Schlaganfall-Symptome frühzeitig erkennen: So funktioniert der FAST-Test im Notfall
Ein Schlaganfall kommt nicht immer plötzlich, aber meist unerwartet. Oft sind die Symptome erst mal unscheinbar: leichter Schwindel, Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen, Sprachprobleme oder kurze Orientierungslosigkeit. Die meisten erkennen die Gefahr deshalb nicht sofort. Doch gilt bei einem Schlaganfall: Jede Minute zählt.
Denn auch ein Jahr nach dem Ereignis bleiben laut Informationen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe 64 Prozent hilfe- und pflegebedürftig. Rund 270.000 Menschen in Deutschland erleiden den Angaben zufolge jährlich einen Schlaganfall.
Je schneller medizinische Hilfe erfolgt, desto größer sind die Chancen, bleibende Schäden zu vermeiden.
Doch egal, wie schwach oder ausgeprägt die Symptome sind: Es sollte schon beim geringsten Verdacht auf einen Schlaganfall gehandelt werden. Denn je eher Patientinnen und Patienten Erste Hilfe und eine maßgeschneiderte Behandlung bekommen, umso größer ist ihre Chance, ohne bleibende Schäden geheilt zu werden.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn. Dadurch werden Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Medizin unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Formen:
- Hirninfarkt: Ein Blutgerinnsel verschließt ein Gefäß im Gehirn. Diese Form macht rund 80 Prozent aller Schlaganfälle aus.
- Hirnblutung: Ein Blutgefäß im Gehirn reißt und verursacht eine Blutung.
In beiden Fällen gilt: Je länger die Versorgung des Gehirns unterbrochen ist, desto mehr Nervenzellen sterben unwiederbringlich ab.
Welche Symptome treten bei einem Schlaganfall auf?
Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Typische Anzeichen sind:
- Plötzlich auftretende Sprach- oder Verständnisstörungen
- Lähmungen oder Taubheitsgefühle auf einer Körperseite
- Hängender Mundwinkel
- Schwindel und Gangunsicherheit
- Plötzlich eingeschränktes Sehen oder Doppelbilder
- Sehr starke Kopfschmerzen
- Orientierungslosigkeit oder Verwirrtheit
Auch leichte Beschwerden sollten ernst genommen werden – selbst, wenn sie nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Denn hinter den Symptomen kann bereits ein Schlaganfall oder eine sogenannte transitorische ischämische Attacke (TIA), also ein „Mini-Schlaganfall“, stecken.
Das hat Konsequenzen für den gesamten Körper. Schon einfachste Aufgaben des alltäglichen Lebens wie Treppensteigen oder der Toilettengang können nicht allein bewältigt werden, so die Angaben der Schlaganfall-Hilfe. Wird beim Schlaganfall das Sprachzentrum beschädigt, falle Betroffenen sowohl das Sprechen als auch das Verstehen schwer. „In der Akutphase ist etwa die Hälfte aller Schlaganfall-Patienten von einer Schluckstörung betroffen, anschließend immer noch ein Viertel.“
Es sind wohl die nach außen hin sichtbarsten Einschränkungen infolge eines Schlaganfalls, doch warnen die Expertinnen und Experten auch vor neurophysiologischen Störungen. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe weist darauf hin, dass der Schlaganfall immerhin eine Verletzung des Gehirns sei. Dies könne zu Aufmerksamkeitsstörungen sowie vermindertem Denkvermögen führen. Beides ist bei der Verarbeitung von Informationen und Eindrücken elementar, ob im Beruf oder Alltag.
Aber auch seelische und psychische Folgen, die – bei einer schweren Krankheit ohnehin – auftreten können, belasten zusätzlich. Zum einen durch die Hirnverletzung an sich, „die direkte Auswirkungen auf die Gefühlswelt haben kann“. Und zum anderen, so die Fachleute weiter, sei eine derartige Erkrankung ein Einschnitt in das Leben, was Depressionen oder andere Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen nach sich ziehen kann. Die Folgen eines Schlaganfalls sind daher auch für Angehörige eine Belastung.
