Viele Menschen kennen das: Beim Aufschrauben einer Flasche oder beim Schreiben mit der Hand schmerzt der Ellenbogen. Manchmal wird sogar das Heben einer Kaffeetasse oder ein kräftiges Zugreifen zum Problem. Oft steckt ein sogenannter Tennisarm (Tennisellenbogen) oder Golferarm (Golferellenbogen) dahinter. Sie sind meist die Folge einseitiger oder starker Belastungen – etwa bei Sportarten wie Tennis, bei handwerklichen Tätigkeiten oder beim Arbeiten am Computer.
Ein Golfer- oder Tennisarm wird in erster Linie mit Dehn- und Kräftigungsübungen behandelt. Oft dauert es aber einige Monate, bis die Beschwerden verschwinden – es braucht also etwas Geduld. Sinnvoll ist es, zunächst möglichst die Tätigkeiten zu vermeiden, die die Schmerzen hervorrufen.
Tennisarm und Golferarm sind gut zu unterscheiden: Bei einem Tennisarm schmerzt die Außenseite des Ellenbogens, bei einem Golferarm die Innenseite.
Gemeinsam haben sie: Die Schmerzen treten meist bei Bewegung oder Berührung auf. Sie können bis in den Ober- und Unterarm sowie in die Hand ausstrahlen. Typisch sind Schmerzen, wenn man das Handgelenk streckt (Tennisarm) oder beugt (Golferarm). Manchmal ist der Arm weniger beweglich. In Ruheposition können die Schmerzen zwar nachlassen, manchmal treten sie aber auch nachts auf und stören den Schlaf.
Im Ellenbogen setzen die Sehnen der Muskeln an, die an der Streckung und Beugung des Handgelenks beteiligt sind. Fachleute gehen davon aus, dass kleine Verletzungen und Verschleiß am Ansatz der Muskelsehnen die Schmerzen auslösen.

Schmerzregion bei Tennisarm (Außenseite des Ellenbogens)

Schmerzregion bei Golferarm (Innenseite des Ellenbogens)
Die Beschwerden treten oft bei Menschen auf, die ihre Unterarmmuskulatur plötzlich ungewohnt stark belasten. Sie können sich aber auch durch regelmäßige einseitige Belastungen über längere Zeit entwickeln. Mögliche Ursachen sind:
Ein Tennisarm oder Golferarm kann also tatsächlich durch Tennis- oder Golfspielen verursacht sein. Bei den meisten Menschen haben die Beschwerden aber andere Gründe.
Etwa 2 % der Bevölkerung haben einen Tennisarm, weniger als 1 % einen Golferarm. Die Beschwerden treten meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf – wahrscheinlich, weil die Muskulatur ab dem mittleren Lebensalter anfälliger für Überlastungen ist. Frauen und Männer sind ähnlich häufig betroffen.
Manchmal verschwinden die Beschwerden schon nach wenigen Wochen. Oft dauern sie jedoch einige Monate an. Etwa 80 % der Betroffenen sind innerhalb eines Jahres schmerzfrei. Bei den anderen dauert es länger.
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst, bei welchen Tätigkeiten die Beschwerden spürbar sind und ob es Vorerkrankungen gibt. Dann untersucht sie oder er den Arm und prüft, welche Bewegungen genau die Schmerzen auslösen. Dabei wird beispielsweise der Arm mit der Handfläche nach unten ausgestreckt und die Hand gegen Widerstand nach oben und unten gedrückt. Schmerzen am Ellenbogen beim Nach-oben-Drücken sprechen für einen Tennisarm, beim Nach-unten-Drücken für einen Golferarm.
Meist reicht die körperliche Untersuchung aus. Röntgenuntersuchungen, Ultraschall oder eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) sind nur sinnvoll, wenn ein Verdacht auf eine andere Erkrankung oder Verletzung besteht.
Es kann einige Monate dauern, bis die Beschwerden wieder verschwinden – meist auch ohne größere Behandlung. Sinnvoll ist es, die schmerzauslösenden Tätigkeiten möglichst erst einmal zu vermeiden oder die Belastungen zumindest so zu verringern, dass die Beschwerden nachlassen.
Spezielle Kräftigungsübungen für den Unterarm und das Handgelenk können helfen, die Beschwerden zu lindern – dies wird exzentrisches Training genannt. Ziel dabei ist es, die Schmerzen zu lindern sowie die Beweglichkeit und Belastbarkeit von Arm und Handgelenk zu verbessern. Übungen bei Tennis- und Golferarm kann man eigenständig zu Hause machen. Auch eine manuelle Therapie durch eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten kann helfen.
Schmerzmittel wie Ibuprofen aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) können die Beschwerden kurzfristig lindern. Kortisonspritzen wirken ebenfalls schmerzlindernd, können den Heilungsprozess aber stören. Einige wenige Studien deuten an, dass sich die Schmerzen bei einem Tennisarm durch eine Ultraschalltherapie etwas bessern können.
Wenn die Beschwerden trotz Behandlung über lange Zeit anhalten, werden manchmal Operationen angeboten. Ihr Nutzen ist bislang aber kaum in Studien untersucht.
Daneben gibt es viele weitere Behandlungen, für die bisher aber nicht nachgewiesen ist, dass sie helfen. Dazu gehören verschiedene Spritzen (zum Beispiel mit Eigenblut oder Botox), Lasertherapie, Elektrotherapie, Massagen, Stoßwellentherapie und Akupunktur. Diese Behandlungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen meist nicht bezahlt.
Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit dieser Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.
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Aktualisiert am 29.10.2025
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