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Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis)

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Auf einen Blick

Eine Infektion mit Trichomonaden (auch als Trichomoniasis bezeichnet) zählt zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen. Trichomonaden sind einzellige Parasiten, die vor allem die Schleimhäute in der Harnröhre und Scheide befallen.

Wer sich angesteckt hat, bemerkt dies oft gar nicht. Vor allem Männer haben nur selten Beschwerden. Typische Symptome bei Frauen sind Schmerzen beim Wasserlassen sowie ein auffälliger Ausfluss aus der Scheide. Wird die Trichomonaden-Infektion nicht behandelt, können sich auch die inneren Geschlechtsorgane entzünden. Das kann bei Frauen zur Unfruchtbarkeit führen.

Die Einnahme des Antibiotikums Metronidazol reicht normalerweise aus, um die Trichomonaden wirksam abzutöten. Um einer erneuten Ansteckung vorzubeugen, ist es wichtig, dass sich Sexpartnerinnen und -partner mitbehandeln lassen.

Symptome

Typische Symptome einer Trichomonaden-Infektion sind Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen. Bei Frauen kann die Scheide gerötet sein und jucken, beim Sex kann es zu Schmerzen kommen. Außerdem kann ein schaumiger, gelblich-brauner Ausfluss auftreten, der scharf und unangenehm riecht.

Bei vielen Menschen bleibt eine Trichomonaden-Infektion symptomlos. Bei Männern sind Beschwerden sogar eher die Ausnahme. Aber auch wer keine Symptome hat, kann die Erreger beim Sex an andere weitergeben.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursache für die Infektion sind Trichomonaden. Das sind einzellige Parasiten, die vor allem die Schleimhäute in der Harnröhre und Scheide (Vagina) befallen. Der Fachbegriff für den Erreger lautet entsprechend „Trichomonas vaginalis“. Die Parasiten können aber auch am Gebärmutterhals, in der Blase oder selten im Enddarm zu Entzündungen führen.

Außerhalb des menschlichen Körpers sterben Trichomonaden rasch ab. Man steckt sich deshalb in der Regel nur über den direkten Schleimhautkontakt beim Sex an. Wer oft Sex mit wechselnden Partnerinnen und Partnern hat und dabei auf Kondome verzichtet, hat ein höheres Ansteckungsrisiko für Trichomonaden und andere sexuell übertragbare Erkrankungen.

Sich beim gemeinsamen Baden oder über Gegenstände wie Toilettensitze oder Handtücher anzustecken, ist zwar möglich, kommt aber nur selten vor. Ebenfalls selten ist die Übertragung während der Geburt, also wenn sich das Neugeborene bei der Mutter ansteckt.

Häufigkeit und Verlauf

Infektionen mit Trichomonaden zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen: Weltweit stecken sich schätzungsweise über 250 Millionen Menschen pro Jahr an. Bei Frauen wird die Infektion häufiger festgestellt als bei Männern. In Deutschland gilt die Infektion mittlerweile als seltener, aber wie viele Menschen hierzulande jährlich erkranken, lässt sich nicht genau sagen.

Oft verläuft eine Trichomonaden-Infektion unbemerkt. Wenn sich Symptome zeigen, dann im Schnitt eine Woche nach Ansteckung. Manche Menschen haben bereits nach vier Tagen Beschwerden, bei anderen dauert es bis zu drei Wochen. Unbehandelt kann die Infektion chronisch verlaufen – vor allem bei Frauen.

Ob mit oder ohne Symptome - es gilt: Solange die Infektion besteht, ist man ansteckend.

Folgen

Komplikationen können auftreten, wenn sich auch die inneren Geschlechtsorgane entzünden – bei Frauen etwa die Gebärmutterschleimhaut, die Eileiter oder die Eierstöcke. Kommt es dadurch zu Verklebungen und Verwachsungen, ist das Risiko für Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit erhöht.

Bei Männern können sich die Prostata, Hoden und Nebenhoden entzünden. Ob die Zeugungsfähigkeit durch die Infektion abnimmt, ist unklar.

