Motivation für die andere Königsdisziplin

Sie gelten als die "Könige der Leichtathleten": Zehnkämpfer müssen sowohl vielseitig als auch ausdauernd sein. Frank Busemann ist beides.1996 war er Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen und Sportler des Jahres. Heute schreibt er Bücher und hält Vorträge. Damit motiviert er uns für einen anderen Mehrkampf: unseren Alltag.

Es war ein Überraschungscoup in der Sportwelt: Mit 21 Jahren erkämpfte sich Frank Busemann eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996. Und das im Zehnkampf, als Außenseiter zwischen all den erfahreneren "Königen der Leichtathletik" und mit einem verstauchten Fuß. Zuvor, 1994, war er Juniorenweltmeister über 110 Meter Hürden, 1995 Deutscher Hallenmeisterüber 60 Meter Hürden geworden. Neben den Erfolgen gehörten weitere Verletzungen zu Busemanns Laufbahn bis zu seinem Rücktritt 2003.

Seine sportlichen Leistungen sind mehr als beeindruckend. Kann uns das aber etwas für das eigene Leben beibringen?

Klar, "Hürden" muss jeder nehmen, aber einen Speer weit zu werfen, ist für die meisten von uns nicht besonders relevant zum Erreichen unseres Lebensglücks. Laut Frank Busemann sind wir jedoch alle Sportler: "Sportler des Alltags". Und genau dieser Alltag ist ebenfalls eine Art Mehrkampf. Ein erfolgreicher Zehnkämpfer muss vielseitig und ausdauernd sein. Und vielseitig müssen wir alle sein, täglich, egal was wir machen: kommunikativ und sozialkompetent (Begrüßung der Arbeitskollegen am Morgen), organisationsfähig (Seminare und Klausurtermine in der Uni aussuchen), eigenverantwortlich (vernünftige Nahrung besorgen und vertilgen) und vielen, ganz anderen Anforderungen gerecht werden. Außerdem brauchen wir Ausdauer. Bei manchem Ziel ist der Weg, der ja eben nicht immer das Ziel ist, wahrlich lang.

Mehr "Power" fürs Leben - wie man sich selbst motiviert

In seinem neuesten Buch "Steh auf, wenn du am Boden liegst" zeigt Busemann anregend und unterhaltsam, wie man sich motiviert, als Sportler und Nicht-Sportler. (Der Titel ist ein wenig irreführend: Nein, man muss nicht kurz vor der Depression stehen, um von diesem Buch zu profitieren!) 

Und Busemann ist ein guter Ratgeber. Er beschreibt, was ihn - auch nach vielen Verletzungen - dazu brachte, weiter zu trainieren. Das ist für uns, als "Sportler des Alltags", ebenso hilfreich. Gut beraten ist man laut Busemann dann, wenn man sich auf seine Stärken konzentriert, realistische Teilziele setzt und vor allem: sein Ziel kennt und weiß, was einem wirklich Spaß macht. Daher ist das Buch auch eine Anleitung dazu, herauszufinden, was man will, wie die eigenen Ziele aussehen. Es gibt zwischendurch Aufgabenstellungen für die Leser. In kleinen Schritten, mit interessanten Ideen, Theorien und Tipps, mit sinnvollen Beispielen aus der Sportwelt - auch für Nicht-Sportler geeignet - kann sich der Leser dem nähern, was ihm oder ihr wirklich wichtig ist, welche Ziele er hat, was ihm hilft, sie besser zu erreichen. Und dadurch tatsächlich mehr "Power" für den Alltag erlangen.

Die VIACTIV fragt - Frank Busemann antwortet

"Das kommt drauf an, wen man fragt. Von den Athleten der Einzeldisziplinen hört man zumeist: "Ach, die Zehnkämpfer. Die können zwar alles, aber nichts richtig. "Gemeint ist natürlich nur, dass Zehnkämpfer die Spitzenzeiten der Einzeldisziplinen nicht erreichen. Auf der anderen Seite steht die Ansicht, dass nur der ein richtiger Athlet ist, der seinem Körper auf vielfältige Weise Höchstleistungen abfordern kann. Und eben nicht nur den einen Bewegungsablauf."

"Oh, nein. Wenn ich früher eine Niederlage erlitten habe oder mir wieder eine Verletzung zugezogen hatte, bin ich in Selbstmitleid versunken. Ich dachte, ich sei der kaputteste Athlet der Welt. Gerade vor den Olympischen Spielen in Atlanta. Aber dass meine Sportlerkarriere so endete, wollte ich nicht. So habe ich herausgefunden, dass es hilft, sich auf das zu konzentrieren, was funktioniert. Schmerzen im Ellbogen? Dann konnte ich ja noch laufen. Diese Veränderung der Einstellung hat geholfen. Und sie hilft auch im normalen Leben."

"Es geht im Alltag ja um dasselbe wie im Sport: das Erreichen eines Ziels. Es geht immer irgendwie ums Gewinnen und sei es in Form von Zufriedenheit, Ausgeglichenheit oder Ähnlichem."

"Oh, nein. In der Schule war ich eher einer, bei dem der Lehrer nie genau wusste, was für eine Note er geben soll, weil ihm der Schüler überhaupt nie aufgefallen war. Dann hieß es meist: "Mmh. Nun gut, wird wohl so um die 3 sein." So schlecht war das nicht. Inzwischen ist das anders. Bei den Olympischen Spielen 1996 fand ich es schon wunderbar, dass die Journalisten viele Fragen an mich hatten - wenn ich so aufgeregt bin nach einem Wettkampf, bin ich in Erzähllaune, das muss dann raus, das sind die Reste der aufgebauten Anspannung."

Auszug aus dem Kundenmagazin ORANGE, Ausgabe 2/2013

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