Viel sitzen, viel liegen – das ist für manche Menschen kaum zu vermeiden. Die meisten bewegen sich dabei aber ständig bewusst oder unbewusst. Sehr schwache, kranke, gelähmte oder bewusstlose Menschen bleiben dagegen teilweise sehr lange unbeweglich in einer Position liegen oder sitzen. Dadurch erhöht sich ihr Risiko für ein Druckgeschwür (Dekubitus).
Druckgeschwüre sind offene Wunden, die durch anhaltenden äußeren Druck auf die Haut entstehen. Sie können sehr schmerzhaft sein, durch eine sorgfältige Behandlung aber innerhalb weniger Wochen abheilen. Es gibt jedoch auch sehr ausgeprägte, chronische Wunden, die schwer zu behandeln sind.
Ein Druckgeschwür entsteht fast immer an Stellen, wo sich Knochen direkt unter der Haut befinden. Dazu zählen Steißbein, Fersen, Hüften, Schulterblätter, Knöchel, Ellenbogen, Ohr und Hinterkopf.
Wenn an diesen Stellen im Liegen oder Sitzen ständig das Körpergewicht auf die Haut drückt, kann sie nicht mehr ausreichend durchblutet sowie mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Dadurch wird die Haut dünner und kann mit der Zeit sogar absterben. So entsteht eine Wunde. Sie ist besonders dann sehr schmerzhaft, wenn man weiter auf ihr liegt oder sitzt.

Druckgeschwüre: typische Entstehungsorte beim Liegen

Druckgeschwüre: typische Entstehungsorte beim Sitzen
Wird der Druck auf eine Körperstelle zu stark, schmerzt sie bei gesunden Menschen schnell. Manche Krankheiten können allerdings das Schmerzempfinden stören oder zur Entstehung von Wunden beitragen:
Wer schon einmal ein Druckgeschwür hatte, bekommt mit höherer Wahrscheinlichkeit an derselben Körperstelle ein weiteres. Deshalb ist es umso wichtiger, Druckgeschwüre gar nicht erst entstehen zu lassen.
Ein Druckgeschwür kann schmerzhaft sein und auch psychisch belasten. Kleinere Druckgeschwüre heilen bei einer guten Behandlung oft innerhalb weniger Wochen ab. Bei sehr ausgeprägten Wunden kann dies deutlich länger dauern.
Eine offene, schlecht heilende Wunde bietet zudem ein Einfallstor für Krankheitserreger, die zu einer Entzündung der Wunde führen können. Breiten sie sich weiter aus, kann die Wunde schlechter heilen und eine Blutvergiftung (Sepsis) die Folge sein.
Manche Menschen können ihre Haut selbst auf erste Anzeichen für ein Druckgeschwür überprüfen, beispielsweise mithilfe eines Spiegels. Wer sich über längere Zeit kaum oder gar nicht bewegen konnte, kennt die Warnsignale oft sehr genau. Wenn man sich aus eigener Kraft nicht umdrehen, aufsetzen oder aufstehen kann, ist zur Beobachtung gefährdeter Stellen jedoch Hilfe nötig – auch weil diese meist an der Körperrückseite liegen, etwa am Gesäß und den Schulterblättern.
Um den Schweregrad eines Druckgeschwürs zu beurteilen, orientieren sich Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte meist an der folgenden Einteilung:
Die Wunde kann belegt oder mit Schorf bedeckt sein, sodass nicht direkt erkennbar ist, wie tief sie ist. Manchmal ist die Haut auch rötlich-braun verfärbt und unversehrt, aber das darunterliegende Gewebe ist beschädigt.
Besteht der Verdacht, dass die Wunde infiziert ist, kann ein Abstrich, eine Blutabnahme oder Gewebeprobe nötig werden. Im Labor wird dann untersucht, welche Bakterien sich in der Wunde angesiedelt haben.
