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Zahn- und Kieferfehlstellungen

Autoren/Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Einleitung

Das Gebiss sieht bei jedem Menschen etwas unterschiedlich aus. Ist es aber deutlich anders geformt als bei den meisten anderen, spricht man von Zahn- oder Kieferfehlstellungen. Manchmal geht es dabei nur um einen einzelnen Zahn, manchmal um mehrere Zähne oder die Stellung der Kieferknochen.

Stark ausgeprägte Fehlstellungen können zu Beschwerden beim Kauen, Sprechen und Atmen führen, aber auch psychisch belasten. Außerdem können sie Zahnfleischentzündungen und Karies begünstigen.

Um eine Zahn- und Kieferfehlstellung zu korrigieren, werden oft herausnehmbare oder festsitzende Zahnspangen eingesetzt. Sie werden vor allem von Jugendlichen getragen, weil sich das Gebiss im Wachstum noch formen lässt.

Symptome

Zahn- oder Kieferfehlstellungen können ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen – oder auch gar keine. Dies hängt von der Art der Fehlstellung ab und davon, wie stark sie ausgeprägt ist.

Starke Fehlstellungen können zum Beispiel beim Essen, Trinken oder Sprechen stören oder zu Problemen beim Atmen führen. Manchmal drücken Zähne bei geschlossenem Mund in das gegenüberliegende Zahnfleisch oder in die Lippen und verursachen Schmerzen. Die Zähne können sich lockern, es kann zu Karies kommen und die Zähne können zum Beispiel bei einem Unfall leichter beschädigt werden. Mit der Zeit können auch die Kiefergelenke schmerzen und sich die Kiefermuskulatur verspannen.

Zahn- und Kieferfehlstellungen belasten oft auch psychisch – besonders, wenn Kinder und Jugendliche deshalb gehänselt werden. Viele fühlen sich wegen einer Fehlstellung des Gebisses unsicher oder weniger attraktiv – besonders, wenn damit ein Sprachfehler verbunden ist – und scheuen den Kontakt zu anderen. Die psychische Belastung hängt aber nicht nur damit zusammen, wie ausgeprägt die Fehlstellung ist. Auch wie man persönlich damit umgeht, spielt eine Rolle.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursachen für Zahn- und Kieferfehlstellungen können eine gestörte Entwicklung und Lage einzelner Zähne oder der Kieferknochen sein – aber auch die der Zunge, Lippen, Wangen und des Muskelgewebes. Dabei spielt die Vererbung eine Rolle. Auch Zahnausfall, ein vorzeitiger Verlust der Milchzähne, eine Verletzung oder Erkrankungen des Knochens können dazu führen, dass sich Zähne verschieben oder sich das Gebiss nicht normal entwickelt.

Bestimmte Angewohnheiten gelten als Risikofaktoren: Dass Babys und Kleinkinder an einem Schnuller, dem Daumen oder einem Finger lutschen, ist normal. Wenn Kinder mit etwa drei Jahren nicht damit aufhören, kann das Nuckeln jedoch das Risiko für Zahn- und Kieferfehlstellungen erhöhen. Ein weiterer Risikofaktor ist, wenn Kinder nur durch den Mund atmen – zum Beispiel, weil eine vergrößerte Rachenmandel die Nasenatmung behindert.

Häufigkeit und Verlauf

Zahn- und Kieferfehlstellungen sind häufig. Schätzungsweise wird mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland deswegen behandelt.

Die Milchzähne werden bei älteren Kindern durch die bleibenden Zähne ersetzt, und die Kieferknochen können bis zum Ende der Pubertät noch wachsen. Deshalb kann sich eine Zahn- und Kieferfehlstellung noch bessern, aber auch verstärken, bis das Wachstum abgeschlossen ist. Doch auch bei Erwachsenen kann sich die Zahnstellung noch verändern, etwa durch Zähneknirschen oder den Verlust von Zähnen.