FAST-Test: Schlaganfall schnell erkennen
Der FAST-Test ist eine einfache Methode, mit der auch medizinische Laien typische Schlaganfall-Anzeichen überprüfen und erkennen können. Die Abkürzung FAST steht für:
- F = Face (Gesicht)
- A = Arms (Arme)
- S = Speech (Sprache)
- T = Time (Zeit)
Der Test dauert nur wenige Sekunden und kann im Ernstfall Leben retten.
Face: Gesicht überprüfen
Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln.
Hängt ein Mundwinkel herab oder wirkt das Gesicht einseitig gelähmt, kann dies auf einen Schlaganfall hinweisen.
Arms: Arme testen
Die Person soll beide Arme nach vorne strecken und die Handflächen nach oben drehen.
Sinkt ein Arm ab oder gelingt die Bewegung nicht richtig, deutet das möglicherweise auf eine Lähmung hin.
Speech: Sprache kontrollieren
Bitten Sie die betroffene Person, einen einfachen Satz nachzusprechen.
Klingt die Sprache verwaschen oder kann der Satz nicht korrekt wiederholt werden, liegt möglicherweise eine Sprachstörung vor.
Time: Sofort handeln
Bei einem oder mehreren Symptomen sollte unverzüglich der Notruf 112 gewählt werden. Beschreiben Sie die Symptome möglichst genau. Betroffene werden anschließend in einer spezialisierten Stroke-Unit untersucht und behandelt.
Warum schnelles Handeln bei einem Schlaganfall so wichtig ist
Bei einem Schlaganfall sterben pro Minute Millionen Nervenzellen ab. Deshalb verbessert eine schnelle Behandlung die Chancen, schwere Folgen zu vermeiden. Erfolgt die Therapie rechtzeitig, können Ärztinnen und Ärzte beispielsweise Blutgerinnsel auflösen oder verschlossene Gefäße wieder öffnen.
Bleibt ein Schlaganfall unbehandelt, drohen dauerhafte Einschränkungen wie Lähmungen, Sprach- und Schluckstörungen, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme oder Sehstörungen. Zusätzlich besteht die Gefahr einer psychischen Belastung oder Depression.
Der Schlaganfall zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland.
Schlaganfall-Risiko: Wer ist besonders gefährdet?
Ja, der Schlaganfall tritt in der Regel eher im Alter auf, doch sei er keine reine „Alterskrankheit“, wie die Expertinnen und Experten betonen. Leider gibt es nur Schätzungen, wie stark der Schlaganfall auch bei jüngeren Menschen auftritt. Demnach würden im Jahr etwa 9.000 bis 14.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 50 einen Schlaganfall erleiden. Zudem haben mindestens 300 Kinder den Angaben zufolge jährlich einen Schlaganfall. Auch Neugeborene und sogar Ungeborene im Mutterleib seien betroffen. Die Diagnose sei oft schwierig, da die Symptome nicht denen im höheren Alter entsprechen.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Erhöhte Blutfettwerte
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Starkes Übergewicht
- Hoher Alkoholkonsum
- Herzrhythmusstörungen
Ein gesunder Lebensstil kann helfen, das persönliche Schlaganfall-Risiko deutlich zu senken.
Schlaganfall vorbeugen und Symptome ernst nehmen
Wer Symptome früh erkennt und schnell handelt, kann Leben retten und schwere Folgeschäden verhindern. Der FAST-Test bietet eine einfache Möglichkeit, typische Anzeichen eines Schlaganfalls innerhalb weniger Sekunden zu überprüfen.
Wichtig ist: Lieber einmal zu viel den Notruf wählen als einmal zu wenig. Denn bei einem Schlaganfall entscheidet Zeit über die Heilungschancen.