Wovon sollen wir träumen?

Unser Gehirn räumt im Schlaf auf und festigt unsere Erinnerungen. Doch warum sind unsere Träume oft so bizarr? Schlafforscher erkunden, was dahinter steckt. 

Wenn wir schlafen, räumt unser Gehirn auf: Kurz nach dem Einschlafen sinken wir in den tiefsten Schlafzustand, den wir in der ganzen Nacht erreichen werden und das Wachstumshormon Somatotropin sorgt dafür, müde Muskeln zu reparieren und Haut, Haare und Knochen wachsen zu lassen. 

Im Gehirn geht es in dieser Zeit gemächlicher zu. Neuronen synchronisieren sich und Wellen elektrischer Aktivität durchlaufen das Gehirn. Diese Delta-Wellen sollen nach dem Wissenschaftler Giulio Tononi von der University of Wisconsin unser Gehirn entrümpeln: Denn während des Tages bilden sich mit jeder Erfahrung neue Synapsen zwischen den Gehirnzellen. Ein Großteil davon sind überflüssig, werden durch die Delta-Wellen weggespült und schaffen Platz für Neues. Wichtiges landet vom Hippocampus in die Großhirnrinde, Unwichtiges wird verworfen. 

Nach gut einer Stunde kommt mehr Unruhe in die Hirnstromkurven. Jetzt ist im Gehirn genauso viel los wie am Tag. Neben dem wilden Zucken der Augen (Rapid Eye Movement, REM-Phasen) beginnen wir zu träumen. 

Die oft unlogischen und gefühlsbetonten Träume haben einen einfachen Hintergrund: Unsere logisch-analytischen Zentren, die sonst unsere Triebe im Zaum halten, sind im REM-Schlaf außer Betrieb. Dafür sind die emotionalen und visuellen Zentren umso aktiver. 

Doch warum ist das so? Darüber scheiden sich die Geister: Manche Forscher halten die REM-Phasen für Aufwachversuche des Gehirns, andere glauben, dass wir im Traum unser Instinktverhalten in einer selbst erzeugten virtuellen Welt erproben. 

Neue Studien sollen nun belegen, dass unsere Träume auch unser moralisches Urteilsvermögen beeinflussen. Es ist erwiesen, dass Schlafmangel die moralische Urteilskraft und das Risikobewusstsein schwächt.  

Fakt ist, dass im REM-Schlaf das Gehirn anders vernetzt ist als im Tiefschlaf und eher dem im Wachen ähnelt. Das Gehirn gliedert neue Erfahrungen ein und stellt Assoziationen und Verknüpfungen her. Es ist die Spielphase nach dem großen Aufräumen und Aussortieren zu Beginn des Schlafes.  

Übrigens: Es lohnt sich, nach dem Aufwachen noch ein paar Minuten liegen zu bleiben. Denn das Gehirn ist noch nicht ganz wach und ähnelt noch dem Zustand der REM-Phase: viele Gefühle und schlummernder Verstand. In diesem Moment können Sie ganz bewusst Gefühle besser wahrnehmen – und vielleicht erlangen Sie eine neue Erkenntnis direkt vor dem Aufstehen!

 

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