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Vapen bei Jugendlichen: Alles andere als harmlos

Group 11 4 min Lesezeit   |   07.09.2026

Bitte beachten Sie, dass sich die Aktualität der Inhalte immer auf das Veröffentlichungsdatum bezieht.

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Im Vergleich zu Tabakzigaretten gelten E-Zigaretten oft als weniger gesundheitsschädlich. Vor allem bei Jugendlichen sind sie beliebt. Was hinter dem Trend steckt, welche gesundheitlichen Risiken bestehen und wie Ausstiegshilfen aussehen können.

Immer mehr Jugendliche Vapen. Das zeigen aktuelle Daten aus der Drogenaffinitätsstudie 2025 zum Rauchverhalten junger Menschen. Bei männlichen Jugendlichen stieg der Anteil der Konsumierenden seit 2021 von 2,9 auf 6,7 Prozent und bei weiblichen Jugendlichen von 1,8 auf 7,8 Prozent.1 Die Tabak- und Nikotinlandschaft hat sich stark verändert: Neben der klassischen Zigarette gibt es heute zahlreiche Produkte wie E-Zigaretten, Snus, Pouches und Shisha. Während bei Erwachsenen die Tabakzigarette nach wie vor dominiert, steht bei Jugendlichen die E-Zigarette hoch im Kurs. Ein Haupttreiber sind Aromen – von Kirsche über Minze bis Marshmallow-Geschmack. „Die Aromen spielen eine große Rolle – sie sprechen besonders junge Menschen an. Sie lehnen den typischen Tabakgeschmack meist ab, aber Süßes wirkt reizvoll“, sagt die Präventionsforscherin Prof. Sabina Ulbricht von der Universität Greifswald, die sich im „Aktionsbündnis Nichtrauchen“ engagiert.

Sind E‑Zigaretten harmloser als Tabak?

Die häufig wiederholte Industrie-These von „95 Prozent weniger Schädlichkeit“ hält einer nüchternen Betrachtung nicht stand, meint Ulbricht. „Von 95 Prozent weniger Schädlichkeit kann keine Rede sein“, betont sie. „Studien zeigen, dass gesundheitliche Risiken für Krebs- und Lungenerkrankungen bestehen bleiben. Hinzu käme, dass die Langzeitwirkung der inhalierten Aromastoffe noch nicht untersucht sei. Und zu guter Letzt: In der Praxis wird häufig im sogenannten Dual Use konsumiert – also E-Zigarette zusätzlich zur Tabakzigarette.  Diese Kombination ist schädlicher als Tabak allein.

Was macht Nikotin im jugendlichen Gehirn?

Nikotin ist ein Nervengift. Besonders problematisch: Die Gehirnentwicklung ist erst mit circa Mitte 20 abgeschlossen. Regelmäßige Nikotinzufuhr kann Lern- und Belohnungssysteme beeinflussen und Abhängigkeit fördern. „Deshalb gilt in manchen Ländern auch ein Mindestalter von 21 Jahren für den Konsum von Nikotin. Hier brauchen wir keine weiteren Beweise – die Fakten sind eindeutig“, so Präventionsforscherin Ulbricht.

Passivdampf und Aromen: unterschätzte Risiken

Auch der vermeintlich harmlose „Passivdampf“ ist bei E-Zigaretten nicht frei von Belastungen. „Wir wissen, dass dort krebserregende Stoffe wie Nitrosamine enthalten sind – dieselben, die wir aus dem Tabakrauch kennen“, sagt Ulbricht. Zudem sind Aromastoffe – ob Kirsche, Vanille oder Menthol – zwar für den Verzehr in Lebensmitteln zugelassen, aber nicht zum Inhalieren. Über ihre Langzeitwirkung in der Lunge ist wenig bekannt. Einige Länder, etwa die Niederlande, haben Aromen in E‑Zigaretten – mit Ausnahme von Tabakaroma – daher konsequent untersagt.

Endlich rauchfrei: Was hilft wirklich?

Rauchen und Vapen sind Suchterkrankungen – der bloße Wille zum Aufhören reicht oft nicht aus. Wirksam sind evidenzbasierte Methoden: eine Nikotinersatztherapie, digitale Programme und Apps mit nachgewiesener Effektivität, verhaltenstherapeutische Unterstützung und bei einer schweren Nikotinabhängigkeit auch medikamentöse Optionen wie die Wirkstoffe Vareniclin, Bupropion und Cytisin.

Bei der Nikotinersatztherapie kommen Pflaster, Kaugummis, Lutschtabletten, Inhalatoren oder Sprays zum Einsatz. Sie liefern reines Nikotin ohne Tabak-Schadstoffe, lindern Entzugssymptome und werden schrittweise reduziert. Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, sollte verschiedene Unterstützungsangebote wahrnehmen. Als erfolgversprechend gilt zum Beispiel eine Kombination aus Verhaltenstherapie und Nikotinersatzmitteln oder Medikamenten.2 Umfangreiche Informationen zum Thema „Rauchstopp“ und Hilfsangebote gibt es zum Beispiel vom Deutschen Krebsforschungszentrum.3 Auch die VIACTIV unterstützt Sie bei der Rauchentwöhnung durch die Kostenübernahme zertifizierter Gesundheitskurse.4

Was Politik und Umfeld bewirken können

Was kann die Politik hierzulande tun, um Jugendliche und Erwachse vom Rauchen und Vapen abzuhalten? Für Expertin Ulbricht kommt es vor allem darauf an, den Zugang zu Nikotinprodukten zu erschweren und die Vermarktung zu reglementieren. Als Best-Practice-Beispiel aus dem Ausland nennt sie die Niederlande: Dort wurden Tabak- und Nikotinprodukte aus Supermärkten entfernt, bald werden sie auch in Tankstellen nicht mehr zu finden sein. Erhältlich sind sie künftig nur noch in lizenzierten Fachgeschäften. Auch die Preise für Tabak- und Nikotinprodukte sind im Nachbarland deutlich gestiegen. Einheitsverpackungen und ein Aromaverbot bremsen das Marketing. „Die Kombination aus weniger Verfügbarkeit, Verteuerung und Einschnitten in das Marketing wirkt“, so Ulbricht. Was zudem hilft: Eine gelebte Nichtraucherkultur – etwa keine Aschenbecher in Bars oder auf Terrassen. „Dies verändert soziale Normen und ist wichtig, da Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene sich daran orientieren, was als ‚normal‘ gilt“, sagt Ulbricht.

Fazit: Kein harmloser Trend

E-Zigaretten sind eine neue Form, Nikotin zu konsumieren – vermeintlich weniger schädlich, tatsächlich aber riskant und suchtfördernd. „Wir rechnen damit, dass Nikotinabhängigkeit durch diese Produkte weiter zunimmt“, sagt Ulbricht. Für Eltern, Schulen und Politik heißt das: aufmerksam bleiben, über Risiken aufklären und beim Ausstieg konsequent unterstützen.

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