Table of Contents Table of Contents
Previous Page  38 / 68 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 38 / 68 Next Page
Page Background

„Sieben Mal den Rücken strecken und

100 Krankheiten vertreiben“

Auch

Qigong

(sprich:

tschi gung

) besteht

aus einer Vielzahl überlieferter Übungen,

ebenfalls meist fließend und langsam, im

Extremfall sogar ganz ohne äußere Bewe-

gung. Hier gibt es noch mehr verschie-

dene Stile – und fast so viele Arten, wie

es Lehrer gibt. Qigong-Übungen sind im

Gegensatz zu Tai-Chi-Chuan deutlicher auf

den Aspekt der Gesundheit ausgerichtet

und haben ihre Wurzeln in der traditio-

nellen chinesischen Medizin: Eine Übung

(aus der sehr beliebten Zusammenstellung

der sogenannten

Acht Brokate

) heißt zum

Beispiel

Sieben Mal den Rücken strecken und

100 Krankheiten vertreiben

.

Im Gegensatz zu der ausführlichen Cho-

reografie einer

Form

beim Tai-Chi-Chuan

ist es beim Qigong eher so, dass man sich

intensiver mit den einzelnen Figuren

beschäftigt. Qigong-Übungen sind dabei

zumeist etwas einfacher zu erlernen, weil

man nicht erst einen kompletten Ablauf

erlernt, der ja bei Tai-Chi-Chuan, wie

gesagt, sehr lang sein kann.

Und wer hat’s erfunden?

Qigong hat sich über einen Zeitraum

von mindestens 2300 Jahren bis heute

entwickelt, auch wenn diese Arbeit am

Qi

(siehe weiter unten) früher nicht so

genannt wurde. Tai-Chi-Chuan ist aus den

gesundheitsförderlichen Erkenntnissen

des Qigong erst entstanden.

Von wem und aus welchem Teil des gro-

ßen Reiches Tai-Chi-Chuan aber stammt,

darüber gibt es in China seit langem einen

Streit. Dieser wurde von den Streitenden

sogar auch schon vor Gericht ausgetragen.

Auch hieran wird deutlich, dass die Wiege

des Tai-Chi-Chuan die chinesische Kampf-

kunst (

wushu

) ist. Die Namen mancher

Figuren lassen ebenfalls genau das er-

ahnen, zum Beispiel:

Den Affen abwehren

.

Oder die Figur

Mit den Fäusten auf die

Ohren schlagen

, bei der man unter anderem

beide Fäuste kreisförmig von außen nach

innen bis auf Höhe der Ohren hebt –

gleichzeitig steht man auf einem Bein.

Diese Figur wird auch

Heißer Wind in den

Ohren

genannt, was für uns Westler ein

wenig verständlicher ist – macht der Name

doch deutlich, dass hierbei gar nicht wirk-

lich zugeschlagen wird.

38

sportlich sein