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Gesundheit braucht starke Kassen - keine Zwangsfusionen

In der Politik wird diskutiert, die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen stark zu reduzieren. Das klingt nach Vereinfachung: weniger Büro­kratie, weniger Kosten, mehr Effizienz. Für rund 74 Millionen Versicherte, für Betriebe und Regionen kann jedoch das Gegenteil ein­treten – ein anonymeres System, weiter weg von den Menschen.

Das Problem: Die Rechnung geht nicht auf

Zwangsfusionen verändern weder den Ver­waltungsaufwand noch die Zahl der Krank­heitsfälle, die gesetzlichen Aufgaben oder die Komplexität des Gesundheitswesens. Deutschland braucht keine verordneten Kassen-Fusionen. Es braucht gesunde Nähe.

Die Diskussion über die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen wird aktuell intensiv geführt. Oft entsteht dabei der Eindruck, weniger Krankenkassen würden automatisch zu geringeren Kosten und niedrigeren Beiträgen führen. Die Fakten zeigen jedoch ein anderes Bild. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen.

Die wichtigsten Fragen

Wettbewerb schützt Versicherte. Denn nur dort, wo Menschen die Wahl haben, entsteht der Anreiz, Service zu verbessern, Innovationen voranzutreiben und die Versorgung weiterzuentwickeln. Wer Wettbewerb abschafft, muss erklären, wodurch dieser Anreiz künftig ersetzt werden soll.

Versicherte können heute selbst entscheiden, welche Krankenkasse am besten zu ihrer Lebenssituation passt. Dabei spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle: persönliche Beratung, digitale Angebote, Zusatzleistungen, regionale Gesundheitsprogramme oder besondere Versorgungsangebote.

Wettbewerb schafft Anreize, besser zu werden. Krankenkassen entwickeln neue digitale Services, investieren in Prävention, erproben innovative Versorgungsmodelle und verbessern ihre Erreichbarkeit, weil Versicherte die Möglichkeit haben, sich für eine andere Kasse zu entscheiden.

Von dieser Dynamik profitieren nicht die Krankenkassen, sondern die Versicherten. Eine starke Reduzierung der Zahl der Krankenkassen würde diese Vielfalt einschränken. Weniger Wettbewerb bedeutet weniger Auswahl und weniger Anreize, neue Lösungen für die Herausforderungen im Gesundheitswesen zu entwickeln.

Gerade in einem Gesundheitswesen, das vor großen Aufgaben wie dem demografischen Wandel, Fachkräftemangel und steigenden Kosten steht, braucht es unterschiedliche Ideen, regionale Lösungen und die Möglichkeit, erfolgreiche Konzepte im Wettbewerb weiterzuentwickeln.

Vielfalt ist deshalb kein Problem des Systems. Sie ist ein wichtiger Teil seiner Leistungsfähigkeit.

Wettbewerb sorgt dafür, dass Krankenkassen um die beste Lösung für ihre Versicherten ringen.

Davon profitieren Versicherte durch:

  • bessere Serviceangebote
  • innovative Versorgungsprogramme
  • digitale Leistungen
  • regionale Gesundheitsangebote
  • hohe Erreichbarkeit und persönliche Beratung

Weniger Wettbewerb bedeutet weniger Anreize, neue Lösungen für Versicherte zu entwickeln.

Der größte Teil der Ausgaben entsteht durch medizinische Leistungen wie Krankenhausbehandlungen, Arzneimittel, ärztliche Versorgung oder Pflege.

Wer die Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung lösen möchte, muss daher vor allem über die Kosten der Versorgung sprechen – nicht über die Anzahl der Krankenkassen.

Die gesetzlichen Krankenkassen geben im Jahr 2025 rund 352 Milliarden Euro aus. Davon entfallen lediglich rund 13 Milliarden Euro auf Verwaltungskosten. Das entspricht weniger als vier Prozent der Gesamtausgaben.

Vor allem Wahlfreiheit.

Versicherte können heute die Krankenkasse wählen, die am besten zu ihrer Lebenssituation passt.

Mit einer weiteren Zentralisierung würden zudem regionale Strukturen und gewachsene Netzwerke verloren gehen. Gerade in Gesundheitsfragen wünschen sich viele Menschen persönliche Ansprechpartner und eine Krankenkasse, die ihre Region kennt.

Nähe ist kein Luxus. Sie ist ein Qualitätsmerkmal.

Wer die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung nachhaltig stabilisieren möchte, sollte dort ansetzen, wo die größten finanziellen Effekte entstehen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • eine kostendeckende Finanzierung der Krankenversicherungsbeiträge für Bürgergeldbeziehende durch den Bund,
  • die verlässliche Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuermitteln,
  • die Senkung der Mehrwertsteuer auf verschreibungspflichtige Arzneimittel,
  • Strukturreformen in der medizinischen Versorgung.

