Inform 3 / 2014
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Computerspiele

führen zu Realitätsverlust

Stubenhocker sind suspekt. Wer den ganzen

Tag lang in der Bude hockt und Bücher liest,

Schach spielt, Klavier übt oder Computer spielt,

ist irgendwie komisch. Kinder, die ihre Zeit

draußen verbringen und dabei stundenlang ei-

nem Lederball hinterherjagen, laufen offenbar

weniger Gefahr, einen Realitätsverlust zu erlei-

den, wie er gern den Stubenhockern unterstellt

wird. Als ob es irgendetwas mit dem wahren Le-

ben zu tun hätte, Bällen hinterherzulaufen.

Computerspiele

machen gewalttätig

Fechten, Karate und Kendo machen gewalttä-

tig. Boxen, Ringen, Schießsport (Biathlon, Ton-

taubenschießen) machen gewalttätig. Soldaten,

Polizisten und Metzger sind auch alle gewalt-

tätig. Oder? Aggressives Verhalten ist Teil unse-

res evolutionären Erbes. Die Anlage zur Gewalt

steckt in allen. In unserer pazifistischen und to-

leranten Zivilgesellschaft ist jedoch Affektkon-

trolle und Respekt vor den anderen gefordert.

Das bekommt nicht jeder hin. Mit Computer-

spielen hat das aber nichts zu tun.

Tobias Greitemeyer und Dirk Mügge von der

Universität Innsbruck haben in einer Metaanaly-

se 98 Einzelstudien, die seit dem Jahr 2009 zum

Thema Videospiele erschienen sind, verglichen.

Ergebnis: Aggressive Spiele verstärken kurzfris-

tig, das heißt für eine halbe Stunde, aggressives

Verhalten wie Wut und Ärger.

Machen

Computerspiele dumm?

Der Spieltrieb des Menschen hat ja einen evo-

lutionären Sinn: Man soll üben, um besser zu

werden. Wer immer draußen tobt und Fußball

spielt, übt die Körperintelligenz. Wer immer nur

auf dem Hintern sitzt und Schach spielt, liest

oder eben Computerspiele spielt, übt auch et-

was. Aber was?

Metastudien zeigen, dass sich Videospiele po-

sitiv auf die räumliche Orientierung, das strate-

gische Denken, die Gedächtnisbildung und die

Feinmotorik auswirken können. Man könnte

sagen: Was immer man übt, kann man dann

auch. Und was man nicht übt, kann man nicht.

Oder wie Michael Ballack (gut am Ball, nicht so

gut am Computer) einst so treffend formulierte:

»Wir können so was nicht trainieren, sondern

nur üben.«

Machen

Computerspiele dick?

»Sitzen Kinder am Tag mehr als eine Stunde

vor dem Bildschirm, steigt ihr Risiko, dick zu

werden«, sagt Professor Manfred J. Müller vom

Institut für Humanernährung und Lebensmittel-

kunde an der Universität Kiel. Sitzen sie einfach

nur so rum, verhält es sich vermutlich ähnlich.

Letztlich machen also Schule (findet ja vorwie-

gend im Sitzen statt) sowie Lesen ebenfalls dick.

Machen

Computerspiele süchtig?

Es gibt suchterzeugende Substanzen wie Opi-

ate, Methamphetamine oder Alkohol, die zu ei-

ner körperlichen Abhängigkeit führen. Andere

»Substanzen« wie Glücksspiel, Fernsehen, Sex,

Sport, Essen oder Computerspiele können psy-

chisch abhängig machen. Ist jemand psychisch

labil, sollte er sowieso mit allem vorsichtig sein,

was sein Belohnungssystem dazu anregt, Dopa-

min auszuschütten.

ieso haben Eltern etwas

gegen Computerspiele?

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