Kontakt
Telefon
Chat
Wir freuen uns auf Ihren Anruf
0800 222 12 11 24/7 rund um die Uhr, kostenlos aus allen dt. Netzen Anrufen
Wir sind gerne für Sie da.
DIREKT KONTAKT AUFNEHMEN Geht hier ganz leicht. Worauf warten Sie noch? Chat starten Zur Datenschutzerklärung

Regelschmerzen

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Einleitung

Für viele Mädchen und Frauen ist die Menstruation mit Beschwerden wie Krämpfen und Schmerzen im Unterleib verbunden. Die medizinische Bezeichnung für schmerzhafte Regelblutungen ist „Dysmenorrhoe“.

Starke Beschwerden während der Menstruation lassen sich meist gut behandeln. Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder mit der Zeit immer stärker werden, ist es gut, mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt zu sprechen. Denn manchmal steckt eine behandelbare Krankheit hinter den Unterleibsschmerzen, zum Beispiel eine Endometriose.

Auf einen Blick

  • Viele Frauen haben während ihrer Periode Krämpfe und Schmerzen im Unterleib, manchmal auch Übelkeit und Kopfschmerzen.
  • Die Beschwerden können so stark sein, dass kein normaler Alltag möglich ist.
  • Schmerzmittel wie Ibuprofen können die Beschwerden lindern. Viele Frauen versuchen es auch mit Wärme, Entspannungstechniken oder Bewegung.
  • Auch hormonelle Verhütungsmittel wie die Antibabypille können helfen.
  • Sind die Schmerzen sehr stark, ist eine ärztliche Abklärung der Ursache wichtig.

Symptome

Regelschmerzen können auf den Unterleib beschränkt sein, aber auch in den Rücken und die Beine ausstrahlen. Bei einigen Frauen lösen die Krämpfe zudem Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall aus. Kopfschmerzen oder allgemeines Unwohlsein können hinzukommen. Frauen mit starker Blutung haben oft auch stärkere Regelschmerzen.

Ursachen und Risikofaktoren

In jedem Monatszyklus der Frau verdickt sich die Gebärmutterschleimhaut, um eine befruchtete Eizelle aufnehmen zu können. Nistet sich keine befruchtete Eizelle ein, wird die oberste Schleimhautschicht mit der Menstruation abgestoßen.

Grafik: Verlauf des Menstruationszyklus

Menstruationszyklus

Während der Menstruation ziehen sich die Muskeln der Gebärmutter in unregelmäßigen Abständen zusammen und entspannen sich wieder. Dadurch löst sich die oberste Schleimhautschicht von der Gebärmutterwand und das mit Blut vermischte Gewebe kann durch den Muttermund und die Scheide abfließen. Manche Frauen spüren davon nichts oder nur ein leichtes Ziehen, bei anderen löst es schmerzhafte Krämpfe aus.

Medizinisch werden zwei Arten von Regelschmerzen unterschieden: primäre und sekundäre. Primäre Regelschmerzen werden allein durch das Zusammenziehen der Gebärmutter ausgelöst. Dabei spielen hormonähnliche Botenstoffe eine wichtige Rolle, die Prostaglandine. Sie bewirken, dass sich die Gebärmuttermuskulatur zusammenzieht, um die Schleimhaut abzustoßen. Vermutlich produziert der Körper bei primären Regelschmerzen zu viel davon oder ist besonders empfindlich dagegen. Primäre Regelschmerzen sind bei Frauen unter 30 Jahren und Frauen mit starken Regelblutungen häufiger. Eine familiäre Veranlagung und auch Stress können ebenfalls eine Rolle spielen.

Sekundäre Regelschmerzen werden oft durch gutartige Geschwulste der Gebärmutter wie Myome oder Polypen verursacht. Starke Schmerzen können auch auf eine Endometriose hinweisen. Dann befindet sich auch außerhalb der Gebärmutter Gebärmutterschleimhaut im Bauchraum. Manchmal werden sekundäre Regelschmerzen auch durch eine Kupferspirale zur Empfängnisverhütung ausgelöst.

