Wer verhüten will, hat eine ganze Reihe von Verhütungsmethoden zur Auswahl – aber keine ist perfekt. Welche sich eignet, hängt auch von der individuellen Lebenssituation ab – zum Beispiel davon, ob man in einer festen Partnerschaft lebt, wie häufig man Sex hat, ob man sich auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen möchte und ob man sich irgendwann noch Kinder wünscht. Auch die eigenen Vorlieben und die des Sexualpartners oder der -partnerin sowie Wünsche und Erwartungen an ein Verhütungsmittel spielen eine wichtige Rolle.
Manche Menschen bevorzugen Methoden, die sie nur bei Bedarf nutzen, wie Kondome. Andere ziehen eine langfristige Lösung vor und möchten nicht vor jedem Geschlechtsverkehr an Verhütung denken – dann kommen zum Beispiel Spiralen infrage. Für viele Frauen spielt es eine Rolle, ob sie für die Verhütung Hormone nehmen müssen oder nicht.
Welche Verhütungsmethode die passende ist, kann sich im Laufe des Lebens immer wieder ändern. Bei Bedarf kann man sich kostenfrei und auf Wunsch anonym an eine Beratungsstelle für Verhütung, Familienplanung und Schwangerschaft wenden. Auch Ärztinnen und Ärzte beraten zu Verhütungsmethoden, vor allem in gynäkologischen Praxen. Die Beratung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Es gibt folgende Möglichkeiten:
Um anzugeben, wie sicher eine Verhütungsmethode vor einer Schwangerschaft schützt, wird oft eine Prozentzahl verwendet. Diese gibt an, wie viele von 100 Frauen, die eine bestimmte Verhütungsmethode anwenden, innerhalb eines Jahres trotzdem schwanger werden. Viele kennen dies unter der Bezeichnung „Pearl-Index“. Da der Pearl-Index aber beispielsweise keine Einnahmefehler berücksichtigt, wird er von Fachleuten eher nicht mehr zur Berechnung der Verhütungssicherheit verwendet.
Unterschieden wird bei neueren Berechnungen meistens zwischen einer „perfekten Anwendung“ und einer „typischen Anwendung“, auch „Alltagsanwendung“ genannt:
Die Sterilisation und Spiralen verhüten sehr sicher. Hat die Ärztin oder der Arzt die Spirale einmal korrekt eingesetzt, kann man nichts vergessen und auch keinen Anwendungsfehler machen. Das gilt auch für das Verhütungsstäbchen.
Andere hormonelle Verhütungsmittel gelten ebenfalls als sehr sicher – jedoch nur, wenn sie immer richtig und konsequent angewendet werden. Werden zum Beispiel eine oder mehrere Pillen vergessen, ist die Verhütung nicht mehr so sicher.
Etwas weniger sicher sind die Barriere-Methoden. Ihre Verlässlichkeit hängt sehr davon ab, ob man sie richtig und konsequent anwendet.
Die natürliche Familienplanung ist nur dann recht sicher, wenn mehrere Körpersignale beobachtet und die Anwendungsregeln sehr genau eingehalten werden.
Es können auch mehrere Verhütungsmittel kombiniert werden – zum Beispiel Kondom und Pille oder Kondom und natürliche Familienplanung.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Verhütungssicherheit gängiger Methoden. Dabei ist aber zu beachten, dass es schwer ist, das Verhütungsverhalten und die Anwendung von Verhütungsmitteln in Studien zu erforschen. Die Zahlen schwanken von Studie zu Studie zum Teil deutlich. Die folgende Tabelle bietet deshalb nur eine grobe Orientierung.
