Kontakt
Telefon
Chat
Wir freuen uns auf Ihren Anruf
0800 222 12 11 24/7 rund um die Uhr, kostenlos aus allen dt. Netzen Anrufen
Wir sind gerne für Sie da.
DIREKT KONTAKT AUFNEHMEN Geht hier ganz leicht. Worauf warten Sie noch? Geht hier ganz leicht: immer Mo. bis Fr. von 7:30 – 18:00 Uhr.

Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Einleitung

Bei jedem Menschen ist es irgendwann soweit: Um ohne Anstrengung lesen zu können und die Buchstaben klar zu erkennen, muss die Zeitung oder das Buch immer weiter weggehalten werden.

Der normale Alterungsprozess der Augen verschlechtert das Sehen im Nahbereich. Bemerkbar macht sich die Alterssichtigkeit, auch Presbyopie genannt, meist mit Mitte 40.

Die Presbyopie lässt sich zwar nicht wirksam behandeln, aber ausgleichen – am besten und einfachsten mit einer Lesebrille.

Symptome

Meist macht sich eine beginnende Alterssichtigkeit beim Lesen bemerkbar. Auch der Blick auf Uhr oder Handy, das Entziffern von Preisschildern im Supermarkt oder das Erkennen von Personen auf Bildern fällt schwerer.

Zunächst fallen solche Schwierigkeiten vor allem auf, wenn man müde ist oder bei schwachem Licht. Oft klappt zum Beispiel ein kurzer Blick in die Zeitung noch. Längeres Lesen wird aber allmählich anstrengend, weil die Buchstaben dann verschwimmen. Die Augen lassen sich nur mit Mühe scharf stellen und brennen, nach einiger Zeit können auch Kopfschmerzen auftreten.

Ursachen

Das Auge kann sich auf „nah“ und „fern“ einstellen. Das gelingt, indem die Augenlinse ihre Form verändert. Dabei ändert die Linse ihre Brechkraft: Beim Betrachten von Dingen in der Ferne ist die Linse flach. Damit man nahe Objekte scharf sehen kann, wölbt sie sich mithilfe eines Muskels im Auge. Diese Anpassung wird medizinisch Akkommodation genannt.

Mit zunehmendem Alter wird die Linse starrer und vermutlich auch der Augenmuskel schwächer. Dadurch kann sie sich schlechter wölben. Das Nahsehen klappt nicht mehr so gut. Das Weitsehen ist ungestört. Deshalb wird die Alterssichtigkeit auch Altersweitsichtigkeit genannt.

Grafik: Anpassung an Nah- und Fernrsicht - wie im Text beschrieben Anpassung an Nah- und Fernsicht

Risikofaktoren

Manche Menschen bemerken die nachlassende Sehschärfe beim Lesen oder Betrachten naher Dinge schon mit Anfang 40, andere erst viele Jahre später. Wovon diese Unterschiede abhängen, ist nicht klar. Bei bestimmten Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder multipler Sklerose kann es aber früher zu Alterssichtigkeit kommen.

Dass Frauen oft früher eine Lesebrille benutzen als Männer, liegt vor allem daran, dass sie sich eher darum kümmern. Einen Unterschied zwischen Frauen und Männern, wann die Alterssichtigkeit beginnt, gibt es nicht.

Häufigkeit und Verlauf

Fachleute gehen davon aus, dass weltweit über eine Milliarde Menschen alterssichtig sind und ihre Anzahl künftig noch ansteigen wird.

Kleinkinder können auch Gegenstände noch scharf sehen, die sich dicht vor ihren Augen befinden. Diese Fähigkeit nimmt mit den Jahren ab. Bei Erwachsenen gelten etwa 35 Zentimeter als normale Leseentfernung. Diese vergrößert sich ab Anfang 40 allmählich, und mit 45 brauchen die meisten Menschen eine Lesebrille. Ab etwa 65 bis 70 Jahren schreitet der Prozess der Alterssichtigkeit in der Regel nicht mehr weiter fort.

Menschen, die kurzsichtig sind und Probleme haben, entfernte Gegenstände scharf zu sehen, merken die Alterssichtigkeit meist etwas schwächer und später. Sie können die Alterssichtigkeit ausgleichen, indem sie ihre Fernbrille abnehmen.

Wer weitsichtig ist, fühlt sich durch die starrer werdende Linse mehr gestört, weil sich die Anpassungsprobleme für den Nahbereich dadurch noch verstärken.

Diagnose

Eine Diagnose ist in einer Augenarztpraxis oder einem Optikergeschäft möglich. Dabei wird zunächst mit einem kleinen Gerät (Autorefraktometer) die Brechkraft des Auges gemessen und bei einem anschließenden Sehtest die Stärke der erforderlichen Fern- und Nahkorrektur geprüft. Hierbei schaut man auf sogenannte Sehprobentafeln, eine Leinwand oder einen Bildschirm. Darauf sind Buchstaben, Zahlen oder an einer Stelle offene Ringe in abnehmender Größe zu erkennen. Um die (meist unterschiedliche) Sehkraft beider Augen feststellen zu können, wird jeweils ein Auge abgedeckt. Dieser Test ermittelt, mit welchen Brillengläsern die Augen am besten sehen.

