Im Mai 2007 bekommt Claudia endlich
eine Spenderlunge. Nach der Transplanta-
tion lebt sie ihr Leben erst recht mit einer
unvergessenen Intensität, voll geballten
Lebenswillens. Sport und Reisen sind ihr
wieder möglich – und sie veröffentlicht ein
Buch.
Doch die langen Jahre der Krankheit schwä-
chen ihr Herz so sehr, dass sie im Alter von
30 Jahren im Juni 2011 an Herzversagen
verstirbt. Bis zuletzt setzt sie sich bahnbre-
chend für JUNGE HELDEN ein. 6 Tage
vor ihrem Tod appelliert sie im Rahmen
einer Anhörung an den Deutschen
Bundestag, das Transplantationsgesetz zu
verbessern. Anlässlich der späteren tatsäch-
lichen Änderung dieses Gesetzes ehrt Dr.
Frank-Walter Steinmeier sie im März 2012
in einer Rede im Bundestag und würdigt
das neue Gesetz auch als ihren Verdienst.
Jetzt führen JUNGE HELDEN ihr Lebens-
werk weiter. Und wie!
schenkt wird und auch sonst kaum jemand
wirklich Bescheid weiß. Und so gründet sie
gemeinsam mit Freunden und Familie im
Jahr 2003 den Verein JUNGE HELDEN,
der sich – bis heute – zum Ziel gesetzt hat,
auf eine neue und ganz besondere Art auf
das Thema Organspende in Deutschland
aufmerksam zu machen: nämlich liberal,
offen, ehrlich.
Und wie es weiterging ...
Mit Lebensfreude statt Moral
setzt Claudia
sich ein, für Transparenz, diskutiert mit
Politikern, tritt mit ihrem Anliegen in
der Öffentlichkeit auf und gewinnt Men-
schen wie Jürgen Vogel für sich und ihre
Arbeit. Sie kämpft – ohne den erhobenen
Zeigefinger und ohne Mitleid heischen zu
wollen – für das Leben Betroffener und für
ihr eigenes Überleben. Sie organisiert an-
gesagte Partys in Berlin und regt Menschen
an, Stellung zu beziehen.
Coole Partys mit bewegendem Hinter-
grund. Und Helden-Promis ohne Ende.
Bock auf ‘ne richtig fette Party? So eine,
bei der Jürgen Vogel und Benno Fürmann
Dich als Türsteher begrüßen, Joko und
Klaas an der Kasse Eintritt nehmen und
Minh-Khai, Jenny Ulrich, Jochen Schropp,
Johanna Klum und Florian Lukas Dir
einen Drink mixen? Und bei der die Beat-
steaks und Jan Köppen hinterm Mischpult
stehen oder wahlweise Clueso oder The
Boss-Hoss ein Konzert geben? Doch, diese
Partys gibt es wirklich. Es sind JUNGE
HELDEN, die sie einmal im Jahr in Berli-
ner Clubs veranstalten. Wie schaffen die
DAS denn? Und: was wollen die denn?
Wie alles anfing ...
All diese Promis und JUNGE HELDEN
haben eines gemeinsam: sie setzen sich für
das Leben ein und möchten das weiterfüh-
ren, für das SIE gekämpft hat: Claudia Kotter.
Ihre Geschichte berührt. Claudia Kotter
erkrankt bereits als 7- Jährige an Skleroder-
mie, einer seltenen und schweren Auto-
immunerkrankung, deren Verlauf meist
chronisch und unaufhaltsam ist. Werden
Organe befallen, haben Betroffene nur
eine geringe Lebenserwartung. Eine nie-
derschmetternde Diagnose.
Aber Claudia hat eine unglaublich positive
Lebenseinstellung und immens viel Kraft,
und schafft es, ein relativ normales Leben
zu führen. Doch ihr Zustand verschlim-
mert sich schubweise und mit 20 Jahren ist
ihr Leben nur noch durch eine Lungen-
transplantation zu retten. Auf diese Lunge
wartet sie 4 Jahre, die meiste Zeit davon
in Krankenhäusern. Doch Claudia gibt
nicht auf. Ihr Lebensmotto heißt: „Später
gibt es nicht. Das Leben findet jetzt statt,
man kann es nicht verschieben.“ Sie stellt
fest, dass dem Thema Organspende von
offizieller Seite viel zu wenig Beachtung ge-
Illustrationen:
©
Carolin Barth
Ein Held
für (D)ein Leben
JUNGE HELDEN – das ist keine deutsche Newcomer-Band, die mit
dem ultimativen Beat den Puls auf Hochtouren bringen will.
Wobei, um den Pulsschlag geht es ihnen auch. Und zwar im wahr-
sten Sinne des Wortes: Sie zeigen einen neuen Umgang mit einem
schwierigen Thema, für das sich die meisten von uns noch viel zu
jung fühlen oder das zu viel Angst macht, als dass man darüber
nachdenken möchte: das Thema Organspende.
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engagiert sein
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