Wenn man länger sitzen oder liegen muss, ohne sich viel zu bewegen – und sei es nur für ein paar Tage – ist es wichtig, gefährdete Körperstellen zu entlasten. Das lässt sich durch regelmäßiges Umlagern und Drehen erreichen. Spezielle Sitz- oder Liegeflächen können den Druck zusätzlich abfangen, etwa eine besondere Matratze oder druckentlastende Auflage wie ein Sitzkissen.
Wer gefährdete Stellen am Körper regelmäßig überprüft, kann schnell handeln, wenn sich erste Anzeichen für ein Druckgeschwür zeigen. Bei der Pflege und Lagerung ist es wichtig, Reibe- und Scherkräfte möglichst zu vermeiden – also zum Beispiel eine bettlägerige Person nicht über die Unterlage zu ziehen. Bei sehr trockener Haut kann zur Pflege eine Creme oder Lotion hilfreich sein. Pflegeprodukte sollten auf den Hauttyp und Hautzustand abgestimmt sein und möglichst sanft aufgetragen werden. Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass regelmäßiges Eincremen Druckgeschwüren vorbeugt. Bei Inkontinenz ist es nötig, Einlagen oder Windeln regelmäßig zu wechseln.
Wichtig ist auch, auf ausreichendes Trinken und eine ausgewogene Ernährung zu achten: Zu wenig Flüssigkeit und Unter- oder Fehlernährung können die Haut zusätzlich schwächen.
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Art und dem Schweregrad des Druckgeschwürs ab. Wichtig ist immer, zu vermeiden, dass das Druckgeschwür weiter belastet wird. Lagerungshilfen, eine spezielle Matratze sowie regelmäßiges Umlagern und Bewegen helfen, den Druck auf den betroffenen Körperstellen abzufangen.
Für einen Dekubitus gibt es viele verschiedene Arten an Wundauflagen. Sie sollen die Wunde abdecken, feucht halten und vor Infektionen schützen. Beim Verbandswechsel kann die Wunde gereinigt werden. Ab Stadium 3 wird sie bei einer sogenannten Wundtoilette (Débridement) zusätzlich von abgestorbenem Gewebe befreit. Dabei entfernt eine Fachkraft mit einer Pinzette oder einem Skalpell vorsichtig abgestorbene Zellen.
Bei schlecht heilenden Druckgeschwüren sind weitere Behandlungen wie Antibiotika oder eine Vakuumversiegelungstherapie möglich. Manchmal wird auch eine Operation empfohlen, beispielsweise eine Hauttransplantation.
Schmerzen können durch eine gute Wundversorgung und die richtige Lagerung vermieden oder zumindest gelindert werden. Reicht dies nicht aus, kommen örtlich betäubende Medikamente infrage. Es gibt auch Wundauflagen, die Schmerzmittel enthalten. Beide Methoden können kurzfristig Schmerzen lindern. Medikamente zum Einnehmen wie Paracetamol oder Ibuprofen können bei leichten bis mittelstarken Schmerzen ebenfalls helfen. Bei Bedarf kann die Ärztin oder der Arzt auch stärkere Schmerzmittel verschreiben.
Sich möglichst viel zu bewegen, kann helfen, einem Druckgeschwür vorzubeugen. Pflegende und Angehörige können dazu immer wieder ermuntern und helfen, die Körperhaltung zu verändern. Wichtig ist, auffällige Hautstellen rasch von Druck zu entlasten und sie der Hausärztin, dem Hausarzt oder einer Pflegefachkraft zu zeigen.
Menschen mit einem Dekubitus können sich sehr unwohl fühlen. Neben den Schmerzen können auch Schamgefühle stark belasten. Deshalb ist eine gute medizinische wie persönliche Unterstützung wichtig.
Angehörige können in Pflegekursen verschiedene Bewegungs- und Lagerungstechniken erlernen. Die Kranken- oder Pflegekassen übernehmen die Kosten für viele Hilfsmittel und verleihen zum Beispiel Pflegebetten. Zudem gibt es in vielen Städten Pflegeberatungsstellen, die auch bei Fragen rund um die Dekubitus-Vorbeugung helfen.
Die hausärztliche Praxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Praxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorbereiten.
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Aktualisiert am 18.02.2026
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