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Schlaganfall

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Auf einen Blick

Ein Schlaganfall macht sich meist durch plötzliche Lähmungen, Sehprobleme oder Sprachstörungen bemerkbar, manchmal auch durch Kopfschmerzen. Die Ursache ist, dass ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn verstopft oder es zu einer Hirnblutung kommt.

Welche Symptome auftreten, hängt vor allem davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

Ein Schlaganfall ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss. Er wird oft auch als Hirninfarkt oder Apoplex bezeichnet.

Symptome

Häufige Anzeichen eines Schlaganfalls sind:

  • plötzlich auftretende Schwäche
  • Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen
  • Sprachstörungen
  • Gesichtsfeldausfall
  • Schwindel und Gangunsicherheit

Manchmal treten auch starke Kopfschmerzen auf, die mit Übelkeit und Erbrechen sowie Bewusstlosigkeit einhergehen können.

Meist ist nur eine Körperseite betroffen, sodass sich zum Beispiel der rechte Arm und / oder das rechte Bein nicht mehr richtig bewegen lassen. Typisch ist auch ein herabhängender Mundwinkel.

Ursachen

Meist wird ein Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel ausgelöst, das ein Gefäß im Gehirn verstopft. Diese Gerinnsel bilden sich meist in den Halsschlagadern oder im Herzen und werden über den Blutkreislauf ins Gehirn geschwemmt, wo sie dann ein Gefäß blockieren. Ein Schlaganfall, der durch ein verstopftes Blutgefäß entsteht, wird als ischämischer Schlaganfall bezeichnet.

Die zweite, seltenere Ursache sind Blutungen im Gehirn, zum Beispiel weil ein Blutgefäß reißt und Blut ins Hirngewebe austritt.

Beide Ursachen führen dazu, dass ein Bereich des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Eine Blutung erhöht zudem den Druck auf das Hirngewebe, was zusätzliche Schäden verursachen kann. Je schneller behandelt und die Sauerstoffversorgung wiederhergestellt werden kann, desto größer sind die Chancen, dass der Schaden im Gehirn möglichst klein bleibt.

Risikofaktoren

Bei Gesunden bilden sich nur sehr selten Gerinnsel in den Blutgefäßen. Bestimmte Erkrankungen, Verhaltensweisen und erbliche Veranlagungen können aber das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Dazu gehören zum Beispiel Rauchen, Bluthochdruck, ein erhöhter Cholesterinspiegel und Vorhofflimmern.

Wenn typische Schlaganfall-Symptome auftreten, die nach einigen Stunden von selbst wieder verschwinden, kann es sich um eine transitorische ischämische Attacke handeln (TIA). Dabei bildet sich ein Blutgerinnsel, das sich aber von allein wieder auflöst, bevor das Gehirn stärker geschädigt wurde. Eine transitorische ischämische Attacke weist auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hin.

Häufigkeit

Pro Jahr bekommt etwa 1 von 1000 Menschen einen Schlaganfall. Das Risiko steigt mit dem Alter. Männer erkranken im Durchschnitt etwas häufiger als Frauen.

Folgen

Die meisten Menschen überleben einen Schlaganfall. Er kann jedoch zu folgenden Beeinträchtigungen führen:

  • Lähmungen auf einer Körperseite
  • Verkrampfungen der Muskulatur (Spastiken)
  • Schluckstörungen
  • Sprachstörungen
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Sehstörungen
  • gestörte Wahrnehmung der betroffenen Körperseite (Neglect)
  • psychische Probleme wie Depressionen oder Angststörungen

Ein Teil der Betroffenen benötigt nach einem Schlaganfall Unterstützung im Alltag oder Pflege.

Oft bessern sich Beschwerden wie zum Beispiel Lähmungen im Laufe der Zeit wieder, sie können aber auch bestehen bleiben. Etwa 40 von 100 Menschen, die einen Schlaganfall überleben, haben dauerhaft stärkere Beeinträchtigungen.

