Table of Contents Table of Contents
Previous Page  14 / 68 Next Page
Basic version Information
Show Menu
Previous Page 14 / 68 Next Page
Page Background

„ganzen Katastrophe“ des eigenen Lebens

aufmerksam zu begegnen. Das hört sich ja

zunächst eher unangenehm an. Aber man

lernt vor allem Folgendes: alle Gefühle,

wie Angst, Wut, Traurigkeit, Scham, und

die eigenen Gedanken darüber zwar nicht

wegzuschieben, sich jedoch auch nicht

von ihnen überwältigen zu lassen – das ist

ein großer Gewinn.

Ein Beispiel, zugegeben harmlos: Man

ärgert sich über die schlechte Bewertung

der eigenen „Arbeit“ durch einen Lehrer,

wahlweise auch einen Dozenten, Vorge-

setzten oder Partner. Man ist also womög-

lich gleichzeitig minimal wütend („... hat

doch keine Ahnung!“), ein bisschen

gekränkt („Die Welt erkennt gar nicht,

wie großartig ich bin“) und eine Winzig-

keit verletzt („Keiner liebt mich!“).

Bei der Meditation lernt man, diese

Gefühle zwar wahrzunehmen, sie aber

nicht zu verurteilen: Denn nach einer

schlechten Bewertung durch andere ist

man ja zusätzlich oftmals auch noch sauer

auf sich selbst („Das sollte mich doch

eigentlich kaltlassen!“). Oder aber man

überlegt krampfhaft, wie man es anstellt,

nie wieder so schlecht beurteilt zu wer-

den, oder malt sich womöglich schon aus,

wie man sich subtil rächen könnte.

Das passiert normalerweise geradezu

zwangsläufig: Wer versucht, einfach nur

still zu sitzen und zu entspannen, der wird

schnell in die Alltagsschleife des perma-

14

gesund sein