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Rosazea

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Einleitung

Rote Flecken, sichtbare Äderchen und Pusteln im Gesicht: Dies sind typische Anzeichen für Rosazea (auch Rosacea oder „Kupferrose“) – einer häufigen Entzündung der Gesichtshaut, die meist in Schüben auftritt.

Wie jede sichtbare Hautkrankheit kann Rosazea das Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein beeinträchtigen. Vielen Menschen ist allerdings gar nicht bewusst, dass ihre fleckig gerötete Gesichtshaut durch eine behandelbare Erkrankung verursacht wird. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Entzündung zu lindern und Schüben vorzubeugen.

Symptome

Rosazea ist eine chronische, nicht ansteckende Entzündung der Gesichtshaut. Sie kann unterschiedlich ausgeprägt sein und Wangen, Kinn, Stirn und Nase betreffen. Seltener entzündet sich auch die Kopfhaut, die Haut im Nacken oder im Brustbereich.

Oft wird die Rosazea in vier Typen unterteilt:

  • Typ 1: Die Gesichtshaut ist gerötet, manchmal werden Äderchen sichtbar.
  • Typ 2: Zusätzlich zur Hautrötung bilden sich Hautknötchen (Papeln) und Pusteln.
  • Typ 3: Die Haut ist verdickt und es entstehen manchmal entzündliche Knötchen, vor allem an der Nase.
  • Typ 4: Die Rosazea führt zu Entzündungen an den Augen und Augenlidern, manchmal auch ohne auffällige Hauterscheinungen.

Die Haut kann auch trockener werden, etwas anschwellen und sich leicht abschälen, brennen oder jucken. Sie ist empfindlicher und leichter reizbar als gesunde Haut.

Eine Rosazea kann sehr unterschiedlich aussehen, zudem gibt es viele Mischformen. Die Einteilung in vier Typen gibt daher nur eine grobe Orientierung. Für die Behandlung sind immer die individuellen Beschwerden und Hautveränderungen entscheidend.

Grafik: Rosazea Typ 1 und Typ 2 (unterschiedliche Schweregrade) - wie im Text beschrieben Rosazea Typ 1 und Typ 2 (unterschiedliche Schweregrade)

Grafik: Rosazea Typ 3 und Typ 4 Rosazea Typ 3 und Typ 4

Ursachen

Warum sich eine Rosazea entwickelt, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine Rolle spielen vermutlich:

  • Entzündungs- und Immunreaktionen
  • Veränderungen der Blutgefäße in der Haut
  • familiäre Veranlagung
  • gestörte Schutzfunktion der Haut
  • Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Milben (Haarbalgmilben) oder Bakterien

Als Auslöser von Entzündungsschüben gelten beispielsweise Sonnenlicht, starke Hitze oder Kälte sowie Stress.

Rosazea-ähnliche Beschwerden können zudem durch den langfristigen Gebrauch von Kortisonpräparaten begünstigt werden (Steroid-Rosazea). Bei richtiger Anwendung der Mittel ist dieses Risiko aber sehr gering.

Auch wenn sich bei einer Rosazea eitrige Pusteln entwickeln können, ist sie keine Form von Akne: Im Gegensatz zur Akne ist die Talgproduktion der Haut bei Rosazea nicht verstärkt.

Häufigkeit

Eine Rosazea entwickelt sich meist erst nach dem 30. Lebensjahr. In Deutschland sind etwa 2 bis 5 % aller Erwachsenen betroffen. Bei Frauen und bei Menschen mit heller Haut ist sie häufiger.

Verlauf

Rosazea-Beschwerden treten oft in Schüben auf: Zeiten mit stärker ausgeprägten Hautveränderungen wechseln sich mit Phasen ab, in denen die Entzündung nachlässt oder abklingt.

Mit der Zeit kann sich die Haut verändern und es können andere Symptome hinzukommen. Oft bleiben die Beschwerden aber über lange Zeit gleich.

Folgen

Vor allem bei Männern kann sich durch Hautveränderungen und -wucherungen auf Dauer eine Knollennase entwickeln, ein sogenanntes Rhinophym. Dies kann psychisch sehr belastend sein, vor allem wenn sich die Nasenform stark verändert.

Bei einer Rosazea mit Augenbeteiligung können die Augen gerötet sein, jucken und tränen. Zudem können sie lichtempfindlicher werden. Wenn die Talgdrüsen an den Augenlidern verstopft sind, können die Augen austrocknen. Auch Entzündungen der Bindehaut, des Lidrands und der Hornhaut sind möglich und können schmerzhaft sein. Manchmal fühlt es sich an, als wäre ein Fremdkörper im Auge.

Sehr selten kommt es zu Komplikationen an den Augen, wie zum Beispiel einer Hornhautentzündung. Diese ist ein Notfall, da die Gefahr eines Sehverlusts besteht. Mögliche Anzeichen hierfür sind Augenschmerzen oder ein Fremdkörpergefühl, Sehschwierigkeiten oder Veränderungen an der Hornhaut oder dem Glaskörper. Bei solchen Beschwerden ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig!

