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Eine weitere Tradition, die einzigartig auf

der Welt ist, ist der „Kirkwall Ba“.

Aber wo fange ich da mit meiner

Beschreibung an? Was für ein durch und

durch merkwürdiges Spiel! Seit Mitte

des 17. Jahrhunderts werden die zwei

„Bas“ – der „boy’s ba“ und der „men’s

ba“ – ausgetragen. Und zwar immer

am ersten Weihnachtstag und dann

noch einmal am ersten Januar, dem

Neujahrstag. In klirrender Kälte trifft

sich die Inselgemeinschaft, um den „Ba“

mitzuverfolgen. Von allen Seiten her

strömen die Menschen zum Marktkreuz

vor der Kathedrale. Welchem Team man

angehört, hängt vom Geburtsort innerhalb

Kirkwalls ab: Wohnt man oberhalb der

Kathedrale, ist man ein „Uppie“, wohnt

man unterhalb der Kathedrale, ist man

in der Mannschaft der allmächtigen

„Doonies“ (okay, offensichtlich bin ich in

diesem Fall nicht ganz objektiv …).

Die Uppies müssen versuchen, den

Ball an eine Wand ganz am Ende der

Stadt zu spielen, für die Doonies ist das

„Tor“ das Hafenbecken im Norden der

Stadt. Während wir Mädels, Kinder und

älteren Herrschaften also am Rande das

Geschehen beobachten, kämpfen die

beiden Teams darum, den Ball in ihr

Tor zu bekommen. Es wird gedrückt,

gerempelt, gehoben und geschoben.

Regeln gibt es keine, jeder Trick ist erlaubt.

Manchmal bewegt sich stundenlang kaum

etwas, bis plötzlich – pop! – der Ball aus

der Menge herausspringt und die Straße

herunterrollt, verfolgt vom Getrampel

hunderter Männerfüße. Hat der Ball das

eine oder andere Tor berührt, heißt es

„jeder gegen jeden“. Denn neben dem

Gewinnerteam (natürlich meistens die

Doonies!) gibt es auch immer einen

Einzelsieger, der den „Ba“, also den Ball,

dann als Trophäe mit nach Hause nehmen

darf. Über alle Maßen Ruhm und Ehre

natürlich inbegriffen! Auf den Bildern seht

Fotos: ©Amy Causer; ©shutterstock.com/colors

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weg sein