Nach einem Schlaganfall ist außerdem das Risiko für einen weiteren Schlaganfall erhöht. So bekommen etwa 5 von 100 Menschen, die einen Schlaganfall überstanden haben, innerhalb des ersten Jahres einen weiteren Schlaganfall. Aber auch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte treten häufiger bei Menschen auf, die bereits einen Schlaganfall hatten. Etwa 30 von 100 Betroffenen sterben innerhalb eines Jahres an den Folgen der Erkrankung.

Diagnose

Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Bei jedem Verdacht ist es wichtig, sofort den notärztlichen Dienst zu rufen (Notruf 112) – und nicht darauf zu warten, dass die Beschwerden wieder verschwinden!

Nach ersten Untersuchungen durch die Notärztin oder den Notarzt werden Betroffene möglichst in ein auf Schlaganfälle spezialisiertes Krankenhaus gebracht. Dort finden sofort umfassende Untersuchungen statt, um die Ursache der Beschwerden festzustellen und rasch mit der Behandlung beginnen zu können. Oft gehört dazu eine Computer- oder Magnetresonanztomografie.

Vorbeugung

Ob und welche besondere Vorbeugung gegen einen Schlaganfall sinnvoll ist, hängt von weiteren Erkrankungen und Risikofaktoren ab.

Bei hohem Blutdruck lässt sich das Schlaganfall-Risiko durch blutdrucksenkende Medikamente verringern. Besteht ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln, zum Beispiel bei Vorhofflimmern, kommen gerinnungshemmende Medikamente infrage. Auch Medikamente zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels (Statine) können schützen.

Diese Maßnahmen können auch für Menschen sinnvoll sein, die bereits einen Schlaganfall hatten: Sie senken das Risiko für einen erneuten Schlaganfall.

Manchmal wird ein Eingriff empfohlen, bei dem Gefäßverengungen beispielsweise in der Halsschlagader beseitigt werden. Bei einer starken Verengung und anhaltenden Beschwerden ist auch das Einsetzen einer Gefäßstütze (Stent) aus Drahtgeflecht möglich, um ein Gefäß dauerhaft offen zu halten. Vor einem solchen Eingriff sollten aber Nutzen und Schaden besonders gut abgewogen werden.

Behandlung

Die Akutbehandlung hat zum Ziel, Leben zu retten und die Folgen des Schlaganfalls so gering wie möglich zu halten. Wie behandelt wird, hängt vor allem davon ab, ob der Schlaganfall durch ein Gerinnsel oder eine Hirnblutung ausgelöst wurde.

Bei einem Gerinnsel wird versucht, das Gefäß so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Dafür stehen zwei Verfahren zur Verfügung: Bei der sogenannten Thrombolyse wird das Gerinnsel durch ein Medikament aufgelöst, das über eine Infusion verabreicht wird. Bei der Thrombektomie wird das Gerinnsel mit einem Katheter aus den Hirngefäßen entfernt. Beide Verfahren werden wenn möglich kombiniert. Sie eignen sich jedoch nur für die ersten Stunden nach Symptombeginn. Umso wichtiger ist es, bei einem Schlaganfall schnell in eine Klinik zu kommen. Besonders geeignet sind spezialisierte Stationen, die sogenannten „Stroke Units“.

Bei einer Blutung kommt es darauf an, sie rasch zu stoppen, wenn nötig durch eine Operation.

Die weitere Behandlung und Überwachung hängt von der Schwere des Schlaganfalls, seinen Auswirkungen und den Ergebnissen weiterer Untersuchungen ab.

Rehabilitation

Nach einem Schlaganfall ist es für die meisten Menschen besonders wichtig, ihre Bewegungsfähigkeit, Muskelkraft und Sprache sowie ihre Selbstständigkeit wiederzuerlangen. Wichtig ist auch, das emotionale Gleichgewicht wiederzufinden.

Dazu gibt es verschiedene Rehabilitationsprogramme mit teils unterschiedlichen Inhalten. Die wichtigsten Elemente der Rehabilitation sind je nach Bedarf Krankengymnastik und Fitnesstraining, eine Sprachheilbehandlung sowie das Training der Schluckfunktion. Ziel ist es, körperliche Folgen wenn möglich zu mindern und mit ihnen umgehen zu lernen. In einer Ergotherapie wird vermittelt, wie es trotz der Einschränkungen gelingen kann, so selbstständig wie möglich im Alltag zurechtzukommen.

