Viele Menschen haben oder hatten schon mit Nagelpilz zu tun. Meist tritt er an Fußnägeln auf, seltener an den Fingernägeln. Eine Nagelpilz-Infektion wird auch als „Onychomykose“ bezeichnet.
Um den Pilz loszuwerden, ist eine Behandlung nötig. Sie kann zur Geduldsprobe werden. Denn wie lange es dauert, bis der Pilz ganz verschwunden ist, hängt auch davon ab, wie schnell der Nagel nachwächst. Bei Fußnägeln dauert dies länger als bei Fingernägeln.
Nagelpilz macht sich durch weißlich-gelblich bis bräunlich verfärbte Nägel bemerkbar. Die Nägel können brüchig werden, sich verdicken oder verformen. Manchmal tun sie auch weh. Der betroffene Teil des Nagels kann sich vom Nagelbett ablösen.
Häufig sind die Nägel der großen Zehen betroffen. In der Regel zeigt sich der Pilz auf der Oberseite des Nagels, am vorderen oder seitlichen Rand. Seltener geht die Infektion vom unteren Rand, der Nagelwurzel, aus.


Nagelpilz am großen Zehennagel – auf heller und auf dunkler Haut
Der Pilz kann an der Oberfläche des Nagels auch weiße Flecken bilden. Sie können punktförmig bleiben oder sich flächig ausbreiten. Dies wird als „weißer oberflächlicher Nagelpilz“ bezeichnet.

Weißer oberflächlicher Nagelpilz an mehreren Zehennägeln
Eine Nagelpilz-Infektion wird meist durch Hautpilze (Dermatophyten) verursacht. Manchmal sind aber auch Hefe- oder Schimmelpilze dafür verantwortlich. Hefepilze treten eher an den Fingernägeln auf.
Viele Menschen mit Nagelpilz haben gleichzeitig Fußpilz. Daher gehen Fachleute davon aus, dass Nagelpilz oft die Folge einer Fußpilz-Infektion ist.
Welche Faktoren eine Nagelpilz-Infektion wahrscheinlicher machen, ist nicht gut erforscht. Als Risikofaktoren gelten:
Nagelpilz an den Händen tritt vor allem bei Menschen auf, deren Hände häufig feucht sind, etwa bei Reinigungskräften.
Nagelpilz ist weit verbreitet. Schätzungen zufolge sind zwischen 3 und 12 % der Bevölkerung betroffen. Ältere Menschen haben öfter damit zu tun als jüngere, weil das Immunsystem über die Jahre schwächer wird.
Bei Menschen, die ansonsten bei guter Gesundheit sind, hat eine Nagelpilz-Infektion keine ernsthaften Folgen. Sie verschwindet aber selten von selbst. Unbehandelt kann der Pilz sich auf dem Nagel ausbreiten und ihn zerstören. Wie oft es dazu kommt, ist aber nicht bekannt.
Bei Menschen mit Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem kann ein Nagelpilz auch das Risiko für eine bakterielle Infektion der angrenzenden Haut erhöhen. Zudem kann sich der Nagel verdicken. Dies kann zu Problemen beim Gehen führen, etwa wenn der Schuh auf den Nagel drückt.
Eine Pilzinfektion ist manchmal schwer von anderen Krankheiten der Nägel zu unterscheiden. So kann sich zum Beispiel eine Schuppenflechte auch an den Nägeln zeigen und dort wie ein Pilz aussehen. Es gibt verschiedene Methoden, um das Nagelgewebe zu untersuchen. Zum Beispiel können Ärztinnen und Ärzte etwas vom Nagel abschaben. Diese Probe wird dann unter dem Mikroskop auf Pilzsporen untersucht. Um den Erregertyp genau zu bestimmen, ist es erforderlich, mit der Gewebeprobe eine Pilzkultur anzulegen. Bis das Ergebnis vorliegt, kann es etwa drei Wochen dauern.
Fachleute gehen davon aus, dass sich Nagelpilz oft als Folge von Fußpilz entwickelt. Fußpilz vorzubeugen, könnte daher auch vor Nagelpilz schützen. Pilze wachsen vor allem in feuchter Umgebung. Deshalb lohnt es sich, auf trockene Füße zu achten. Das bedeutet zum Beispiel:
Ist ein Nagel verletzt, kann der Pilz ihn leichter befallen. Verletzungen der Fußnägel lassen sich zum Beispiel vermeiden, indem man nicht zu enge und gut sitzende Schuhe und Socken trägt. So werden die Zehennägel vor anhaltender Druckbelastung bei längerem Gehen, Wandern oder Joggen geschützt.
Um eine erneute Ansteckung durch Pilzsporen zu vermeiden, wird empfohlen, Socken, Bettwäsche und Handtücher bei mindestens 60 Grad zu waschen. Zudem gibt es spezielle Waschzusätze wie Hygienespüler, die bereits bei niedrigeren Temperaturen Pilzsporen in der Wäsche abtöten. Auch in Schuhen können Pilzsporen bis zu einem halben Jahr und länger überleben, sodass sie nach einer Pilzinfektion desinfiziert werden sollten.
Wie wirksam diese Empfehlungen zur Vorbeugung sind, wurde bislang nicht in aussagekräftigen Studien überprüft.
Nagelpilz kann äußerlich mit farblosen, medizinischen Nagellacken behandelt werden, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Sie enthalten in der Regel einen der Wirkstoffe Amorolfin oder Ciclopirox. Diese Mittel hemmen das Wachstum des Pilzes oder töten ihn ab. Sie müssen regelmäßig und teilweise über ein Jahr angewendet werden. Neben Lacken gibt es auch Behandlungs-Sets, bei denen der infizierte Teil des Nagels über zwei Wochen zunächst mithilfe einer harnstoffhaltigen Creme aufgeweicht und dann mit einem Spatel abgetragen wird. Die darunterliegende Haut wird anschließend noch für einige Wochen mit einer Creme behandelt, die den Wirkstoff Bifonazol enthält.
Oft ist aber eine Behandlung mit Tabletten nötig, um Nagelpilz loszuwerden. Sie enthalten in der Regel den Wirkstoff Itraconazol oder Terbinafin. Welches Medikament infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, um welche Art von Pilz es sich handelt. Tabletten gegen Nagelpilz am Fuß müssen oft mindestens drei Monate lang eingenommen werden. Bei einem Nagelpilz an der Hand kann eine sechswöchige Behandlung ausreichen. Die Tabletten können Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden haben.
Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.
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Aktualisiert am 09.07.2025
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