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Scharlach

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Einleitung

Scharlach ist eine bakterielle Infektion, mit der sich vor allem Kinder anstecken. Meist zeigt sie sich durch einen typischen Hautausschlag, Fieber und Halsschmerzen.

Scharlach ist dank Antibiotika wie Penicillin gut behandelbar. Sie können bei Scharlach zudem die Zeit verkürzen, in der ein erkranktes Kind ansteckend ist. Die Infektion verbreitet sich über bakterienhaltige Tröpfchen und engen Körperkontakt.

Vor der Entwicklung des Penicillins hatte die Erkrankung manchmal schwere Folgen. Heute verläuft Scharlach in aller Regel milde. Trotzdem ist es wichtig, darauf zu achten, dass sich möglichst niemand anderes ansteckt – zum Beispiel durch regelmäßiges Händewaschen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kinderkrankheiten führt eine überstandene Scharlach-Infektion nicht zu Immunität. Das bedeutet, man kann mehrmals im Leben an Scharlach erkranken.

Symptome

Zu Beschwerden kommt es meist 1 bis 3 Tage nach einer Ansteckung. Folgende Symptome können bei Scharlach auftreten:

  • Halsschmerzen
  • Fieber und Schüttelfrost
  • Schmerzen beim Schlucken
  • Hautausschlag
  • Erbrechen
  • Abgeschlagenheit
  • geschwollene Mandeln
  • geschwollene Lymphknoten
  • bei kleineren Kindern häufig auch Bauchschmerzen

Charakteristisch für Scharlach ist die tiefrote Zunge, auch „Himbeerzunge“ genannt.

Auf dem Körper entwickelt sich meist ab dem zweiten Tag ein nicht oder kaum juckender Hautausschlag aus vielen kleinen erst rosa, dann roten Punkten mit rauer Oberfläche, die sich wie Sandpapier anfühlt. Die Flecken können sich innerhalb weniger Tage von der Körpermitte auf den Hals bis zu den Händen und Füßen ausbreiten. Das Mund-Kinn-Dreieck, die Handinnenflächen und Fußsohlen bleiben dabei typischerweise ausgespart. Besonders deutlich ist der Ausschlag oft in der Leistengegend und im Bereich der Achseln zu sehen. Nach ungefähr einer Woche verblassen die Pünktchen wieder. In der zweiten bis vierten Krankheitswoche beginnt sich die Haut zu schuppen, vor allem an den Handflächen und Fingerkuppen sowie an den Fußsohlen und Zehenkuppen.

Manchmal sind die Beschwerden nur wenig ausgeprägt, wie etwa leichte Halsschmerzen, mäßiges Fieber und leichter Hautausschlag. Es kann aber auch zu starken Halsschmerzen, hohem Fieber und starkem Hautausschlag kommen.  

Scharlach: Ausschlag und „Himbeerzunge“ – wie zuvor im Text beschrieben Scharlach: Ausschlag und „Himbeerzunge“

Ursachen

Scharlach wird durch Bakterien verursacht. Auslöser ist eine bestimmte Streptokokken-Gruppe namens „Streptococcus pyogenes“, auch „A-Streptokokken“ genannt. Normalerweise führt eine Ansteckung mit diesen Bakterien nur zu einer eitrigen Entzündung von Rachen und Mandeln. Die Bakterienstämme, die Scharlach verursachen, bilden zusätzlich einen Giftstoff (Toxin), der zu den typischen Hautveränderungen führt. Die Ansteckung erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel durch Husten, Speichel oder Niesen.

Häufigkeit

Meist erkranken Kinder an Scharlach, selten auch Erwachsene. Die meisten Scharlach-Erkrankungen treten bei Fünf- bis Zwölfjährigen auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Kinderkrankheiten kann man mehrmals an Scharlach erkranken. Pro Jahr bekommen etwa 5 von 1000 Kindern Scharlach.

Verlauf

Auch unbehandelt verläuft Scharlach oft milde – allerdings besteht ein geringes Risiko, dass sich die Infektion im Körper ausbreitet und schwere Erkrankungen nach sich zieht. Die Mandeln oder das Mittelohr können sich eitrig entzünden. Möglich ist auch rheumatisches Fieber, bei dem es zu Entzündungen verschiedener Gelenke oder Organe kommen kann, beispielsweise des Herzens oder der Niere. Diese schweren Folgeerkrankungen spielen aber in Deutschland eine deutlich geringere Rolle als früher.

Sehr selten dringen die Erreger in Wunden ein und verursachen den sogenannten Wundscharlach. Dieser kann gefährlich sein, da die Erreger über die Wunde in die Blutbahn gelangen und eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen können. Solche schweren Komplikationen sind zwar selten, können aber lebensbedrohlich sein.