Häufigkeit und Verlauf

Menstruationsschmerzen sind weit verbreitet: Die meisten Mädchen und Frauen haben während ihrer Periode zeitweise mehr oder weniger starke Schmerzen. Bei 1 von 10 Frauen sind die Beschwerden so stark, dass sie jeden Monat für 1 bis 3 Tage nicht in der Lage sind, ihren normalen Alltag zu bewältigen.

Bei Frauen unter 20 Jahren sind die Schmerzen meist stärker als bei älteren Frauen. Meist lassen die Beschwerden wenige Jahre nach der ersten Periode nach, bei manchen hören sie auch ganz auf. Viele Frauen haben nach der Geburt ihres ersten Kindes weniger Beschwerden.

Zu sekundären Regelschmerzen kommt es oft erst, wenn eine junge Frau bereits einige Jahre ihre Menstruation hatte. Sie können auch außerhalb der Regelblutung auftreten.

Behandlung

Zum Umgang mit Regelschmerzen erhalten Mädchen und Frauen viele, zum Teil widersprüchliche Ratschläge – von Ärztinnen und Ärzten, aber auch von anderen Frauen. Wirksam sind Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen. Diese gehören zur Wirkstoffgruppe der sogenannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Weil sie die Prostaglandin-Produktion hemmen, können sie die Beschwerden lindern. Die meisten Frauen vertragen NSAR gut. Nebenwirkungen können aber vorkommen, insbesondere Magenbeschwerden.

Auch viele hormonelle Verhütungsmittel wie die Antibabypille oder die Hormonspirale können Regelschmerzen lindern. Die Gebärmutterschleimhaut baut sich dann nicht in normaler Dicke auf, die Blutungen sind meist schwächer und kürzer als die natürliche Regelblutung oder bleiben sogar ganz aus. Hormonelle Verhütungsmittel können jedoch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit haben, einige zudem das Thromboserisiko erhöhen. Die Frauenärztin oder der Frauenarzt berät dazu, welche hormonellen Verhütungsmittel infrage kommen.

Es gibt Hinweise aus Studien, dass Wärmepflaster und Wärmegürtel Schmerzen während der Menstruation lindern können. Einige Studien deuten zudem an, dass vielleicht auch körperliche Aktivitäten wie Joggen, Yoga und Gymnastik helfen. Für eine Wirksamkeit anderer Behandlungen wie Akupunktur, Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Präparate gibt es keine Belege. Diese Verfahren wurden zwar in einigen Studien untersucht, diese zeigten aber widersprüchliche Ergebnisse oder waren nicht gut gemacht.

Bei manchen Frauen sind die Schmerzen so belastend, dass eine psychologische Schmerztherapie infrage kommen kann. Eine solche Therapie umfasst unter anderem Gespräche und Techniken zur Schmerzbewältigung, zum Beispiel Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen.

Sind Myome oder eine Endometriose die Ursache der Beschwerden, gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten. Dazu können auch Operationen gehören.

Leben und Alltag

Menstruationsbeschwerden werden manchmal nicht ernst genommen – nicht einmal von Ärztinnen und Ärzten. Auch viele Frauen denken, sie müssten die Schmerzen einfach aushalten, weil sie „zum Leben einer Frau gehören“ – und sich dabei möglichst wenig anmerken lassen. Doch starke Schmerzen, die jeden Monat für mehrere Tage das Alltagsleben beeinträchtigen und vielleicht sogar arbeitsunfähig machen, sind nichts, was man als „natürlich“ hinnehmen müsste. Mit dem eigenen Umfeld über die Beschwerden sprechen, ärztlichen Rat einholen und nach einer passenden Behandlung suchen – all das können wichtige Schritte sein, um besser mit den Beschwerden zurechtzukommen.

Dazu gehört für viele Frauen auch, es während der Monatsblutung etwas ruhiger angehen zu lassen. Es kann zum Beispiel sinnvoll sein, anstrengende Termine nicht in diese Zeit zu legen. Einige Frauen empfinden Entspannungstechniken, Atemübungen, Yoga oder Tai Chi als hilfreich, um zur Ruhe zu kommen und Stress abzubauen. Manchen Frauen verschafft auch Spazierengehen oder leichte sportliche Betätigung Erleichterung. Warme Bäder, Wärmflaschen und Saunagänge können als wohltuend empfunden werden.

