Inform 2 / 2016
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02|2016

sich mal ein paar Tage freizunehmen. Ging man auf Rei-

sen, war das gefährlich und mehr Arbeit als Vergnügen.

Man denke nur an die Ausflüge Alexanders des Großen

nach Indien und Ägypten oder die Stippvisite Attilas

des Hunnen in Europa. Auch die Reisen des Odysseus

waren für ihn selbst und seine Begleiter im Großen und

Ganzen eher unerquicklich.

Die Bullerbüsierung der Kindheit

// inform 3.2013

Mit der Pluralisierung der Lebensentwürfe ergab sich

eine Vielzahl an Handlungs- und Repräsentationsopti-

onen. Es entstand gewissermaßen die Notwendigkeit,

nicht nur für sich, sondern auch für die eigene Nachkom-

menschaft einen Standpunkt gleichsam zu »entwickeln«

und diesen mittels kultureller Codes auszudrücken. Die

Werbeindustrie schlägt uns hierfür das Dinghafte vor,

das Kleidungsstück, die Frisur, das Möbel und mitunter

sogar das Design kleiner Törtchen, auch Cupcakes ge-

nannt. Dass eine Haltung nicht immer auf den ersten

Blick sichtbar sein muss, kommt vielen Menschen ja

gar nicht mehr in den Sinn. Das Präsentieren ist ihnen

zur zweiten Natur geworden.

Was treibt ihr da?

Überwachung als Form elterlicher Fürsorge

// inform 1.2014

Gelegentlich blättern wir in unserer Erstausgabe von Karl

Poppers »Die offene Gesellschaft und ihre Feinde« und

überprüfen, ob wir noch auf der richtigen Seite stehen –

die Kinder also zu offenen, toleranten und kritischen

Menschen erziehen – oder ob wir zu missmutigen Block-

warten einer elterlichen Überwachungsdiktatur gewor-

den sind. Manchmal ist das Ergebnis nicht eindeutig.

Unendlicher Badespaß

// inform 2.2014

Anita Ekberg oder eine ihr ähnelnde stämmige Blondine

steigt gravitätisch-bedächtig in die Fontana di Trevi oder

etwas, das aussieht wie eine Schimäre aus einem grie-

chischen Tempel und ambitioniertem Jacuzzi-Nachbau

aus dem Hobbykeller. Der Geruch von Pommes mischt

sich mit dem von Chlor und Urin. Hysterische Schreie,

ein Gelärme jenseits der Referenzgröße »startendes

Kampfflugzeug«. Entweder befinden wir uns in einer

Hieronymus-Bosch-Welt oder einem Spaßbad.

Neuigkeiten aus Schenkistan. Geben & Nehmen

// inform 3.2014

Das Geschenk ist eine ressourcenschonende Alterna-

tive zum Krieg. In der Soziologie bezeichnet man das

Geschenk als soziale Sanktion – es verlangt nach einer

sozialen Antwort. Diese besteht in der Regel aus einer

Dankesgeste (die nicht von ungefähr der Unterwerfungs-

geste ähnelt) und zumeist einem Gegengeschenk. Mit

diesem System gegenseitiger Verpflichtungen versicher-

ten sich soziale Gruppen wie Großfamilien oder Stämme

gegen kriegerische Auseinandersetzungen.

Die Vermessung des Ichs

// inform 1.2015

Natürlich, der Mensch wollte niemals einfach nur das

sein, was er eben ist: ein Tier mit ein wenig Verstand.

Der Mensch brauchte schon immer eine feste Grenze

zu dem Tier in sich. Er musste sein Menschsein erst

entwickeln und durch Kultur festigen. Das Tier musste

erzogen werden, und so gelangte die Askese zu ihrem

guten Ruf. Bildung, Kunst, Wissenschaft, Religion – al-

les, was uns vom Schrecken unserer eigenen tierischen

Wildheit entfernt, ist gut. Das Gegenteil des Tieres in uns

ist komplette Kontrolle, wie sie das Self-Tracking anstrebt.

Vielleicht sind wir auf dem Weg dahin, endlich das Tier

in uns hinter uns zu lassen. Es wäre vernünftig.

Aufbruch in die sanfte Gesellschaft

// inform 3.2015

Es ist 1986. Miami Vice. Tubbs und Crocket werfen sich

lässig ihre pastellfarbenen Sakkos über. In farblich abge-

stimmten Wildleder-Slippers schlappen sie über einen

der Piers in Miami zu ihrem Ferrari. Alle sehen gut aus,

denn alle kümmern sich um ihren Körper. Der muss auch

fit sein, denn die ständigen Partys und die Berge von

Koks zehren sonst irgendwann an der Substanz. Die

Leute haben Fun, oft tagelang am Stück.

Vorstellung vom 21.Jahrhundert.

Die Simulation unsers Lebens durch das Digitale

// inform 1.2016

Jedes Foto und Video im Internet, auf Instagram, Tumblr

oder bei Youtube ist nicht das Abbild von etwas, son-

dern selbst ein Etwas. Wahrheit und Falschheit sind Be-

griffe der Mathematik. Sie mögen relevant sein für die

Programmierer, die den Code verwalten, aber nicht für

diejenigen, die in der Simulation leben.

Das letzte Mal

// inform 2.2016

Das war’s. Es ist vorbei. Nun ging das doch ganz schön

schnell. Manche sagen, das Leben sei auch viel zu kurz.

Vielleicht haben sie recht, und dann sollte man die Zeit,

die man hat genießen und nutzen. Ja, ich finde, so sollte

man das machen …