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Pilzinfektion der Scheide (Scheidenpilz)

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Auf einen Blick

Eine Pilzinfektion der Scheide (Scheidenpilz) kann sich durch Jucken, Brennen und Ausfluss bemerkbar machen. Der Bereich um den Scheideneingang und die Schamlippen können sich ebenfalls entzünden. Manchmal führt die Infektion auch gar nicht zu Beschwerden.

Bei einem Scheidenpilz haben sich Hefepilze in der Scheide vermehrt und eine Entzündung ausgelöst. Infektionen durch Hefepilze zählen neben Bakterieninfektionen (bakterielle Vaginose) zu den häufigsten Ursachen für Entzündungen der Scheide und der äußeren Geschlechtsorgane.

In bestimmten Phasen sind Frauen besonders anfällig für eine Pilzinfektion der Scheide – etwa in der Schwangerschaft. Aber auch ein geschwächtes Immunsystem und die Einnahme bestimmter Medikamente können das Risiko für einen Scheidenpilz erhöhen.

Oft reicht eine kurze Behandlung mit Scheidenzäpfchen oder Cremes aus, um die Pilzinfektion abklingen zu lassen. Manchmal sind auch Tabletten sinnvoll.

Symptome

Typische Beschwerden bei einer Pilzinfektion sind Juckreiz, ein unangenehmes Brennen und Schmerzen. Die Schleimhaut der Scheide ist gerötet und weißlich belegt. Die Symptome können sich einige Tage vor der Regelblutung verstärken. Hat sich die Entzündung auf die äußeren Geschlechtsorgane ausgebreitet, sind zum Beispiel auch die Schamlippen rot und angeschwollen.

Ein Scheidenpilz führt oft zu weiß-gelblichem Ausfluss aus der Scheide. Er kann wässrig oder krümelig sein und geronnener Milch ähneln. Geschlechtsverkehr während der Infektion kann schmerzhaft sein. Wenn sich die Harnröhre entzündet hat, schmerzt es auch beim Wasserlassen.

Ursachen und Risikofaktoren

Pilzinfektionen der Scheide werden vor allem durch Hefepilze verursacht, genauer gesagt durch den Erreger Candida albicans. Diese Pilze gehören zwar zur natürlichen Scheidenflora, kommen normalerweise aber nur in geringer Zahl vor. Dann verursachen sie keine Beschwerden.

Die Scheidenflora kann jedoch aus dem Gleichgewicht geraten – zum Beispiel durch eine Schwangerschaft oder Medikamente.

Während einer Schwangerschaft ist der Östrogenspiegel im Körper besonders hoch. Das kann die Scheidenflora verändern und eine Pilzinfektion der Scheide begünstigen. Die Antibabypille verändert den Hormonhaushalt ähnlich wie eine Schwangerschaft. Deshalb haben Frauen, die mit der Pille verhüten, auch ein erhöhtes Risiko für einen Scheidenpilz.

Bestimmte Erkrankungen begünstigen ebenfalls eine Pilzinfektion der Scheide, zum Beispiel Diabetes mellitus und andere Krankheiten, die das Immunsystem schwächen. Außerdem können verschiedene Medikamente einen Scheidenpilz fördern: Dazu gehören Antibiotika, Kortison und eine Hormon-, Strahlen- oder Chemotherapie. Auch Stress, übertriebene Intimhygiene, synthetische und enganliegende Kleidung, Schwitzen und die Verwendung von luftdichten Slipeinlagen oder Binden erhöhen das Risiko für eine Pilzinfektion. Dann können sich die Pilze stark vermehren und eine Entzündung auslösen.

Eine andere Möglichkeit ist eine Ansteckung. Dabei gelangen sehr viele Hefepilze von außen in die Scheide – zum Beispiel durch Geschlechtsverkehr mit einem Mann, der eine Pilzinfektion der Eichel hat.

Häufigkeit und Verlauf

Infektionen durch Scheidenpilze sind nach Bakterieninfektionen die zweithäufigste Ursache für Scheidenentzündungen. Bis zu 75 von 100 Frauen haben mindestens einmal im Leben einen Scheidenpilz. Am häufigsten tritt die Infektion im gebärfähigen Alter auf. Eine Pilzinfektion nach den Wechseljahren kann mit der Einnahme von Medikamenten zusammenhängen, etwa mit östrogenhaltigen Mitteln.

Oft sind die Beschwerden nur wenig ausgeprägt, manchmal fehlen sie auch ganz. Selten kommt es zu starken Beschwerden. Dann ist eine intensivere Behandlung nötig. Das gilt auch, wenn die Infektion mehrmals pro Jahr auftritt oder eine Immunschwäche zugrunde liegt.

Folgen

Wenn die Scheidenschleimhaut entzündet ist oder die juckende Haut im Bereich der Schamlippen aufgekratzt wird, können sich auch andere Krankheitserreger leichter ansiedeln und die Beschwerden verstärken. Die Entzündung kann leicht auch auf eng benachbartes Gewebe übergreifen, etwa auf die Harnröhrenmündung.

Ernsthafte Komplikationen sind sehr selten und hängen meist mit einem geschwächten Immunsystem zusammen, etwa durch eine Krebsbehandlung oder eine AIDS-Erkrankung. Die Entzündung kann sich dann verstärken und weiter ausbreiten.

Bei schwangeren Frauen können Scheideninfektionen das Risiko für Komplikationen wie vorzeitige Wehen, Fehl- und Frühgeburten etwas erhöhen. Das Kind kann sich außerdem während der Geburt anstecken. Dann können die Hefepilze beim Neugeborenen zum Beispiel eine Entzündung der Mundschleimhaut oder eine Windeldermatitis auslösen.

