Inform 2 / 2016
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Schöner Scheitern

// inform 4.2011

Ein guter Vorsatz ist die Entscheidung, etwas an sei-

nem Verhalten zu ändern oder ein bestimmtes Projekt

durchzuführen. Die Sprache verrät uns bereits warum

gute Vorsätze selten durchgeführt werden. Denn sie sind

nicht einfach nur Vorsätze – die setzt man nämlich um –,

sondern gute Vorsätze. Man redet sich einen Vorsatz, der

keineswegs gut ist, schön.

Frühjahrsputz und der zweite Hauptsatz der Thermodynamik

// inform 1.2012

Der Frühjahrsputz war für mich in gewisser Weise ein

erkenntnistheoretisch abgeschlossenes Phänomen, ein

Wissensgegenstand, von dem ich glaubte, dass an ihm

keine neuen Facetten mehr zu entdecken seien. Ich irr-

te. Es waren Buchtitel wie »Feng-Shui – du bist wie du

wohnst: Durch Entrümpeln zu innerer Klarheit«, die mich

aus meinem philosophischen Winterschlaf weckten.

Die Westentaschen-Wildnis

// inform 2.2012

Die neue Lust an der eigenen Scholle, am Garten und

am Gärtnern ist so etwas wie ein Indikator für die Über-

spanntheit unserer Lebensziele. Wir erleben einen Pa-

radigmenwechsel. Unsere gesellschaftliche Utopie be-

stand ja seit mehr als 200 Jahren im Glauben an den

technischen Fortschritt. Und nun wollen die Menschen in

dieser Gesellschaft nicht mehr fortschreiten. Sie glauben

nicht mehr daran, dass Technik irgendwelche Probleme

löst, im Gegenteil.

Kleine Cyborgs

// inform 3.2012

Wie oft habe ich mich über die Statusmeldungen auf

Facebook lustig gemacht. Aber dabei habe ich nicht be-

griffen, dass es nicht um den Inhalt der Botschaft geht –

dieser ist in der Tat banal. Es geht um die Botschaft an

sich. Jeder der auf Facebook postet, der twittert oder

bloggt, nimmt an etwas teil, das ich nur als kollektiven

Bewusstseinsstrom bezeichnen kann. Diesen kennen wir

vielleicht als literarisches Konstrukt aus James Joyces

Ulysses oder den Arbeiten Carl Jungs, aber an seine

tatsächliche Existenz haben wir doch nie geglaubt. Und

jetzt ist er da.

Eine kurze Geschichte der moralischen Empörung

// inform 1.2013

Ein herausragendes Merkmal westlicher Zivilisationen

ist das Streben nach Individualität. Der Wert der Ge-

meinschaft ist nachrangig. Man lebt nicht mehr mit der

Familie für immer und ewig unter einem Dach, und dem

Patriarchen schulden weder Kinder noch Ehefrau Gehor-

sam. Die alten Bindungen zerfallen, weil sie nicht mehr

benötigt werden. Der Staat sorgt für einen, wenn man

krank, alt oder arm ist. Und er verlangt dafür keine Ge-

genleistung. Es ist egal, ob man wählt, wie man wählt,

ob man arbeitet oder ob man kriminell geworden ist – der

Staat sorgt für einen. Diese Befreiung vom Gehorsam ist

eine großartige zivilisatorische Leistung. Eine Leistung,

die in anderen Teilen der Welt nicht so leicht gelingt.

Anderswo ist auch schön

// inform 2.2013

Unsere Vorfahren konnten mit dem Begriff des Erho-

lungsurlaubs wenig anfangen. Sie waren als Nomaden

sowieso ständig unterwegs. Als sich das gelegt hatte,

die Menschen also sesshaft geworden waren und Sied-

lungen gegründet hatten, verließ man diese höchstens

mal, um die Nachbarsiedlung anzugreifen und niederzu-

brennen. Lange Zeit dachte man überhaupt nicht daran,

Einige, aber nicht

unzählige Male

Aber geben Sie es ruhig

zu: Das erste Mal zwi-

schen uns – das war doch

der Hammer, oder? Und

dann haben wir uns lang-

sam aneinander gewöhnt.

Ich habe meine Besser-

wissereien abgesondert,

Sie haben dazu amüsiert

gegähnt oder zustimmend

genickt (so habe ich

mir das jedenfalls immer

vorgestellt …).

Nehmen wir eine Serie

im TV. Wenn die endet,

gibt’s ja oft so eine Art

Best of. Auf diese Art

möchte ich hier auch in

Erinnerung bleiben. Da

ist es ja ganz praktisch,

dass ich – die im inter-

nen Gebrauch »Fischers

Philosophie« genannte –

Kolumne selbst schreibe.

Also, los geht’s! Pures

Gold aus meiner Feder,

zusammengestellt für be-

sinnliche Stunden: