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Selbstliebe – und warum sie so wichtig ist

von Zoi Theofilopoulos | 11.09.2020
4min Lesezeit

Wir tun viel für unsere geliebten Menschen – wieso nicht auch für uns selbst? Denn eine Beziehung zum eigenen Ich ist die Grundlage für gute Beziehungen zu anderen Menschen. Wir geben Tipps, wie sich Selbstliebe lernen lässt.

Es liegt in der Natur des Menschen, geliebt werden zu wollen. Tun wir das nicht selbst, suchen wir uns die Liebe von außen. Dann bringen wir viel Zeit und Energie auf, um Zuwendung und Anerkennung von einer anderen Person zu bekommen. Es dreht sich alles nur darum, dem anderen zu gefallen. Selbst stellt man sich damit hinten an und gibt gleichzeitig die Verantwortung für das eigene Glück ab.

Was ist Selbstliebe?

In der heutigen Gesellschaft ist Selbstliebe verpönt – verwechseln wir sie doch viel zu oft mit Narzissmus, Eitelkeit oder Egoismus. Dabei ist Selbstliebe nicht mit Selbstverliebtheit gleichzusetzen. Selbstliebe bedeutet, dass man das eigene Ich mit seinen Stärken und Schwächen erkennt und annimmt. Es bedeutet auch, wertschätzend mit sich umzugehen – mit Körper, Geist und Seele. Jemand, der sich selbst lieben kann, verdrängt und kritisiert seine Fehler nicht, sondern nutzt die Selbsterkenntnis, um sich stets weiterzuentwickeln. Das wiederum bedeutet vor allen Dingen: Freiheit, Lebensfreude, Glück und Nächstenliebe.

Warum ist es so wichtig, sich selbst zu lieben?

Selbstliebe ist zum Beispiel wichtig, um eigene Ziele im Leben zu erreichen. Wenn wir uns selbst nicht mögen, nehmen wir uns nicht wichtig genug, haben kein Vertrauen in persönliche Fähigkeiten. Wer sich aber selbst liebt, strahlt Selbstvertrauen aus und wird somit geschätzt – nicht nur im Privat-, sondern auch im Berufsleben.

Wenn wir uns ablehnen, sind wir mit unserem Leben unzufrieden, fühlen uns schnell angegriffen und verletzt, sind eifersüchtig, neigen zu Streit und haben oft Schuldgefühle. Diese emotionale Unausgeglichenheit schlägt nicht nur auf die eigene Psyche, sondern ist auch keine gute Basis für eine funktionierende Beziehung. Dazu kommt, dass wir nur das geben können, was wir besitzen. Wenn wir nicht gut für uns sorgen, haben wir auf Dauer auch nicht wirklich etwas zu geben.

Ein beispielhaftes Sinnbild dazu: Jeder Mensch ist ein Krug voll mit Wasser. Das Wasser steht für die Lebensenergie. Der Mensch gibt in seinem Leben anderen Menschen immer wieder von seinem Wasser ab. Irgendwann wundert er sich, dass kaum noch Wasser – Lebensenergie – übrig ist. Nun lebt der Mensch sparsam, denn sonst bleibt ihm selbst kaum noch Energie zum Leben. Besser wäre gewesen, wenn der Mensch mit einem gesunden Egoismus gehandelt hätte – indem er auch möglichst viel Wasser in den eigenen Krug gefüllt bekommt. Dadurch, dass der Krug dann irgendwann randvoll mit Wasser ist, läuft er über und gibt „automatisch“ allen anderen Wasser ab.

Selbstliebe lernen – aber wie?

Wir leben in einer Welt voll von Idealen. Wir streben etwa nach Perfektion, Jugend, Schlankheit und Leistungsfähigkeit. Wir denken, dass wir diese Ideale erfüllen müssen, um ein liebenswerter und wertvoller Mensch zu sein. Aber für wen machen wir das alles? Für die Eltern, Freunde oder den Arbeitgeber? Wohl kaum. Denn im Leben sollte man als erstes sich selbst der wichtigste Mensch sein. Deshalb ist auch der erste Schritt zur Selbstliebe, seine Glaubenssätze zu hinterfragen und die eigenen Werte zu definieren. Auch Selbstfürsorge ist wichtig. Man muss sich selbst so behandeln, wie man einen geliebten Menschen behandeln würde. Man muss lieb und gütig zu sich sein und Fehler vergeben.

Selbstliebe kann man Stück für Stück lernen. Ein vielleicht verrückter, aber guter Anfang wäre es, einfach einen Liebesbrief an sich zu schreiben. Sich selbst mal als Geliebte oder Geliebter betrachten und beschreiben: Warum bin ich liebenswert? Was macht mich schön? Was sind meine Stärken? Und dann geht es darum, immer wieder der inneren Stimme, den eigenen Bedürfnissen zuzuhören – und nicht gleich wieder Gegenargumente oder Ausreden zu finden. Wenn man ein Kompliment oder Lob bekommt, dann darf man es annehmen und sich gut fühlen. Wenn man einen Kompromiss nicht eingehen möchte, dann sollte man es auch nicht tun. Wenn man etwas geschafft und erreicht hat, dann darf man sich selbst loben und belohnen. Wir fühlen unser Denken. Und wenn wir gut über uns denken, dann fühlen wir uns auch gut – dann können wir uns selbst lieben.

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