| Ungewollte Schwangerschaften im ersten Jahr pro 100 Frauen (%) | ||
|---|---|---|
| Perfekte Anwendung | Typische Anwendung | |
| Zum Vergleich: keine Verhütung | 85 | 85 |
| Hormonelle Methoden | ||
| Pille, Minipille, Verhütungsring, Verhütungspflaster | 0,3 | 3 – 9 |
| Verhütungsstäbchen | 0,1 | 0,1 |
| Dreimonatsspritze | 0,2 | 4 |
| Barriere-Methoden | ||
| Kondom | 2 | 13 |
| Frauenkondom | 5 | 21 |
| Diaphragma | 4 – 14 | 12 – 18 |
| Spiralen | ||
| Kupferspirale, Kupferkette | 0,6 | 0,8 |
| Kupferball | unklar | unklar |
| Hormonspirale | 0,1 | 0,2 |
| Sterilisation | ||
| Sterilisation Frau | 0,5 | 0,5 |
| Sterilisation Mann | 0,1 | 0,1 |
| Natürliche Familienplanung | ||
| Symptothermale Methode | 0,4 | 2 |
| Zervixschleim-Beobachtung | 3 | 23 |
| Kalender-Methode | 5 | 12 |
| Temperatur-Messung | unklar (gilt aber als unsicher) | unklar (gilt aber als unsicher) |
| Sonstiges | ||
| Coitus interruptus | unklar (gilt aber als unsicher) | 20 |
Für hormonelle Verhütungsmittel ist ein Rezept nötig, das man nach einer ärztlichen Beratung erhält. Damit kann man die Pille, die Minipille, den Verhütungsring und das Verhütungspflaster in der Apotheke kaufen oder online bestellen. Das Verhütungsstäbchen kann nur von einer Ärztin oder einem Arzt eingesetzt werden und wird in der Regel über die Praxis bestellt. Das gilt auch für alle Spiralen, die ebenfalls rezeptpflichtig sind – ob mit oder ohne Hormone.
Kondome und Diaphragmen sind rezeptfrei erhältlich, zum Beispiel in Drogeriemärkten, Apotheken oder im Internet. Beim Diaphragma ist es allerdings sinnvoll, es in einer Beratungsstelle oder Arztpraxis anpassen und sich beim korrekten Einsetzen anleiten zu lassen. Denn die richtige Größe und der richtige Sitz sind wichtig für die Verhütungssicherheit.
Verhütungsmittel müssen in der Regel selbst bezahlt werden. Für junge Frauen bis zum 22. Geburtstag tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für rezeptpflichtige Verhütungsmittel. Dazu gehören die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel sowie manchmal auch Spiralen.
In einigen Städten und Gemeinden werden auch für Empfängerinnen von Sozialhilfe oder Bürgergeld die Kosten für rezeptpflichtige Verhütungsmittel übernommen. Am besten fragt man im Jobcenter, Gesundheitsamt oder einer Beratungsstelle nach.
Die Kosten für Verhütungsmittel hängen von der Methode, der Packungsgröße oder der Arztpraxis (bei Eingriffen) ab. Manchmal fallen einmalig höhere Kosten an, zum Beispiel für die Sterilisation oder das Einsetzen einer Spirale. Bei anderen Methoden hat man regelmäßige Ausgaben, zum Beispiel für die Pille. Die Kosten für Kondome wiederum fallen nur an, wenn man Sex hat und deshalb ein Kondom gebraucht wird.