Die sogenannte Brechkraft der Brillengläser wird ebenso wie die Brechkraft der natürlichen Linse oder einer Kontaktlinse in Dioptrien (dpt) angegeben.

Vorbeugung

Manchmal werden Sehübungen zur Vorbeugung von Alterssichtigkeit empfohlen. Meist sind es Übungen, die die Augenmuskulatur trainieren sollen. Auch wenn es zahlreiche Anleitungen für Sehübungen im Internet oder in Büchern gibt: Alterssichtigkeit lässt sich dadurch nicht aufhalten. Ein Training der Muskeln kann nichts daran ändern, dass die Elastizität der Linse mit den Jahren abnimmt.

Behandlung

Alterssichtigkeit lässt sich zwar nicht wirksam behandeln, aber gut ausgleichen. Die einfachste Hilfe, um den Sehverlust im Nahbereich auszugleichen, ist eine Brille.

Manchen Menschen hilft für eine Weile eine Fertigbrille, auch Lesehilfe genannt. Das Problem dabei: Fertigbrillen haben gleich starke Gläser – doch meistens ist die Sehstärke beider Augen unterschiedlich. Individuell angepasste Lesebrillen sind nur in Optikergeschäften erhältlich. Dort wird nach einem Sehtest eine genau auf die jeweilige Sehstärke angepasste Brille angefertigt.

Unter Umständen ist auch eine Mehrstärkenbrille – etwa eine sogenannte Gleitsichtbrille – sinnvoll. Damit lässt sich zum Beispiel auch eine zusätzliche Kurzsichtigkeit ausgleichen.

Grafik: Gleitsichtbrille mit stufenlosem Übergang (gleitend)

Eine Alterssichtigkeit kann auch mit Kontaktlinsen ausgeglichen werden.

Außerdem werden Laserbehandlungen oder operative Methoden zur Korrektur der Alterssichtigkeit angeboten. Ihr Vorteil ist jedoch im besten Falle, dass man dann keine Brille tragen muss. Dem stehen mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen der Eingriffe gegenüber.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

Quellen

American Optometric Association (AOA). Optometric Clinical Practice Guideline: Care of the Patient with Presbyopia. 2010. (Band CPG17).

Bourne RR, Flaxman SR, Braithwaite T, Cicinelli MV, Das A, Jonas JB et al. Magnitude, temporal trends, and projections of the global prevalence of blindness and distance and near vision impairment: a systematic review and meta-analysis. Lancet Glob Health 2017; 5(9): e888-e897.

Charman WN. Developments in the correction of presbyopia I: spectacle and contact lenses. Ophthalmic Physiol Opt 2014; 34(1): 8-29.

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), Kommission Refraktive Chirurgie (KRC), Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Bewertung und Qualitätssicherung refraktiv-chirurgischer Eingriffe durch die DOG und den BVA: KRC-Empfehlungen. 02.2019.

Grehn F. Augenheilkunde. Berlin: Springer; 2012.

Hickenbotham A, Roorda A, Steinmaus C, Glasser A. Meta-analysis of sex differences in presbyopia. Invest Ophthalmol Vis Sci 2012; 53(6): 3215-3220.

Kelava L, Baric H, Busic M, Cima I, Trkulja V. Monovision Versus Multifocality for Presbyopia: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Adv Ther 2017; 34(8): 1815-1839.

Lang G (Ed). Augenheilkunde. Stuttgart: Thieme; 2014.

National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Treating presbyopia by inserting an artificial lens in the cornea. 04.2013. (NICE interventional procedure guidance; Band 455).

Tabernero J, Chirre E, Hervella L, Prieto P, Artal P. The accommodative ciliary muscle function is preserved in older humans. Sci Rep 2016; 6: 25551.

Wang L, Moss H, Ventura BV, Padilha H, Hester C, Koch DD. Advances in Refractive Surgery. Asia Pac J Ophthalmol (Phila) 2013; 2(5): 317-327.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Aktualisiert am 03.06.2020

Nächste geplante Aktualisierung: 2023

Kontakt
Telefon
Chat
Wir freuen uns auf Ihren Anruf
0800 222 12 11 24/7 rund um die Uhr, kostenlos aus allen dt. Netzen Anrufen
Wir sind gerne für Sie da.
DIREKT KONTAKT AUFNEHMEN Geht hier ganz leicht. Worauf warten Sie noch? Geht hier ganz leicht: immer Mo. bis Fr. von 7:30 – 18:00 Uhr.