Diagnose

Hautärztinnen und -ärzte können eine Rosazea an den typischen Hautveränderungen erkennen. Ist auch das Auge betroffen, ist meist eine zusätzliche augenärztliche Untersuchung sinnvoll.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung erneuter Beschwerden wird eine gute Hautpflege empfohlen. Dazu gehört, auf einen ausreichenden Sonnenschutz zu achten, seifenfreie Reinigungsprodukte mit einem niedrigen pH-Wert zu verwenden und Reizstoffe zu vermeiden.

Mögliche Reizstoffe in Hautpflegeprodukten sind zum Beispiel Alkohol, Kampfer, Menthol, Minze, Eukalyptus, Duftstoffe, Fruchtsäuren und Substanzen zum chemischen oder mechanischen Peeling.

Beim Gesicht waschen verwendet man am besten lauwarmes bis kühles Wasser und tupft die Haut danach sanft mit einem Handtuch ab. Zu heißes oder zu kaltes Wasser kann Hautrötungen auslösen oder verstärken.

Ist die Haut zu trocken, können feuchtigkeitsbindende Mittel helfen. Dies lindert auch Juckreiz und schützt vor Rissen, die Entzündungen begünstigen können.

Oft lassen sich mit der Zeit bestimmte Auslöser für Schübe herausfinden. Allgemein gilt, dass alles, was zu einer Rötung des Gesichts führen kann, auch die Rosazea verstärkt. Typische Auslöser sind zum Beispiel:

  • Alkohol
  • heiße Getränke
  • bestimmte Medikamente wie gefäßerweiternde Mittel
  • scharfe Gewürze und Speisen
  • Sonnenlicht
  • extreme Temperaturen

Ein Rosazea-Tagebuch kann helfen, möglichen Auslösern auf die Spur zu kommen. Wer sie kennt, kann zumindest einige von ihnen vermeiden.

Behandlung

Stärkere Hautveränderungen können mit Medikamenten behandelt werden. Meist reichen Mittel zum Auftragen auf die Haut. Welche Wirkstoffe geeignet sind, hängt vom Erscheinungsbild der Rosazea ab:

  • Gegen Rötungen hilft ein Gel mit dem Wirkstoff Brimonidin.
  • Gegen Knötchen und Pusteln helfen Cremes oder Gels mit den Wirkstoffen Azelainsäure, Ivermectin oder Metronidazol.

Wenn eine äußerliche Behandlung von Knötchen und Pusteln nicht ausreicht, kann das entzündungshemmende Antibiotikum Doxycyclin als Tablette eingenommen werden.

Eine stark veränderte Nase (Rhinophym) kann mit Medikamenten zum Einnehmen behandelt oder operiert werden. Dies hängt auch davon ab, ob die Nasenhaut „nur“ entzündet ist oder ob sich auffällige Hautwucherungen gebildet haben.

Leben und Alltag

Auch wenn eine Rosazea meist harmlos ist, können Rötungen im Gesicht oder an der Nase psychisch stark belasten. Neugierige Blicke anderer oder die Vermutung, die Ursache der „roten Nase“ sei übermäßiger Alkoholgenuss, sind nicht selten. Meist entstehen solche Reaktionen, weil viele Menschen nicht wissen, was eine Rosazea ist. Es kann deshalb helfen, offen mit der Erkrankung umzugehen und in Familie, Freundeskreis und am Arbeitsplatz zu erklären, was es damit auf sich hat.

Wenn die Rötung im Gesicht sehr auffällig ist, kann man sie mit einem hautverträglichen Make-up oder einer Abdeckcreme kaschieren. Dabei wird von wasserfesten und öl- oder fetthaltigen Produkten abgeraten: Weil sie sich weniger gut entfernen lassen, wird die Haut beim Abschminken zusätzlich gereizt. Geeignet sind Produkte mit einem grünlichen Ton, der als Komplementärfarbe die Rötungen ausgleicht. Bei der Auswahl der richtigen Produkte kann auch die Hautärztin oder der Hautarzt helfen.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

Quellen

Augustin M, Herberger K, Hintzen S, Heigel H, Franzke N, Schafer I. Prevalence of skin lesions and need for treatment in a cohort of 90 880 workers. Br J Dermatol 2011; 165(4): 865-873.

National Rosacea Society (USA). Patients’ perspectives: living with rosacea. Dermatol Nurs 2007; 19: 105-110.

Rebora A. Papulopustular rosacea. In: Williams H, Bigby M, Diepgen T, Herxheimer A, Naldi L, Rzany B (Ed). Evidence-based Dermatology. London: Blackwell Publishing; 2008. S. 105-110.

Van Zuuren EJ. Rosacea. N Engl J Med 2017; 377(18): 1754-1764.

Van Zuuren EJ, Fedorowicz Z, Tan J, van der Linden MM, Arents BW, Carter B et al. Interventions for rosacea based on the phenotype approach: an updated systematic review including GRADE assessments. Br J Dermatol 2019; 181(1): 65-79.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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Aktualisiert am 26.08.2020

Nächste geplante Aktualisierung: 2023

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