So teuer sind Verhütungsmittel ungefähr:
| Verhütungsmethode | Kosten |
|---|---|
| Pille (Kombi-Pille) | etwa 20 Euro pro Monat |
| Minipille | 7 bis 25 Euro pro Monat |
| Verhütungsring | etwa 12 Euro pro Monat |
| Verhütungspflaster | etwa 13 Euro pro Monat |
| Verhütungsstäbchen (Hormonimplantat) | einmalig etwa 300 – 450 Euro (für 3 Jahre) plus etwa 40 Euro für das Entfernen des Stäbchens |
| Dreimonatsspritze | 30 bis 45 Euro pro Spritze |
| Hormonspirale | einmalig etwa 400 Euro (je nach Modell für 3 bis 8 Jahre) plus jeweils 20 bis 40 Euro für 1 bis 2 Kontrollen im Jahr |
| Kupferspirale | einmalig 120 bis 300 Euro (je nach Modell für 3 bis 10 Jahre) plus jeweils 20 bis 40 Euro für 1 bis 2 Kontrollen im Jahr |
| Kupferkette | einmalig 250 bis 300 Euro (für bis zu 10 Jahre) plus jeweils 20 bis 40 Euro für 1 bis 2 Kontrollen im Jahr |
| Kupferball | einmalig 300 bis 500 Euro (für bis zu 5 Jahre) plus jeweils 20 bis 40 Euro für 1 bis 2 Kontrollen im Jahr |
| Kondom | pro Stück ab 0,20 Euro latexfreie Kondome ab 1 Euro |
| Frauenkondom | pro Stück ab 2,30 Euro |
| Diaphragma | pro Stück 40 bis 60 Euro (kann mindestens 2 Jahre verwendet werden) plus Verhütungsgel (10 Euro) |
| Sterilisation Mann | einmalig 400 bis 750 Euro |
| Sterilisation Frau | einmalig 600 bis 1000 Euro |
| Natürliche Familienplanung | einmalige Kosten für ein Thermometer (5 bis 20 Euro), zusätzlich eventuell Kosten für Schulungsmaterialien und Beratung |
Manchmal misslingt die Verhütung oder wird sehr unsicher – etwa, weil ein Kondom platzt oder die Pille vergessen wurde. Möchte man nachträglich noch verhüten, gibt es zwei Möglichkeiten: die „Pille danach“ oder die „Spirale danach“. Dies wird als Notfallverhütung bezeichnet.
Die „Pille danach“ ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Die Apotheken beraten auch dazu, ob die Einnahme der „Pille danach“ sinnvoll ist und was zu beachten ist. Bis zum 22. Geburtstag tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, sofern die Frau ein ärztliches Rezept hat. Unabhängig vom Alter werden die Kosten immer dann übernommen, wenn ein Hinweis auf einen sexuellen Missbrauch oder eine Vergewaltigung besteht. Auch dann ist ein Rezept nötig. Ansonsten kostet die „Pille danach“ je nach Präparat zwischen 15 und 30 Euro.
Die „Pille danach“ enthält Hormone, die den Eisprung verzögern. Dadurch können die Spermien die Eizelle nicht mehr befruchten. Die „Pille danach“ wird einmalig eingenommen, am besten spätestens 12 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Die Einnahme kann aber bis zu fünf Tage nach dem Sex sinnvoll sein, weil die Spermien so lange fruchtbar sein können.
Die „Pille danach“ kann nur dann wirken, wenn sie rechtzeitig vor dem Eisprung eingenommen wird. Deshalb verhindert sie nicht jede Schwangerschaft. Es ist also sinnvoll, einen Schwangerschaftstest zu machen, sollte sich die Monatsblutung nicht wie gewohnt einstellen.
Die „Spirale danach“ ist eine gewöhnliche Kupferspirale, die eine Ärztin oder ein Arzt in die Gebärmutter einsetzt. Die Spirale verhindert, dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet. Sie kann bis zu fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden – oder bis zu fünf Tage nach dem vermuteten Eisprung. Sie ist sicherer als die „Pille danach“. Die Kupferspirale kann mehrere Jahre in der Gebärmutter verbleiben. Sie lohnt sich vor allem dann, wenn anschließend dauerhaft mit ihr verhütet wird.
Die gynäkologische Praxis ist eine wichtige Anlaufstelle bei Fragen zur Verhütung. Männer können sich beispielsweise in einer urologischen Praxis beraten lassen. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden.
Bei Fragen rund um Sexualität und Verhütung kann man sich auch an Beratungsstellen wenden, die zu Verhütung, Familienplanung und Schwangerschaft beraten.
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Erstellt am 19.02.2025
Nächste geplante Aktualisierung: 2028




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