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Und was spricht eigentlich gegen eine schöne

Partie »Mensch ärgere Dich nicht«? Oder gegen

Mau-Mau? Ja, voll bescheuerte Spiele, ich weiß,

aber wo sonst können wir alten Säcke heute noch

reüssieren? Es gibt nur ein Problem: »Mensch är-

gere Dich nicht« und Mau-Mau sind Glücksspie-

le und der triumphale, epochale, endgültige Sieg

über die eigene, respektlose Brut ist alles andere

als eine Formsache. Oder etwa doch nicht?

Strategy

Cheats

»Mensch ärgere Dich nicht«

»Mensch ärgere Dich nicht« ist ebenso wenig

ein Glücksspiel wie Blackjack. Mit der richtigen

Strategie zwingt man jeden Gegner in die Knie.

Gehen wir der Einfachheit halber von zwei

Parteien aus, die gegeneinander spielen (drei

Parteien ist schlecht, jedenfalls für denjenigen,

dessen Figuren sich in der Mitte befinden). Da

man sein Würfelglück nicht beeinflussen kann,

bleibt einem nur die Wahlfreiheit, welche seiner

Figuren man zieht. Rückt man mit mehreren

vor? Schlägt man in jedem Fall? Spielt man si-

tuativ, um gegnerischen Figurenhorden aus dem

Weg zu gehen?

Der Wirtschaftsinformatiker Artur Trzewik

hat diese Fragen ein für alle Mal beantwortet.

Gaming

Gewinnstrategien für

»Mensch ärgere Dich

nicht« und Mau-Mau

s war 1978. Unter dem Weihnachts-

baum

lag die Zukunft.

Eine Spiel-

konsole mit vier festprogrammierten

Spielen: Pong, Squash, Tennis, Fußball. Anzu-

schließen an jeden handelsüblichen Schwarz-

Weiß-Gucklochfernseher, so wie ich ihn auch in

meinem Zimmer stehen hatte. Ich spielte zwei-

mal gegen meine Erziehungsberechtigten, dann

war ihnen vermutlich klar, dass sie nie gegen

mich gewinnen würden. Vielleicht kamen sie

auch einfach nicht mit den Gamecontrollern zu-

recht. Jedenfalls ließen sie sich nie wieder zu ei-

nem Spiel Pong überreden.

Im Jahr 2014 stellt sich die Situation folgen-

dermaßen dar: Nehme ich den Xbox-Controller

in die Hand, werde ich garantiert innerhalb von

Sekundenbruchteilen niedergemetzelt, überfah-

ren, in den Weltraum geblasen oder sonst ir-

gendwie gedemütigt. Vermutlich geht das vielen

Eltern so. Aber damit ist jetzt Schluss. Was ge-

spielt wird, entscheiden immer noch wir, oder?

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03|2014

© istockphoto/kinnerean