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konnte sie nicht ahnen, was daraus

entsteht. Und in welch relativ kurzer

Zeit aus einer guten Idee eine globale

Bewegung wurde. In dem von ihr mit­

verfassten Manifest „Don´t end it, mend

it! Wirf es nicht weg, reparier es!“ zeigt

sie der immer kürzeren Halbwertszeit

der Gegenstände die rote Karte. Sie for­

dert uns alle auf umzudenken. Von Aus­

tralien bis Norwegen, von Brasilien bis

Japan schießen seitdem lokale Ableger

wie Pilze aus dem Boden. Vor gut einem

Jahr gab es in Deutschland gerade ein­

mal 30 Cafés. Heute zählt man fast 200

regelmäßig stattfindende Reparaturtref­

fen. Und im Netz finden sich vermehrt

Anleitungen und Nachschlagewerke,

um so ziemlich alles was reparabel ist,

auch reparieren zu können. Hier zeigt

sich deutlich, was Menschen gemein­

sam bewegen können. Auf Neudeutsch

heißt das: Schwarmintelligenz. Leider

gestaltet sich das oft schwierig, da man

für die meisten Reparaturen teures Spe­

zialwerkzeug braucht. Und so fordert

die stetig wachsende „Do-it-yourself-

Community“ von der Industrie, anders

zu produzieren. Nämlich so, dass das

Recht auf Reparatur nicht gezielt unter­

graben wird.

Der geplante Produkttod

Allerdings laufen diese Forderungen

den Interessen der Industrie zuwider.

Schließlich wollen die Hersteller in im­

mer kürzeren Abständen immer mehr

Produkte verkaufen. Die Nachfrage an

Elektrogeräten steigt weltweit kontinu­

ierlich an, während die Produktions­

zyklen immer kürzer werden. Jedem

Güntervom Repaircafé Essen

verarztet eine Lampe

Fotos: ©istockphoto.com/gilaxia; ©Repair Café Essen

ratsam

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