Nimmt man Antibiotika gegen Scharlach ein, klingen die Beschwerden in der Regel nach wenigen Tagen ab. Mit Antibiotika besteht zudem nach 24 Stunden keine Ansteckungsgefahr mehr. Wer keine Antibiotika einnimmt, ist bis zu drei Wochen lang ansteckend.

Diagnose

Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt Scharlach anhand seiner charakteristischen Symptome. Häufig wird zusätzlich ein sogenannter Schnelltest gemacht, der innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis zeigt. Dabei wird eine Probe aus dem Rachen genommen und auf Streptokokken untersucht. Das Ergebnis ist aber nicht immer zuverlässig. Zeigt der Test Streptokokken an, ist dies ein recht sicherer Nachweis dafür, dass sie die Erkrankungsursache sind. Ist der Abstrich unauffällig, können Streptokokken jedoch nicht sicher als Ursache ausgeschlossen werden. Dann kann ein Abstrich von den Mandeln ins Labor geschickt werden, um genauere Ergebnisse zu bekommen. Das Laborergebnis liegt dann nach 1 bis 2 Tagen vor.

Vorbeugung

Eine Impfung gegen Scharlach gibt es nicht. Sinnvoll sind allgemeine Maßnahmen zur Vorbeugung von Erkältungs- und Atemwegskrankheiten. Dazu gehört, sich regelmäßig die Hände zu waschen und engen Kontakt mit Erkrankten zu vermeiden, die noch ansteckend sein könnten.

Besonders in den Wintermonaten tragen viele Kinder Scharlach-Erreger im Rachenraum, ohne dass die Erkrankung ausbricht. Diese Kinder sind in der Regel nicht ansteckend, auch wenn sich die Erreger bei ihnen nachweisen lassen. Vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung einer Infektion sind daher nicht nötig.

Behandlung

Scharlach wird mit Antibiotika behandelt – auch deshalb, weil man dann nach etwa 24 Stunden nicht mehr ansteckend ist. Die Beschwerden klingen durch die Antibiotika etwas schneller ab, außerdem beugen sie möglichen Komplikationen vor. Bei Scharlach nimmt man meist Penicillin-Tabletten ein – und zwar 2- oder 3-mal täglich über zehn Tage. Bei Unverträglichkeiten oder Allergien gegen Penicillin stehen andere Antibiotika zur Verfügung. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag. Es ist wichtig, die Einnahme von Antibiotika nicht abzubrechen, auch wenn die Beschwerden verschwunden sind. Nur dadurch ist ausreichend gesichert, dass alle Erreger abgetötet werden.

Zusätzlich lassen sich Beschwerden wie Halsschmerzen und Fieber durch schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol lindern. Es kann außerdem wohltuend sein, Bonbons zu lutschen, Tee zu trinken oder Hausmittel wie Halswickel anzuwenden.

Leben und Alltag

Scharlach gehört zu den Erkrankungen, die im Infektionsschutzgesetz erfasst sind. Dort ist festgelegt, dass Personen, bei denen der Verdacht auf eine Erkrankung besteht, sich von Gemeinschaftseinrichtungen fernhalten müssen. Kinder dürfen also schon bei Verdacht auf Scharlach nicht in den Kindergarten oder zur Schule gehen und sollten nicht mit anderen Kindern spielen.

Erwachsene dürfen bei Scharlach (oder einem Verdacht darauf) keine Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu anderen Personen haben. Dazu zählen beispielsweise Lehrtätigkeiten, Erziehungsaufgaben oder die Pflege von Menschen.

Wer zwei Tage lang Antibiotika eingenommen hat, ist nach dieser Zeit nicht mehr ansteckend und hat meist weniger starke Beschwerden. Dann ist es auch wieder möglich, an Gemeinschaftsaktivitäten teilzunehmen, zur Schule oder zur Arbeit zu gehen. Ein schriftliches ärztliches Attest ist dafür nicht erforderlich.

Weitere Informationen

Die Haus- oder Kinderarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

Quellen

Brockmann SO, Eichner L, Eichner M. Constantly high incidence of scarlet fever in Germany. Lancet Infect Dis 2018; 18(5): 499-500.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Infektionsschutz.de: Scharlach. Infomationen über Krankheitserreger beim Menschen. 24.04.2018.

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Halsschmerzen. DEGAM-Leitlinie Nr. 14. Düsseldorf: Omicron Publishing; 2009.

Drug Therapeutics Bulletin. Managing scarlet fever. BMJ 2018; 362: k3005.

Robert Koch-Institut (RKI). Streptococcus pyogenes-Infektionen. 02.05.2018. (RKI-Ratgeber für Ärzte).

Spinks A, Glasziou PP, Del Mar CB. Antibiotics for sore throat. Cochrane Database Syst Rev 2013; (11): CD000023.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Aktualisiert am 01.07.2020

Nächste geplante Aktualisierung: 2023

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