ORANGE 2-2013 - page 14

Herr Wicht, die Nachricht der „funktionellen
Heilung“ eines HIV-infizierten Babys ging um
die ganze Welt. Können Sie kurz zusammen-
fassen, was genau die Ausgangssituation in
den USA war?
Die Mutter des Kindes kam mit Wehen ins
Krankenhaus. Während der Geburt wurde
festgestellt, dass sie HIV-positiv ist. Das Kind
wurde nach der Geburt auf HIV untersucht
und wies nach sechs Tagen eine recht hohe
Viruslast auf, hatte sich also infiziert.
Was geschah dann?
Es wurde sofort mit einer Kombinations-
therapie begonnen. Nach 29 Tagen waren
bei dem Baby mit den üblichen Verfahren
keine Viren mehr nachweisbar. Die The-
rapie wurde anderthalb Jahre fortgesetzt,
dann beendete die Mutter die Gabe der
Medikamente. Das Erstaunliche: Als das
Kind später wieder untersucht wurde, wa-
ren mit dem üblichen Verfahren weiterhin
keine Viren nachweisbar. Normalerweise
steigt die Zahl der Viren im Blut schnell
wieder an, wenn man die Medikamente
absetzt – in diesem Fall geschah das nicht.
Lediglich einzelne Viren oder Fragmente
von Viren ließen sich mit Spezialverfahren
aufspüren, aber die konnten offenbar
keinen Schaden mehr anrichten.
Bedeutet das, das Kind ist geheilt?
Wir gehen im Moment davon aus, dass es
zumindest „funktionell geheilt“ ist, dass
HIV ihm also nichts mehr anhaben kann.
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder
sind im Körper tatsächlich keine vermeh-
rungsfähigen Viren mehr vorhanden. Das
wäre dann tatsächlich eine Heilung. Oder
aber das körpereigene Immunsystem
kann das Virus jetzt selber in Schach hal-
ten – dann spricht man von einer funktio­
nellen Heilung. Es gibt im Moment aber
noch keine absolute Sicherheit, dass das
für immer so bleibt.
Also noch kein Grund zur Freude?
Doch, auf jeden Fall! Das Besondere an
diesem Fall ist, dass hier mit der frühen
Fotos: ©aidshilfe.de, ©photocase.de/marshi
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4. März 2013 – Eine Nachricht geht um die Welt, die viele Leute
hoffen lässt, aber auch viele Fragen aufwirft: Ärzte in den USA
berichten von der „Heilung“ eines HIV-infizierten Neugeborenen.
ORANGE spricht mit Holger Wicht, seit 2011 Pressesprecher der
Deutschen AIDS-Hilfe, über diesen Fall und die möglichen Folgen.
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