Vom 2. bis zum 5. Februar 2026 war es wieder so weit: Bereits zum fünften Mal durften wir Studierende des Instituts für Arbeitswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum zur Praxiswoche begrüßen. Vier Tage lang arbeiteten 15 Masterstudierende des Studiengangs Organizational Management an zwei Beratungsaufträgen der Personal- und Organisationsentwicklung, die eine hohe strategische Relevanz für die VIACTIV haben: „Laterale Führung“ sowie „Gesamtunternehmerisches Denken & Handlungsorientierung“.
Das Ziel der Praxiswoche war klar: Theoretisches Wissen aus dem Studium mit konkreten Anforderungen aus der Praxis verbinden und dabei umsetzbare Lösungsansätze für die VIACTIV entwickeln.
Gemeinsamer Auftakt am Campus in Bochum
Die Praxiswoche startete am 2. Februar mit einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung an unserem Campus in Bochum. Nach einer Vorstellungsrunde erhielten die Studierenden Einblicke in die VIACTIV, unsere Struktur und die Hintergründe der beiden Beratungsaufträge.
Schon zu Beginn wurde das große Interesse an der Praxiswoche und der VIACTIV deutlich. Die Studierenden gingen engagiert an die beiden Aufgaben heran und stellten viele Fragen, um Zusammenhänge und Hintergründe zu verstehen sowie die Aufträge möglichst genau zu erfassen. Ein Teilnehmender brachte es auf den Punkt: „Das, was man im Abstrakten gelernt hat, auf praktische Fälle anwenden.“
Die Gruppe der Studierenden war vielfältig zusammengesetzt. Die meisten Studierenden befanden sich im ersten oder zweiten Semester ihres berufsbegleitenden Masterstudiums. Beruflich brachten sie ganz unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven mit: von selbstständigen Familienunternehmen über öffentliche Einrichtungen bis hin zum Zoo. Für viele war es die erste Praxiswoche, einige kannten das Format bereits aus früheren Modulen. Die heterogene Zusammensetzung der Gruppe brachte ganz verschiedene Hintergründe und vielseitige Perspektiven mit, was die Bearbeitung der Themen zusätzlich bereicherte.
Positiv aufgenommen wurde die VIACTIV bereits im Vorfeld. Besonders geschätzt wurde, dass wir bereits vor Beginn der Praxiswoche Kontakt aufgenommen und über den Ablauf sowie die geplanten Interviews informiert hatten. Das sorgte für Klarheit und einen strukturierten Ablauf. Auch unser Campus hinterließ Eindruck bei den Studierenden. Das Gebäude, die technische Ausstattung und vor allem die Meetingräume, die für die Interviews verwendet wurden, wurden mehrfach gelobt.
Zwei Gruppen, zwei Fragestellungen
Während der Praxiswoche arbeiteten die Studierenden in zwei Gruppen an jeweils einem Beratungsauftrag.
Die erste Gruppe entwickelte ein Grobkonzept zur Steigerung der Akzeptanz lateraler Führung bei der VIACTIV. Ziel war es, konkrete Handlungsfelder zu entwickeln, die zu mehr Akzeptanz und Wirksamkeit der lateralen Führung beitragen können und anschlussfähig an die bestehenden Strukturen der VIACTIV sind. Laterale Führung bedeutet, ohne disziplinarische und formale Weisungsbefugnis Verantwortung zu übernehmen und Einfluss zu nehmen. Die VIACTIV arbeitet zunehmend in bereichsübergreifenden Strukturen, Projekten und Initiativen. Somit gewinnt die laterale Führung immer mehr an Bedeutung, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Hierzu gehören ein unterschiedliches Verständnis und eine unterschiedliche Akzeptanz. Die Studierenden analysierten bestehende Rahmenbedingungen und identifizierten mögliche Spannungsfelder. Ein Teilnehmer formulierte den Anspruch der Gruppe so: „Pain Points herauskitzeln, andere Dinge ansprechen, andere Fragen stellen, andere Blickwinkel einbringen.“
Die zweite Gruppe beschäftigte sich mit einem ebenso relevanten Thema: der Konzeption eines neuen Entwicklungsformates für Führungskräfte mit dem Titel „Gesamtunternehmerisches Denken & Handlungsorientierung“. Ziel war es, Führungskräfte darin zu stärken, über den eigenen Bereich hinauszudenken und strategische Entscheidungen im Sinne des Gesamtunternehmens zu treffen. Die Gruppe setzte sich intensiv mit den Führungsrollen der Abteilungsleitung und der Teamexperten und Teamexpertinnen auseinander. Gleichzeitig ging es darum, ein Grobkonzept vorzubereiten, welches nachhaltig im Arbeitsalltag umgesetzt werden kann. „Grobe theoretische Konzepte in die Praxis umsetzen“, so beschrieb eine Teilnehmerin die Herausforderung. Neben inhaltlichen Aspekten spielten hier auch die methodischen Fragen eine Rolle. Wie können Entwicklungsformate gestaltet werden, damit sie nachhaltig wirken? Wie lässt sich der Transfer in den Arbeitsalltag sichern? Einige Studierende betonten, dass sie aus diesem Thema mit Blick auf ihre eigene Rolle in ihrem Unternehmen auch persönlich viel mitnehmen konnten.
Interviews mit Expertinnen und Experten aus der VIACTIV
Ein wichtiger Bestandteil der Praxiswoche waren die Experten-Interviews. Beide Gruppen führten jeweils fünf Gespräche, um Einblicke aus erster Hand zu erhalten und ihre Konzepte auf einer fundierten Grundlage aufzubauen.
Diese Interviews waren für viele Studierende besonders wertvoll. Sie boten die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen und reale Herausforderungen der Zielgruppen zu erkennen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Praxis oft komplexer ist, als es Modelle vermuten lassen. „Sehen, welche Herausforderungen in der Praxis auftreten, die wir in der Theorie nicht gesehen haben.“ – dieser Lerneffekt zog sich durch viele der Gespräche. Der Austausch mit den Interviewpartnerinnen und -partnern war offen und konstruktiv. Die Studierenden hatten den Anspruch, echten Mehrwert zu liefern – dies war ein Ziel, das von den Teilnehmenden offen genannt wurde.
Abschlusspräsentation und Transfer der Inhalte
Am 5. Februar präsentierten beide Gruppen ihre Ergebnisse im Rahmen einer offenen Veranstaltung an unserem Campus. Kolleginnen und Kollegen waren eingeladen, die Konzepte der Studierenden kennenzulernen und Fragen zu stellen. Im Fokus standen konkrete Handlungsempfehlungen und erste konzeptionelle Ansätze. Die Studierenden erarbeiteten, wo sie Entwicklungspotenzial sehen und welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten. Dabei ging es nicht um theoretische Idealbilder, sondern um praxisnahe und umsetzbare Vorschläge.
Die Praxiswoche hat erneut gezeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen Hochschule und Unternehmen ist. Die Studierenden konnten ihr Wissen anwenden, neue Perspektiven einbringen und Impulse für ihre berufliche Praxis mitnehmen, so ein Teilnehmer. Auch die Kolleginnen und Kollegen der VIACTIV sowie die Personal- und Organisationsentwicklung profitierten von diesem frischen Blick von außen. Die neuen Fragen, andere Blickwinkel und wissenschaftliche Analysen sorgten für wichtige Impulse, die uns dabei helfen, die bestehenden Ansätze weiterzudenken oder neu zu entwickeln.