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Gamer sind gechillt – auch das lernt die

Mutter an diesem Tag und entspannt sich

zusehends. Der Sohn nicht. Fünfzehn zu

sein, ist ein Fluch hier auf der gamescom.

Noch nicht sechzehnjährig ist man

gezwungen, mit einem entwürdigenden

grünen Bändchen am Handgelenk her-

umzulaufen. Damit ist er in der Stufe der

zwölfjährigen „Kinder“ und darf nichts.

Die Stimmung ist am Boden.

Jetzt geschieht das Unglaubliche: Die Mut-

ter überredet den Sohn, doch noch ein

bisschen zu bleiben. Gemeinsam betreten

sie die Halle der „League of Legends“.

Die Ränge sind pickepackevoll, auf der

Bühne sitzen die zehn Helden des Tages,

angetreten zum Semifinale. Die Jungs

werden gefeiert wie Popstars. Jeder hier

scheint sie zu kennen – die Mutter nicht.

Und dann beginnen die Spiele, moderiert

auf Englisch! Der Sohn versteht jedes

Wort, die Mutter muss ständig nachfragen.

„Englischvokabeln? Wann hatte er sich je

damit beschäftigt?“

Übertragen wird der Battle auf riesigen

Monitoren in der Halle, die Wettkämpfer

sitzen in Sesseln wie Captain Kirk und

Mister Spock auf der Enterprise. „Nice,

hast du diesen Zug gesehen?“, begeistert

sich der Sohn. Die Mutter hat weder den

Zug gesehen noch das hochkomplizierte

Spiel verstanden. Aber wenn sie wieder

zuhause ist, wird sie nie mehr beschämt

den Namen dieses Spiels verschweigen:

„League of Legends“ ist weder dumm

noch brutal – auch diese Lektion hat die

Mutter gelernt.

Überhaupt wird die häusliche Situation

nach der gamescom eine andere sein.

Statt wie gelähmt und voller Furcht das

Treiben des Sprösslings täglich eingehend

zu beobachten und zu bewerten, legt die

Mutter mehr Gelassenheit an den Tag.

Gamer statt Surfer – diese Vorstellung hat

ihren Schrecken verloren.

RUMMS! Da knallt sie zu, die Haustür. Es

ist Anfang Dezember. Hinter der Tür steht

die Mutter. Vor der Tür macht sich der

Sohn auf den Weg nach draußen.

Das hat er eigentlich auch im Sommer

schon getan – das hatte die Mutter aller-

dings bei der ganzen „Mach-doch-mal-end-

lich-den-Computer-aus“-Debatte übersehen.

Keine Monitore erhellen jetzt das dunkle

Zimmer hinter der geschlossenen Tür. Die

„Liga der Legenden“ muss warten – bis er

zurück aus der realen Welt ist. Aber es wird

keine weiteren Vorträge über die mannig-

faltigen Vorzüge von Bewegung an frischer

Luft und über die Jugend der Mutter in

selbstgebauten Baumhäusern geben.

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