Erkrankungen der Geschlechtsorgane sind vielen Menschen peinlich. Dies kann dazu führen, dass sie die Behandlung aufschieben oder ihrem Sexualpartner oder ihrer -partnerin nichts davon erzählen. Dadurch können sie länger mit einer Pilzinfektion zu tun haben und andere anstecken.

Diagnose

In der Regel lässt sich ein Scheidenpilz an den Beschwerden und den sichtbaren Veränderungen der Scheidenschleimhaut erkennen. Wenn Zweifel bestehen, entnimmt die Gynäkologin oder der Gynäkologe etwas Scheidenflüssigkeit und untersucht sie auf Hefepilze.

Bei häufigen Pilzinfektionen oder starken Beschwerden können zusätzliche Untersuchungen nötig sein. Sie sollen zeigen, ob bestimmte Risikofaktoren vorliegen, wie etwa eine Immunschwäche. Wenn man immer wieder Pilzinfektionen bekommt, kann es sinnvoll sein, dass sich der Partner oder die Partnerin untersuchen lässt.

Vorbeugung

Wenn das Immunsystem geschwächt ist, können unter Umständen Antipilzmittel sinnvoll sein, um Pilzinfektionen vorzubeugen. Manche verwenden auch während einer Antibiotikatherapie vorbeugend Antipilzmittel. Ob das einer Scheidenpilzinfektion vorbeugt, ist aber nicht gut untersucht. Für ansonsten Gesunde ist keine besondere Vorbeugung nötig. Um sich bei einem erkrankten Partner oder einer Partnerin nicht anzustecken, sollte man mit Geschlechtsverkehr warten, bis die Infektion bei ihm oder ihr abgeklungen ist.

Ob spezielle Probiotika-Präparate Pilzinfektionen vorbeugen können, ist nicht gut untersucht. Sie werden eingenommen oder in die Scheide eingeführt und sollen die natürliche Scheidenflora unterstützen.

Manche Methoden schaden mehr als sie nutzen: So sollte auf das Spülen der Scheide oder Intimsprays verzichtet werden, weil dies die natürliche Scheidenflora schädigt und Infektionen begünstigt.

Behandlung

In der Regel reicht eine Behandlung aus, bei der ein Antipilzmittel als Zäpfchen oder als Creme mithilfe eines Applikators in die Scheide eingeführt wird, damit es auf die entzündete Schleimhaut wirken kann. Je nach Präparat ist die empfohlene Behandlungsdauer unterschiedlich, beträgt aber meist nur 1 bis 6 Tage. Brennen oder Jucken können als Nebenwirkung auftreten.

Manche Wirkstoffe können auch einmalig als Tablette eingenommen werden. Dann sind jedoch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall oder Kopfschmerzen möglich. Außerdem ist die Einnahme von Antipilzmitteln nicht für Schwangere geeignet.

Bei starken Beschwerden, häufig wiederkehrenden Infektionen oder einem erhöhten Risiko für Komplikationen – etwa bei einer Immunschwäche – ist ärztlicher Rat sinnvoll. Es kann dann zum Beispiel nötig sein, über mehrere Monate Antipilz-Tabletten einzunehmen. Eine Mitbehandlung des Partners oder der Partnerin ist meist nicht nötig – außer wenn feststeht, dass er oder sie auch eine Hefepilzinfektion im Genitalbereich hat.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind Zäpfchen oder Kapseln mit lebenden Milchsäurebakterien (Probiotika). Sie sollen die Scheidenflora schützen und ihr Gleichgewicht wiederherstellen. Der Nutzen dieser Mittel ist bislang jedoch nicht ausreichend belegt.

Manche Frauen führen sich auch zum Beispiel mit Teebaumöl getränkte Tampons oder Knoblauch ein. Andere verwenden Naturjoghurt, um das Scheidenmilieu anzusäuern. Es ist aber nicht untersucht, ob solche Hausmittel wirksam und sicher sind. Mögliche Risiken könnten allergische Reaktionen oder Reizungen der Schleimhaut sein.

Die Scheide auszuspülen, ist in keinem Fall eine gute Idee, weil sich dadurch die Entzündung verstärken kann.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. In unserem Thema „Gesundheitsversorgung in Deutschland“ informieren wir darüber, wie man die richtige Praxis findet – und mithilfe unserer Frageliste möchten wir dabei helfen, sich auf den Arztbesuch vorzubereiten.

Quellen

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Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Vulvovaginalkandidose (ausgenommen chronisch mukotutane Kandidose; S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 015-072. 2020.

Martin Lopez JE. Candidiasis (vulvovaginal). BMJ Clin Evid 2015: pii: 0815.

Roberts CL, Algert CS, Rickard KL et al. Treatment of vaginal candidiasis for the prevention of preterm birth: a systematic review and meta-analysis. Syst Rev 2015; 4: 31.

Rosa MI, Silva BR, Pires PS et al. Weekly fluconazole therapy for recurrent vulvovaginal candidiasis: a systematic review and meta-analysis. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2013; 167(2): 132-136.

Sherrard J, Wilson J, Donders G et al. 2018 European (IUSTI/WHO) International Union against sexually transmitted infections (IUSTI) World Health Organisation (WHO) guideline on the management of vaginal discharge. Int J STD AIDS 2018; 29(13): 1258-1272.

Weyerstahl T, Stauber M. Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Stuttgart: Thieme; 2013.

Xie HY, Feng D, Wei DM et al. Probiotics for vulvovaginal candidiasis in non-pregnant women. Cochrane Database Syst Rev 2017; (11): CD010496.

Aktualisiert am 23.02.2022

Nächste geplante Aktualisierung: 2025

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