Frauen mit einer Trichomonaden-Infektion haben ein erhöhtes Risiko, sich mit HIV anzustecken, weil die entzündete Schleimhaut den Viren das Eindringen erleichtert.

Infiziert sich eine Schwangere mit Trichomonaden, steigt das Risiko für eine Fehlgeburt – oder dafür, dass das Kind bei der Geburt zu klein ist.

Diagnose

Um eine Trichomonaden-Infektion festzustellen, werden Abstriche von der entzündeten Schleimhaut gemacht. Dazu entnimmt die Ärztin oder der Arzt mit Wattestäbchen Flüssigkeit und Schleimhautzellen aus Harnröhre, Scheide oder gegebenenfalls After. Diese Proben werden im Labor auf die Erreger untersucht.

Ein Trichomonaden-Befall der Harnröhre lässt sich auch mit einer Urinuntersuchung feststellen. Am besten eignet sich dafür eine Probe aus dem Morgenurin.

Vorbeugung

Sich über die Übertragungswege und Ansteckungsrisiken zu informieren hilft, sexuell übertragbaren Erkrankungen vorzubeugen und zu entscheiden, ob und welche vorbeugenden Maßnahmen sinnvoll sind. Zu Trichomonaden und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten informieren und beraten Ärztinnen und Ärzte – zum Beispiel für Haut- und Geschlechtskrankheiten – oder das Gesundheitsamt.

Eine einfache Möglichkeit der Vorbeugung sind Kondome oder Femidome (Kondome für die Frau). Allerdings schützen sie nicht hundertprozentig vor den Parasiten.

Für keimabtötende Mittel, die vor dem Sex in die Scheide eingeführt werden, konnte kein Schutz gegen Trichomonaden nachgewiesen werden. Auch sonst sind keine speziellen Vorbeugemaßnahmen bekannt.

Vorzubeugen heißt auch, andere zu schützen: Wenn man eine Trichomonaden-Infektion hat, ist es wichtig, auf Sex zu verzichten, bis die Behandlung abgeschlossen ist. Dasselbe gilt für gemeinsames Baden, den Tausch getragener Wäsche oder benutzter Sexspielzeuge. Wichtig ist außerdem, alle Personen zu informieren, die man angesteckt haben könnte. Feste Sexpartnerinnen und -partner werden in der Regel gleich mitbehandelt, um eine gegenseitige Ansteckung („Ping-Pong-Effekt“) zu vermeiden.

Behandlung

Eine Trichomonaden-Infektion lässt sich mit dem Wirkstoff Metronidazol behandeln. Dieses Antibiotikum wirkt nicht nur gegen Bakterien, sondern auch gegen einzellige Parasiten wie Trichomonas vaginalis.

Die Behandlung dauert bei Männern meist nur 1 Tag, bei Frauen 7 Tage. Der verschreibungspflichtige Wirkstoff wird als Tabletten eingenommen, zum Beispiel morgens und abends. Meistens reicht das aus, um die Erreger wirksam abzutöten.

Falls die Beschwerden bestehen bleiben, kann auch eine längere Therapie nötig sein – unter Umständen kombiniert mit Metronidazol-haltigen Scheidenzäpfchen.

Für Schwangere ist Metronidazol nicht zugelassen. Fachleute gehen aber davon aus, dass das Mittel ungeborenen Kindern nicht schadet. Wenn eine Behandlung nötig ist, kann das Medikament in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt daher im sogenannten Off-Label-Use eingenommen werden.

Weitere Informationen

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert auf der Webseite www.liebesleben.de über sexuell übertragbare Erkrankungen wie Trichomonaden und gibt unter anderem praktische Tipps zur Vorbeugung. Dort gibt es auch eine Online- und Telefonberatung.

Quellen

Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG). Sexuell übertragbare Infektionen (STI) – Beratung, Diagnostik und Therapie (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 059-006. 2018.

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Masha SC, Cools P, Sanders EJ et al. Trichomonas vaginalis and HIV infection acquisition: a systematic review and meta-analysis. Sex Transm Infect 2019; 95(1): 36-42.

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Pschyrembel Online. 2021.

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Erstellt am 15.06.2022

Nächste geplante Aktualisierung: 2025

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