Folgen

Vor allem bei stark vorstehenden oberen Schneidezähnen besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Zähne beschädigt werden, etwa bei einem Unfall. Bei anderen Fehlstellungen können die Kiefergelenke schmerzen, knacken oder nur eingeschränkt beweglich (blockiert) sein, sodass sich der Mund zum Beispiel nicht mehr weit öffnen lässt.

Durch Ausgleichsbewegungen und Zähneknirschen können sich die Zähne gegenseitig abschleifen. Weil sich bei manchen Fehlstellungen einzelne oder mehrere Zähne nur schwer putzen lassen, gelten auch Karies und Zahnfleischentzündungen als mögliche Folgen.

Diagnose

Eltern fällt häufig selber auf, dass ihr Kind eine Zahn- oder Kieferfehlstellung hat. Manchmal ergibt sich aber auch bei einer ärztlichen oder zahnärztlichen Untersuchung ein Verdacht. Um festzustellen, ob eine Zahn- und Kieferfehlstellung behandlungsbedürftig ist, wird das Kind meist an eine Kieferorthopädin oder einen Kieferorthopäden überwiesen. Sie oder er schaut sich die Zähne und den Mund an und untersucht auch den Rest des Kopfes. Dabei fragt sie oder er nach möglichen Ursachen und achtet auf Auffälligkeiten beim Öffnen und Schließen des Mundes.

Als weitere Schritte werden in der Regel Röntgenaufnahmen gemacht und Abdrücke genommen. Dazu muss das Kind nacheinander auf zwei mit weicher Kunststoffmasse gefüllte Schälchen beißen. Das kann unangenehm sein und einen Würgereiz auslösen. Die Masse erstarrt aber nach etwa einer halben Minute und kann anschließend aus dem Mund genommen werden. Aus den Abdrücken wird ein Modell des Gebisses hergestellt, das zur Planung der Behandlung genutzt werden kann. Inzwischen wird manchmal auch ein Abdruck per Computer angeboten. Dafür werden die Zähne gescannt und anschließend das Gebissmodell digital hergestellt.

Manchmal sind auch Besuche bei anderen Fachleuten nötig: Wenn zum Beispiel zusätzlich die Atemwege verengt sind, ist eine ärztliche Untersuchung in einer Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sinnvoll.

Vorbeugung

Kleineren Kindern kann man versuchen, ungünstige Angewohnheiten abzugewöhnen: Manche Kinder lutschen zum Beispiel seltener am Daumen, wenn auf ihm ein Gesicht aufgemalt oder eine schlecht schmeckende Tinktur aufgetragen ist. Ein Schnuller kann nach zahnärztlicher Untersuchung und Beratung durch eine sogenannte Mundvorhofplatte ersetzt werden. Unter Umständen werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Die Mundhofvorhofplatte ähnelt außen einem Schnuller, liegt aber innen wie eine Blende nur zwischen Zähnen und Lippen. Außerdem ist die Pflege der Milchzähne wichtig, damit sie lange genug als Platzhalter im Gebiss bleiben.

Behandlung

In der Regel werden Fehlstellungen mit einer kieferorthopädischen Behandlung korrigiert. Dazu gehört vor allem das Tragen einer festsitzenden oder herausnehmbaren Zahnspange. Manchmal werden auch beide Spangenarten miteinander kombiniert: Dann trägt man zum Beispiel zunächst eine herausnehmbare Spange und danach eine festsitzende. Die Behandlung soll die Stellung der Zähne korrigieren und den Ober- und Unterkiefer in ein harmonischeres Verhältnis bringen.

Normalerweise wird zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr behandelt. Die Milchzähne sind dann bereits bleibenden Zähnen gewichen, die Kieferknochen aber noch formbar. Manchmal werden auch Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren behandelt (sogenannte Frühbehandlung).

