insgesamt 80

Euro wert – der Baum hat jedoch 100

Jahre gebraucht, um diese Größe zu

erreichen.

Hier kommt direkt eine weitere Aufgabe

des Forstwirts ins Spiel, an die man bei

diesem Beruf nun nicht als Allererstes

denkt: die Öffentlichkeitsarbeit. Denn

die Öffentlichkeit beäugt es immer aus-

gesprochen kritisch, wenn Bäume gefällt

werden. „Musste das denn sein?“, wird

folglich aufgeschrien. Dann muss der

Forstwirt Aufklärungsarbeit leisten und

erklären, warum, wieso, weshalb jetzt

genau dieser oder jener Baum. Und vor

allem auch, dass es langfristig besser ist,

das heimische Holz zu nutzen als welches

zu importieren – Umweltschutz ganz

praktisch. „Wir haben ja in Deutschland

das Prinzip der Nachhaltigkeit: Es muss

mehr Holz nachwachsen als gefällt wird“,

erläutert Sebastian das Prinzip, nach

dem die Baummenge mindestens gleich

bleibt. „Wir haben nur in unserem Re-

vier in diesem Jahr gepflanzt: ich glaube,

knapp 20.000 Pflanzen. Und wir fällen

ja keine 20.000 Bäume!“ Bei dem letzten

Punkt lacht Sebastian über die Absurdi-

tät des Gedankens. Die meisten Waldbe-

sucher kennen die Forstwirte schon und

freuen sich darauf, Sebastian und seine

Kollegen zu treffen – nach den schon

erhaltenen, netten Nachhilfestunden in

Sachen „Wald“.

Theorie in der Ausbildung

Neben dem Thema Umweltschutz/

Nachhaltigkeit gibt es noch weitere

Theorie in der Ausbildung: Mechanik

(Motorenkunde – die Motorsäge ist

ja der nächste Kollege des Forstwirts)

leben

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