Warum ist die VIACTIV gegen Fusionen?
Sind wir nicht.
Wir sind selbst aus zahlreichen Betriebskrankenkassen großer deutscher Unternehmen entstanden. Fusionen können sinnvoll sein. Aber nur dann, wenn sie wirtschaftlich überzeugen, strategisch passen und aus eigener Entscheidung entstehen. Was nicht funktioniert: Fusionen per politischem Dekret nach dem Motto „Weniger Kassen = automatisch besser.“
Eine Zwangsheirat wird schließlich auch nicht dadurch romantisch, dass das Ministerium den Sitzplan schreibt. Wir als Die VIACTIV wissen, wie Fusion geht. Unsere Stärke entstand nicht durch staatlichen Druck, sondern durch gemeinsame Ziele, regionale Verwurzelung und den Willen, Versorgung besser zu machen. Genau deshalb sagen wir klar:
Fusionen dürfen kein politisches Sparsymbol sein. Denn Größe allein verbessert weder Versorgung noch Service noch Finanzstabilität. Gesundheit braucht starke Kassen.
Sind Verwaltungskosten nicht trotzdem zu hoch?
Verwaltung bedeutet bei Krankenkassen vor allem Service für Versicherte. Rund 70 Prozent der Verwaltungskosten entstehen durch Beratung, Betreuung und Unterstützung der Versicherten. Dazu gehören beispielsweise:
- Hilfe bei Anträgen
- Beratung im Krankheitsfall
- Unterstützung bei Pflegefragen
- Präventionsangebote
- Leistungsentscheidungen
Wer Verwaltungskosten pauschal reduzieren möchte, reduziert häufig genau die Leistungen, die Versicherte unmittelbar erleben.
Zeigt das Beispiel Österreich, dass eine Einheitskasse funktioniert?
Die Erfahrungen aus Österreich werden in Deutschland häufig als Argument für eine stärkere Zentralisierung der gesetzlichen Krankenversicherung angeführt. 2019 wurden mehrere Krankenkassen zur Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) zusammengeführt. Die Reform wurde unter anderem mit dem Ziel begründet, Verwaltungskosten zu senken und Effizienzgewinne zu erzielen. Die bisherige Bilanz fällt jedoch gemischt aus. Statt unmittelbar sinkender Verwaltungskosten stieg der Netto-Verwaltungsaufwand der ÖGK zwischen 2020 und 2024 von 317,3 Millionen Euro auf 441,1 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg von 39 Prozent. Damit verzeichnete die ÖGK den stärksten Anstieg unter den österreichischen Krankenversicherungsträgern. Unabhängig von der Bewertung zeigt das Beispiel Österreich vor allem eines: Die Zusammenlegung von Krankenkassen garantiert weder automatisch niedrigere Verwaltungskosten noch eine nachhaltige finanzielle Entlastung des Gesundheitssystems.
Wer in Deutschland eine Reduzierung der Krankenkassen fordert, sollte daher belastbare Nachweise vorlegen, dass dadurch tatsächlich Kosten gesenkt und die Versorgung verbessert werden. Ein solcher Nachweis liegt bislang nicht vor.