Frauen, die wegen starker Schmerzen und Krämpfe öfter nicht zur Arbeit gehen können, haben häufiger mit Problemen am Arbeitsplatz, Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen zu kämpfen. Verständnis und Unterstützung durch Partner oder Partnerin, Familie und Freundeskreis bedeuten für viele Frauen eine große Entlastung.

Weitere Informationen

Bei starken Regelschmerzen ist die frauenärztliche Praxis die erste Anlaufstelle. In unserem Thema „Gesundheitsversorgung in Deutschland“ informieren wir darüber, wie man die richtige Praxis findet – und mithilfe unserer Frageliste möchten wir dabei helfen, sich auf den Arztbesuch vorzubereiten.

Quellen

Armour M, Ee CC, Naidoo D et al. Exercise for dysmenorrhoea. Cochrane Database Syst Rev 2019; (9): CD004142.

Bofill Rodriguez M, Lethaby A, Farquhar C. Non-steroidal anti-inflammatory drugs for heavy menstrual bleeding. Cochrane Database Syst Rev 2019; (9): CD000400.

Burbeck R, Willig C. The personal experience of dysmenorrhoea: an interpretative phenomenological analysis. J Health Psychol 2014; 19(10): 1334-1344.

Chen CX, Barrett B, Kwekkeboom KL. Efficacy of Oral Ginger (Zingiber officinale) for Dysmenorrhea: A Systematic Review and Meta-Analysis. Evid Based Complement Alternat Med 2016: 6295737.

Chen CX, Draucker CB, Carpenter JS. What women say about their dysmenorrhea: a qualitative thematic analysis. BMC Womens Health 2018; 18(1): 47.

Chen CX, Shieh C, Draucker CB et al. Reasons women do not seek health care for dysmenorrhea. J Clin Nurs 2018; 27(1-2): e301-e308.

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung. AWMF-Registernr.: 015-015. 2019.

Jo J, Lee SH. Heat therapy for primary dysmenorrhea: A systematic review and meta-analysis of its effects on pain relief and quality of life. Sci Rep 2018; 8(1): 16252.

Ju H, Jones M, Mishra G. The prevalence and risk factors of dysmenorrhea. Epidemiol Rev 2014; 36: 104-113.

Latthe PM, Champaneria R. Dysmenorrhoea. BMJ Clin Evid 2014: pii: 0813.

Marjoribanks J, Ayeleke RO, Farquhar C et al. Nonsteroidal anti-inflammatory drugs for dysmenorrhoea. Cochrane Database Syst Rev 2015; (7): CD001751.

Mohammadi MM, Mirjalili R, Faraji A. The impact of omega-3 polyunsaturated fatty acids on primary dysmenorrhea: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Eur J Clin Pharmacol 2022; 78(5): 721-731.

Osayande AS, Mehulic S. Diagnosis and initial management of dysmenorrhea. Am Fam Physician 2014; 89(5): 341-346.

Pattanittum P, Kunyanone N, Brown J et al. Dietary supplements for dysmenorrhoea. Cochrane Database Syst Rev 2016; (3): CD002124.

Proctor M, Murphy PA, Pattison HM et al. Behavioural interventions for primary and secondary dysmenorrhoea. Cochrane Database Syst Rev 2007; (3): CD002248.

Smith CA, Armour M, Zhu X et al. Acupuncture for dysmenorrhoea. Cochrane Database Syst Rev 2016; (4): CD007854.

Wong CL, Farquhar C, Roberts H et al. Oral contraceptive pill for primary dysmenorrhoea. Cochrane Database Syst Rev 2009; (4): CD002120.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Aktualisiert am 22.03.2023

Nächste geplante Aktualisierung: 2026

Kontakt
Telefon
Chat
Wir freuen uns auf Ihren Anruf
0800 222 12 11 24/7 rund um die Uhr, kostenlos aus allen dt. Netzen Anrufen
Wir sind gerne für Sie da.
DIREKT KONTAKT AUFNEHMEN Geht hier ganz leicht. Worauf warten Sie noch? Chat starten Zur Datenschutzerklärung