Das Tragen einer festsitzenden oder herausnehmbaren Spange wird als „aktive Behandlungsphase“ bezeichnet. Sie dauert etwa zwei Jahre. An die aktive Behandlungsphase schließt sich eine Erhaltungsphase (Retention) an, um zu verhindern, dass die Zähne „zurückwandern“. Dafür werden sogenannte Retainer (englisch to retain = halten, sichern) eingesetzt,  zum Beispiel ein kleiner Draht, der hinter den Schneidezähnen befestigt wird. Meist dauern aktive Behandlungsphase und Erhaltungsphase zusammen etwa 3 bis 4 Jahre. Ob eine längere Erhaltungsphase empfohlen wird, hängt von der vorherigen Fehlstellung ab.

Eine kieferorthopädische Behandlung wird in erster Linie durchgeführt, wenn die Fehlstellungen ein gewisses Maß überschreiten – zum Beispiel, wenn die oberen Schneidezähne die unteren um mehr als 3 Millimeter überragen oder wenn seitliche Zähne aneinander vorbeibeißen. Aber auch, wenn die Fehlstellungen weniger ausgeprägt sind, kann eine Behandlung aus kosmetischen Gründen erwünscht sein. Ob kieferorthopädische Behandlungen so häufig nötig sind, wie sie heute empfohlen werden, ist unklar. Es fehlen Studien, die zum Beispiel genau zeigen, wen sie vor späteren Zahnproblemen und anderen gesundheitlichen Beschwerden schützen und bei wem sie einfach das Aussehen verbessern.

Kleine Kinder und Erwachsene werden selten behandelt. Wenn doch, dann meist wegen einer schweren Fehlstellung, zum Beispiel angeborenen Fehlbildungen wie einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Dann ist in der Regel ein operativer Eingriff nötig, manchmal auch in Kombination mit einer Zahnspange. Auf solche schweren Fehlstellungen wird hier nicht eingegangen.

Weitere Informationen

Eine Zahnspange kann helfen, eine Fehlstellung und damit verbundene Beschwerden in den Griff zu bekommen. Aber die Behandlung kann auch belasten: Zu Beginn kann das Tragen einer Spange mit Schmerzen verbunden sein, da sie an den Zähnen zieht. Kinder und Jugendliche mit festsitzenden Zahnspangen müssen außerdem beim Essen achtsam sein: Einen Apfel schneidet man zum Beispiel besser in kleine Stücke, da sich beim Biss in einen ganzen Apfel die auf die Zähne geklebten Metallteile (Brackets) lösen können. Wer eine festsitzende Zahnspange trägt, verzichtet außerdem besser auf stark klebende Bonbons. Und auch wenn heute Zahnspangen mitunter als „cool“ gelten: Manchen Kindern und Jugendlichen sind sie peinlich, vor allem beim Essen – oder sie sorgen sich, die Spange dabei zu beschädigen.

Die Therapie setzt voraus, dass Kinder und Jugendliche mitmachen – das bedeutet, die Zähne und die Zahnspange zu pflegen und herausnehmbare Zahnspangen konsequent zu tragen. Wenn einem Kind bei den Kontrollterminen gezeigt wird, wie sehr sich sein Gebiss schon verbessert hat, kann es das motivieren, weiter am Ball zu bleiben.

Wenn Fehlstellungen ein bestimmtes Ausmaß erreichen, werden in Deutschland die Kosten bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren von den Krankenkassen übernommen. Man muss jedoch zunächst einen Eigenanteil übernehmen, der vollständig erstattet wird, wenn die Therapie wie geplant zu Ende geführt wurde. Eine Behandlung kann aber durch Kosten für Zusatzleistungen finanziell belasten, etwa für unauffälligere Zahnspangen-Drähte oder Zahnspangen aus buntem oder glitzerndem Kunststoff. Die Therapie einer gering ausgeprägten Fehlstellung gilt als kosmetische Korrektur und muss vollständig selbst bezahlt werden.

Viele Menschen gehen außer wegen akuter Schmerzen auch regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt. Wir informieren darüber, wie man die richtige Zahnarztpraxis findet, wie sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig.

Quellen

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Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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Erstellt am 18.12.2019

Nächste geplante Aktualisierung: 2022

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