ORANGE 3-2013 - page 25

„Singen ist
Frau Hermann, was passiert mit unserem
Körper, wenn wir singen?
Wenn man es richtig macht, eine ganze
Menge! Damit unser Körper als „Resonanz-
körper“ für den Stimmapparat in unserem
Hals funktioniert, muss er bis in die Bein-
muskulatur aktiviert werden. Das Brustbein
„öffnet“ sich und der Oberkörper nimmt
eine aufrechte Haltung ein. Zum Singen
brauchen wir einen festen, sicheren Stand,
also wird zusätzlich die Muskulatur in den
Oberschenkeln beansprucht. Darüber hin-
aus setzen wir für unsere Atmung bewusst
die Muskeln im Ober- und Unterbauch,
aber auch in den Flanken ein. Singen ist
also so eine Art „Ganzkörpertraining“ –
dem Yoga sehr ähnlich.
Ist neben unserem Körper denn auch der
Kopf beteiligt?
Und wie! Hören oder machen wir Musik,
werden immer unterschiedliche Areale
in beiden Hirnhälften angesprochen.
Das schafft neue Verbindungen zwischen
ihnen. Es werden Glückshormone aus-
geschüttet und das Immunsystem wird
gestärkt. Ganz wichtig finde ich auch die
Tatsache, dass wir beim Musizieren einmal
ganz bei uns sind und uns mit etwas Schö-
nem beschäftigen, ohne Ablenkung durch
Handy, Computer oder Internet. So etwas
kommt mittlerweile ja selten genug vor. Das
fördert die Konzentrationsfähigkeit ganz
ungemein. Gleichzeitig bauen wir Stress ab,
Blutdruck und Herzfrequenz sinken.
Foto: ©photocase.de/suze/pischare
Ganzkörpertraining“
Regine Hermann, Ärztin für Stimme, war 20 Jahre lang als Opern-
sängerin auf den Bühnen Europas zuhause. In ihrer Praxis in Essen
bietet sie neben medizinischer Betreuung auch Stimmcoaching für
Lehrer und Wirtschaftskräfte an. Im Interview mit der ORANGE
erklärt sie, warum Singen so gesund ist.
leben
25
1...,15,16,17,18,19,20,21,22,23,24 26,27,28,29,30,31,32,33,34,35,...68
Powered by FlippingBook