ORANGE 2-2013 - page 39

immer irgendwie ums Gewinnen und sei
es in Form von Zufriedenheit, Ausgegli-
chenheit oder Ähnlichem.
Heute halten Sie Vorträge. Ist es Ihnen immer
schon leicht gefallen, in der Öffentlichkeit zu
sprechen?
Oh, nein. In der Schule war ich eher einer,
bei dem der Lehrer nie genau wusste, was
für eine Note er geben soll, weil ihm der
Schüler überhaupt nie aufgefallen war.
Dann hieß es meist: „Mmh. Nun gut, wird
wohl so um die 3 sein.“ So schlecht war das
nicht.
Inzwischen ist das anders. Bei den Olympi-
schen Spielen 1996 fand ich es schon wun-
derbar, dass die Journalisten viele Fragen
an mich hatten – wenn ich so aufgeregt
bin nach einem Wettkampf, bin ich in
Erzähllaune, das muss dann raus, das sind
die Reste der aufgebauten Anspannung.
Ist Zehnkampf zu Recht die Königsdisziplin der
Leichtathletik?
Das kommt drauf an, wen man fragt. Von
den Athleten der Einzeldisziplinen hört
man zumeist: „Ach, die Zehnkämpfer. Die
können zwar alles, aber nichts richtig.“
Gemeint ist natürlich nur, dass Zehn-
kämpfer die Spitzenzeiten der Einzeldiszi-
plinen nicht erreichen. Auf der anderen
Seite steht die Ansicht, dass nur der ein
richtiger Athlet ist, der seinem Körper auf
vielfältige Weise Höchstleistungen abfor-
dern kann. Und eben nicht nur den einen
Bewegungsablauf.
Haben Sie sich schon immer an Ihre heutigen
„Ratschläge“ gehalten und sind deshalb so
erfolgreich gewesen?
Oh, nein. Wenn ich früher eine Nieder-
lage erlitten habe oder mir wieder eine
Verletzung zugezogen hatte, bin ich in
Selbstmitleid versunken. Ich dachte,
ich sei der kaputteste Athlet der Welt.
Gerade vor den Olympischen Spielen in
Atlanta. Aber dass meine Sportlerkarriere
so endete, wollte ich nicht. So habe ich
herausgefunden, dass es hilft, sich auf
das zu konzentrieren, was funktioniert.
Schmerzen im Ellbogen? Dann konnte
ich ja noch laufen. Diese Veränderung
der Einstellung hat geholfen. Und sie hilft
auch im normalen Leben.
Warum ist gerade ein Sportler ein guter Ratge-
ber für das Thema „Motivation“?
Es geht im Alltag ja um dasselbe wie im
Sport: das Erreichen eines Ziels. Es geht
Foto: ©photocase.de/.marqs
Web:
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ORANGE fragt –
Frank Busemann antwortet
sportlich sein
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