Die Rehabilitation beginnt meist schon während der Behandlung in der Klinik und kann anschließend in einer Rehaklinik oder ambulant fortgesetzt werden.

Leben und Alltag

Trauer und Niedergeschlagenheit sind nach einem Schlaganfall normal. Je nachdem, wie schwer ein Schlaganfall war, kann er einen enormen Einschnitt in das Leben bedeuten.

Wer vor der Erkrankung selbstständig gelebt hat und nun auf Hilfe angewiesen ist, muss zunächst mit den Folgen des Schlaganfalls zurechtkommen – sowohl psychisch als auch die praktischen Dinge des Alltags betreffend.

Therapie und Rehabilitation nach einem Schlaganfall können helfen, einen Teil der Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Die meisten Betroffenen und ihre Familien schaffen es mit der Zeit, ihr Leben den Veränderungen durch die Erkrankung so gut es geht anzupassen.

Manche Personen entwickeln als Folge des Schlaganfalls jedoch eine behandlungsbedürftige Depression. Oft werden solche Depressionen nicht erkannt, oder eine schlechte seelische Verfassung wird als normale Reaktion angesehen und nichts dagegen unternommen. Eine Depression belastet nicht nur psychisch, sondern kann auch die körperliche Genesung beeinträchtigen. Wichtig ist, dass Betroffene und ihre Familien nach einem Schlaganfall die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um eine depressive Erkrankung zu vermeiden – oder Hilfe bekommen, wenn sich bereits eine Depression entwickelt hat.

Weitere Informationen

Für Menschen nach einem Schlaganfall und ihre Angehörigen gibt es eine Vielzahl von Angeboten zur Unterstützung. Dazu gehören Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Erkrankten und ihren Angehörigen Hilfestellungen bei verschiedensten pflegerischen, finanziellen oder psychosozialen Anliegen geben können.

Viele Städte und Gemeinden unterhalten beispielsweise Pflegeberatungsstellen, deren Angebot kostenlos ist.

Angehörige können zudem Pflegekurse besuchen, in denen unter anderem Grundkenntnisse über Pflegetechniken vermittelt werden.

All diese Angebote sind vor Ort oft unterschiedlich organisiert und nicht immer direkt zu finden. Wir haben deshalb eine allgemeine Liste von Anlaufstellen zusammengestellt, die helfen, Angebote vor Ort zu finden und zu nutzen.

Anlaufstellen finden sich auch auf der Seite der Deutschen Schlaganfall-Hilfe.

Quellen

Brereton L, Carroll C, Barnston S. Interventions for adult family carers of people who have had a stroke: a systematic review. Clin Rehabil 2007; 21(10): 867-884.

Crocker TF, Brown L, Lam N et al. Information provision for stroke survivors and their carers. Cochrane Database Syst Rev 2021; (11): CD001919.

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Schlaganfall (S3-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 053-011. 2020.

Heuschmann PU, Busse O, Wagner M et al. Schlaganfallhäufigkeit und Versorgung von Schlaganfallpatienten in Deutschland. Akt Neurol 2010; 37: 333-340.

Hong KS, Yegiaian S, Lee M et al. Declining stroke and vascular event recurrence rates in secondary prevention trials over the past 50 years and consequences for current trial design. Circulation 2011; 123(19): 2111-2119.

Knecht S, Hesse S, Oster P. Rehabilitation after stroke. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(36): 600-606.

Minshall C, Pascoe MC, Thompson DR et al. Psychosocial interventions for stroke survivors, carers and survivor-carer dyads: a systematic review and meta-analysis. Top Stroke Rehabil 2019; 26(7): 554-564.

Saunders DH, Sanderson M, Hayes S et al. Physical fitness training for stroke patients. Cochrane Database Syst Rev 2016; (3): CD003316.

Aktualisiert am 27.07.2022

Nächste geplante Aktualisierung: 2025

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