Diese Maßnahmen würden die gesetzlichen Krankenkassen unmittelbar entlasten, ohne Wahlfreiheit, Wettbewerb und Versorgungsqualität einzuschränken.

Nein. Seit den 1990er Jahren hat sich die Zahl der Krankenkassen bereits massiv reduziert. Mehr als 1.100 Krankenkassen sind fusioniert oder vom Markt verschwunden. Wäre die Annahme richtig, dass weniger Krankenkassen automatisch zu geringeren Kosten führen, müsste dieser Effekt längst sichtbar sein.

Die Realität zeigt jedoch: Trotz eines starken Rückgangs der Kassenzahl steigen die Gesundheitsausgaben weiter an.

Die Gleichung „weniger Kassen = weniger Kosten“ lässt sich durch die bisherigen Erfahrungen nicht belegen.

Fusionen verursachen zunächst erhebliche Kosten.

IT-Systeme müssen zusammengeführt, Prozesse angepasst, Verträge harmonisiert und Organisationen neu aufgebaut werden. Solche Umstellungen dauern häufig mehrere Jahre und binden erhebliche Ressourcen.

Die Arbeit selbst verschwindet dabei nicht. Auch nach einer Fusion benötigen Millionen Versicherte Beratung, Leistungsentscheidungen, Präventionsangebote und Unterstützung im Krankheitsfall.

Die Aufgaben bleiben bestehen – lediglich die Organisation wird größer.

Warum ist die VIACTIV gegen Fusionen?

Sind wir nicht.

Wir sind selbst aus zahlreichen Betriebskrankenkassen großer deutscher Unternehmen entstanden. Fusionen können sinnvoll sein. Aber nur dann, wenn sie wirtschaftlich überzeugen, strategisch passen und aus eigener Entscheidung entstehen. Was nicht funktioniert: Fusionen per politischem Dekret nach dem Motto „Weniger Kassen = automatisch besser.“

Eine Zwangsheirat wird schließlich auch nicht dadurch romantisch, dass das Ministerium den Sitzplan schreibt. Wir als Die VIACTIV wissen, wie Fusion geht. Unsere Stärke entstand nicht durch staatlichen Druck, sondern durch gemeinsame Ziele, regionale Verwurzelung und den Willen, Versorgung besser zu machen. Genau deshalb sagen wir klar:

Fusionen dürfen kein politisches Sparsymbol sein. Denn Größe allein verbessert weder Versorgung noch Service noch Finanzstabilität. Gesundheit braucht starke Kassen.

Sind Verwaltungskosten nicht trotzdem zu hoch?

Verwaltung bedeutet bei Krankenkassen vor allem Service für Versicherte. Rund 70 Prozent der Verwaltungskosten entstehen durch Beratung, Betreuung und Unterstützung der Versicherten. Dazu gehören beispielsweise:

  • Hilfe bei Anträgen
  • Beratung im Krankheitsfall
  • Unterstützung bei Pflegefragen
  • Präventionsangebote
  • Leistungsentscheidungen

Wer Verwaltungskosten pauschal reduzieren möchte, reduziert häufig genau die Leistungen, die Versicherte unmittelbar erleben.

Zeigt das Beispiel Österreich, dass eine Einheitskasse funktioniert?

Die Erfahrungen aus Österreich werden in Deutschland häufig als Argument für eine stärkere Zentralisierung der gesetzlichen Krankenversicherung angeführt. 2019 wurden mehrere Krankenkassen zur Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) zusammengeführt. Die Reform wurde unter anderem mit dem Ziel begründet, Verwaltungskosten zu senken und Effizienzgewinne zu erzielen. Die bisherige Bilanz fällt jedoch gemischt aus. Statt unmittelbar sinkender Verwaltungskosten stieg der Netto-Verwaltungsaufwand der ÖGK zwischen 2020 und 2024 von 317,3 Millionen Euro auf 441,1 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg von 39 Prozent. Damit verzeichnete die ÖGK den stärksten Anstieg unter den österreichischen Krankenversicherungsträgern. Unabhängig von der Bewertung zeigt das Beispiel Österreich vor allem eines: Die Zusammenlegung von Krankenkassen garantiert weder automatisch niedrigere Verwaltungskosten noch eine nachhaltige finanzielle Entlastung des Gesundheitssystems.

Wer in Deutschland eine Reduzierung der Krankenkassen fordert, sollte daher belastbare Nachweise vorlegen, dass dadurch tatsächlich Kosten gesenkt und die Versorgung verbessert werden. Ein solcher Nachweis liegt bislang nicht vor.

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