Sind die Deutschen impfmüde? Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Verbands Pharma Deutschland zeigt, dass bei den 18- bis 29-Jährigen die Impfbereitschaft innerhalb eines Jahres um fast zehn Prozent zurückgegangen ist.1 Eine Beurteilung der allgemeinen Impfsituation in Deutschland muss anhand von Teilstichproben oder Querschnittsuntersuchungen erfolgen. Denn hierzulande gibt es kein einheitliches umfassendes System zur Erhebung von Impfdaten.2
Überblick: Impfquoten in Deutschland
Die aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI)3 zeigen je nach Altersgruppen folgendes Bild:
- Die Impfquoten bei Kleinkindern sind insgesamt hoch, aber in vielen Fällen werden Impfserien zu spät oder gar nicht abgeschlossen.
- Bei Jugendlichen konnte die HPV-Impfquote (HPV steht für humane Papillomviren, eine Impfung schützt u. a. vor Gebärmutterhalskrebs und andere HPV-bedingte Krebsarten) in den vergangenen Jahren gesteigert werden, sie stagnieren nun auf mittlerem Niveau.
- Die Impfungen für Erwachsene ab 60 Jahren werden, so der Bericht, „überwiegend nicht in Anspruch genommen“.
Der Impfquotenmonitoring-Bericht des RKI kommt insgesamt zu der Einschätzung, dass die „Menschen in Deutschland in allen Altersgruppen unzureichend geschützt sind“.
Warum Impfen so wichtig ist
Dabei steht außer Frage: Impfen ist wichtig – und schützt nicht nur die eigene Gesundheit. Wenn viele Menschen gegen eine bestimmte Infektionskrankheit geschützt sind, zirkuliert der Erreger weniger – Ansteckungen gehen zurück. So profitieren auch diejenigen, die selbst keinen Impfschutz haben. Dieser Effekt wird auch als Herdenimmunität bezeichnet. Impfungen tragen damit nicht nur zum individuellen Schutz bei, sondern senken insgesamt das Risiko von Erkrankungen und Weitergabe. Durch hohe Impfquoten lassen sich Erreger so stark eindämmen, dass sie regional oder weltweit verschwinden können. Ein historisches Beispiel sind die ausgerotteten Pocken. Auch Polio ist in Europa nahezu eliminiert, zirkuliert aber in einigen Regionen der Welt weiterhin. Deshalb bleibt die Schutzimpfung hierzulande empfohlen, um eine erneute Einschleppung zu verhindern.4
Warum die Impfbereitschaft dennoch zurückgeht
Für den Hausarzt Jörg Schelling, der auch Beauftragter für Forschung und Lehre im Vorstand des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes ist, hat die zurückgehende Impfbereitschaft vor allem damit zu tun, dass viele Infektionskrankheiten heutzutage in Deutschland kaum mehr präsent sind. „Das persönliche Erleben, etwa im Freundes- oder Bekanntenkreis, spielt eine große Rolle – aber das ist für viele Krankheiten wie beispielsweise Diphterie verschwunden, weil diese kaum mehr auftreten. Wenn man von realen Fällen hört, werden Krankheiten greifbarer und die Impfbereitschaft steigt.“ Umso wichtiger sei deshalb die Aufklärung – gegen was man impft und warum.
Wie die Impfquoten gesteigert werden könnten
Für Hausarzt Schelling bedeutet dies allen voran, auch Sorgen und Bedenken von Patientinnen und Patienten ernst zu nehmen. Er fordert: „Bei Unentschlossenen gilt: Ängste empathisch annehmen, authentisch auftreten und die Last der Entscheidung gemeinsam tragen.“ In digitalen Lösungen sieht er ebenfalls einen wichtigen Hebel, um die Impfquoten zu steigern. „Um jüngere Menschen zu erreichen, braucht es digitale Lösungen: Informationsquellen, vor allem aber eine funktionierende Impf-App oder einen Impfpass mit individuellen Erinnerungen.“
Wer sich vorab über Impfungen informieren möchte und Fragen dazu hat, findet zum Beispiel auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts verlässliche Informationen. Dort ist auch der aktuelle Impfkalender einsehbar, der die empfohlenen Standardimpfungen für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene enthält. Auch die VIACTIV Krankenkasse hat für Sie umfangreiche Informationen rund um das Thema „Impfungen“ zusammengestellt – diese sind unter Impfen mit der VIACTIV Krankenkasse abrufbar.